Ein Gefühl von Heimat

Warum das Laufen zu Hause am Schönsten ist

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nahe ist? Laufen kann man überall – aber am besten zu Hause. Wir finden: Es gibt noch viele unentdeckte Gegenden, direkt um die Ecke. Machen wir uns auf, sie gemeinsam zu erkunden!
Text:| Fotos: Leki/Christoph Schöch, Andi Frank, Unsplash

Heimat ist, wo man sich zu Hause fühlt. Während sich die Welt um uns herum immer schneller zu drehen scheint, bleibt die Heimat unser Orientierungspunkt, Geborgenheitsgefühl inklusive. Die „Tourismus Analyse 2020“ der Stiftung für Zukunftsfragen fand in ihrer letzten Erhebung heraus, dass knapp 35 Prozent aller reisenden Deutschen 2019 im eigenen Land blieben. „Balkonianer“ fallen übrigens nicht in diese Statistik. Die Deutschen  machen also am liebsten an einem Ort in Deutschland Urlaub. Österreich nimmt unter den europäischen Favoriten Platz drei ein. Auch unter den jüngeren Deutschen sind die Alpen wieder schick, Schrebergärten boomen, Interkontinentalflüge sind nicht zuletzt auch aus Umweltgründen out. Regional ist Trumpf, ob beim Gemüse im Supermarkt oder bei Laufbekleidung. Woher kommt das?

Wie Heimat entsteht

Das Heimatgefühl wird in der Kindheit geprägt: Ereignisse brennen sich ins Gehirn ein, wenn sie mit starken Emotionen besetzt oder häufig wiederholt werden. Verschiedene Erfahrungen wie Bilder, Gerüche, Klänge oder Berührungen lösen dann ein Leben lang positive Gefühle aus. Für mich ist das die sich spiegelnde Sonne im See auf meiner Lauf-Hausrunde, ein tiefer Atemzug auf Sylt, wo ich als Kind die Ferien verbracht habe, das Gipfelpanorama im Tannheimer Tal, wo ich beim Skifahren lernte, rechts und links zu unterscheiden (links war die schwarze Piste, den Fehler machte ich nur  einmal). Fernweh und Heimweh müssen sich nicht gegenseitig ausschließen, schon in einer Stunde Zug-, Rad- oder Autofahrt kommt man an Orte, die neu und vertraut zugleich sind. Und auch oder sogar vor allem laufend können wir uns einen neuen Ort zu Eigen machen.

Veranstaltungen vor der Haustür

Der Deutsche Leichtathletikverband DLV zählte schon 2016 mehr als 3.500 Laufveranstaltungen; die teilnehmerstärksten waren und sind die Städte-Marathons in Berlin, Hamburg, Frankfurt und München. Fest steht: Man muss nicht in die Ferne schweifen, je nach Vorliebe findet jeder Läufer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht nur einen  passenden, sondern sogar einen wunderschönen und ganz besonderen Lauf. Denn landschaftlich sind wir definitiv verwöhnt. Vom Strand bis zum Hochgebirge, wir haben alles: die zerklüfteten Felsformationen des Elbsandsteingebirges, das intensive Lila der blühenden Lüneburger Heide, die steilen Rügener Kreidefelsen, das beeindruckende Bergpanorama an tiefblauen Alpenseen – Letztere nur einen Steinwurf von der Metropole München entfernt. Baumgiganten im  Schwarzwald, wunderschöne Allgäu-Täler, in denen die Zeit stillzustehen scheint. Die Liste lässt sich beliebig fortführen.

ÜBERRASCHEND SPANNEND: Die schwäbische Alb grenzt an den Großraum Stuttgart und ist ein beliebtes Trailrevier.
Foto: Leki/Christoph Schöch

Monumentale Bergankunft

Ganz oben auf der Liste stehen natürlich die Alpen. An ihnen kommt man als Schweizer, Österreicher, Deutscher nicht vorbei. Und auch als Läufer nicht: Hier finden die Events statt, von denen wir nachts träumen – um dann entweder schweißgebadet oder voller Sehnsucht aufzuwachen. Der Transalpine Run, bei dem die Teilnehmer im Team 255  Kilometer und 16.500 Höhenmeter Anstieg überwinden – und auf der anderen Seite der Alpen herauskommen. Der Großglockner Ultra-Trail mit einer Strecke von 110 Kilometern und 6.500 Höhenmetern, der durch drei Bundesländer, sieben Täler und vorbei an 14 Gletschern und 300 Gipfeln über 3.000 Metern führt. Die Alpen sind der Sehnsuchtsort der nach Superlativen Suchenden unter den Läufern.

Nicht nur im Hochgebirge

Alle, die es etwas gemäßigter mögen, bleiben in den schönen Tälern der Alpen oder der deutschen Mittelgebirge. Von der Sächsischen Schweiz bis zum Allgäu, vom Schwarzwald bis zu Harz und Eifel – Deutschland ist reich an Wildnis  direkt vor der Haustür! Überall genießen Sie regionale Spezialitäten, die untrennbar mit ihrer jeweiligen Heimat verbunden sind: Bündner Nusstorte, Allgäuer Käsespätzle, Thüringer Klöße. Wenn ich in den Bergen nach einem anstrengenden Tag meine erste Gabel Germknödel esse, ist es wieder da: das Heimatgefühl. Die schönen Flecken sind da: Es gilt, sie zu entdecken! Dank gut ausgebauter Infrastruktur (Bahnhöfe, Lifte, Hütten) und Wanderweg-Netze, über die sich auch Trailrunner freuen, ist dies einfacher als je zuvor. Ein Mehrtagesabenteuer im Gebirge ist nicht weniger aufregend, weil die Anreise kurz ist. Wir laden Sie ein: Suchen und besuchen Sie mit uns die schönsten Laufspots bei sich in der Nähe. Finden Sie das Neue, erlaufen Sie die Wunder, die sich vor Ihrer Haustüre befinden!

Redaktion
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