Das war der Wings for Life World Run 2022

Der weltweite Spendenlauf sammelt 4,7 Millionen Euro

Nach zwei Jahren Pause fanden nun sowohl die Flagship-Läufe als auch die App-Teilnahmen wieder statt. Über 7.000 gingen in München an den Start.
Text: Dr. Carsten Drecoll | Fotos: Jo Hagena for Wings for Life, Carsten Drecoll, Hans Herbig for Wings for Life

Der Wings for life World Run konnte in diesem Jahr auch wieder live stattfinden – an vielen verschiedenen Locations in der ganzen Welt. Die Idee: Die Aktiven werden nicht an einer fixen Ziellinie erwartet, sondern von einem Auto, dem Catcher Car eingeholt. Wer zum Beispiel eine Geschwindigkeit von 6 Minuten pro Kilometer vorlegt, wird nach genau 90 Minuten eingeholt. Das Catcher Car wird mit der Zeit immer schneller, am Ende holt es jeden ein. Manche knacken dabei die 60-Kilometer-Marke.

Nach den beiden Corona-Jahren konnten nun auch wieder die Flagship-Läufe stattfinden. Für Deutschland fiel der Startschusss in München, direkt auf dem Olympia-Gelände. Die Startgelder gehen vollständig in die Wings for Life-Stiftung, die Projekte zur Erforschung und Heilung von Rückenmarksverletzungen finanziert. Zugleich machen Lauf und Stiftung natürlich auf die Schicksale und die Situation der Betroffenen aufmerksam.

Worum es geht

Auch in München konnten die Teilnehmenden über den aktuellen Stand Informationen erhalten, zum Beispiel mit der Podiumsdiskussion am Samstag. Der frühere Extremsportler und Mountainbiker Tarek Rasouli erzählte von seinem Unfall und darüber, was es bedeutet querschnittsgelähmt zu sein. Die wissenschaftliche Koordinatorin Dr. Verena May informierte über Projekte und den Stand der Forschung. Rennfahrerin Sophia Flörsch erzählte von einem Unfall, den sie 2018 hatte und den sie ohne bleibende Verletzungen überstand – der sie aber zugleich motiviert, sich für den Wings for life World Run zu engagieren. Am Sonntag fuhr sie das Catcher Car. An ihrer Seite feuerte Kristina Vogel, zweimalige Olympiasiegerin, die nach einem Unfall querschnittsgelähmt ist, die Läufer und Läuferinnen an.

Der Race Day

Am Sonntag ging es dann natürlich um die sportliche Seite. Der Vorteil der mobilen Ziellinie: Es gibt kein „Did not finish“. Jeder kommt ins Ziel, mit seinen eigenen Fähigkeiten und seiner eigenen Geschwindigkeit. In Deutschland siegten schließlich Florian Neuschwander, der bei 61 Kilometern eingeholt wurde, sowie Dominika Stelmach mit 48 Kilometern. Der international erfolgreichste Deutsche hieß Jonas Müller (63,69 Kilometer), eine absolute Überraschung. Niemand hatte mit diesem Läufer gerechnet, der mittels App teilnahm und sein Rennen in Schottland lief.

App-Runner

Apropos App: Insgesamt nahmen 21.000 Aktive in Deutschland und mehr als 120.000 international teil. Auch die beiden internationalen Sieger waren per App dabei: So nämlich Nina Zarina, die in Kalifornien in Santa Monica den Sieg bei den Frauen davontrug (56 Kilometer) – und zwar zum vierten Mal in Folge – sowie der Japaner Jo Fukuda, der nachts seinen Lauf absolvierte, mehrmals mit Problemen zu kämpfen hatte, aber zuletzt auf 64,43 Kilometer kam, bevor ihn das virtuelle Catcher Car auf der App einholte. Zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Teilnehmenden in München schon wieder im Olympia-Stadion angekommen und verfolgten das spannende Finale gemeinsam auf der Leinwand.

Mitmachen macht wirklich Spaß, lohnt sich … und wird belohnt. Dass sich so viele Menschen für die einsetzen, die zurzeit nicht laufen können, macht allen Mut und stellt eine große emotionale Unterstützung dar.

Der nächste Wings for Life World Run findet am 7. Mai 2023 statt. Jeder und jede kann dabei sein, bei einem Flagship-Run oder per App.

Gleich anmelden beim Wings vor Life World Run 2023

Redaktion
Dr. Carsten Drecoll
Dr. Carsten Drecoll, langjähriger Redakteur bei Buch- und Zeitschriftenverlagen, ist seit über 15 Jahren mit der RUNNING und mit dem Laufsport verbunden. Die Natur genießen, Städte erkunden und die unglaublichsten Geschichten entdecken – das ist Laufen.
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