Das große Finale

Der Valencia Marathon 2020

Da es nur wenige Straßen-Rennen in diesem Jahr gab, fokussierte sich die Läufer-Elite neben London auf Valencia. Am 06.12.2020 lieferten diese eine wahre Marathon-Gala.
Text: Dr. Carsten Drecoll | Fotos: Maratón Valencia

Sonnig und kühl. Das Wetter in der spanischen Stadt Valencia war ideal für den Laufsport. Circa 300 Athletinnen und Athleten waren geladen, darunter zahlreiche deutsche Top-Läufer. Und dankenswerterweise übertrug der NDR live das Weltbild des spanischen Fernsehens. Endlich konnte man wieder einem realen Marathon folgen. Und es wurde spannend.

Bereits der Halbmarathon wurde zur Sensation, denn die magische Marke von unter 58 Minuten wurde nicht nur erstmalig, sondern gleich von vier Läufern unterboten. Der Kenianer Kibiwott Kandie kam mit 57:32 Minuten ins Ziel und stellte damit einen neuen Weltrekord auf. Bei den Frauen erreichte die Äthiopierin Genzebe Dibaba eine Zeit von 1:05:18 Stunden.

Zu diesem Zeitpunkt lief auch bereits der Marathon. Dass es schnelle Zeiten geben würde, war schon bei den ersten Durchgangszeiten klar. Bei den Männern kam es ganz zum Schluss auf dem blauen Teppich dann sogar noch zu einem Zielsprint zwischen Evans Chebet und Lauwrence Cherono, das Chebet nach einem Stolperer seines Rivalen nutzte, diesen auf den letzten Metern überholte und den Marathon für sich entschied – in 2:03:00 Stunden. Bei den Frauen gewann mit Abstand die Kenianerin und Weltmeisterin im Halbmarathon, Peres Jepchirchir, die mit 2:17:16 Stunden den Rekord der Veranstaltung unterbot.

Kibiwott Kandie lief mit 57:32 min einen neuen Weltrekord im Halbmarathon
Foto: Media Maratón Valencia

Großer Tag für die deutschen Athleten

Auch aus deutscher Sicht war der Tag spektakulär: Amanal Petros gelang es, einen neuen deutschen Rekord aufzustellen. Er finishte in 2:07:18 Stunden und schlug so die bisherige Zeit von Arne Gabius, die dieser 2015 gelaufen war. Auch für Richard Ringer, dessen Debüt dieser Lauf war, lief das Rennen bestens: Mit 2:10:59 Stunden unterbot er die Olympia-Norm und empfahl sich somit neben Amanal Petros und Hendrik Pfeiffer als dritter Kandidat für die Nominierung für Tokio.

Philipp Pflieger erreichte ebenso eine neue persönliche Bestzeit in 2:12:15 Stunden. Natürlich war es enttäuschend, dass er die Olympia-Norm diesmal verfehlte, jedoch zeigte er auch, dass sich sein Training mit seinem neuen Coach Renato Canova auszuzahlen beginnt. Mit ihm ist bis April auf jeden Fall noch zu rechnen. Tom Gröschel musste leider bereits während des Rennens vorzeitig aussteigen und konnte nicht finishen.

Bei den Frauen war Deborah Schöneborn der Star des Tages. Mit 2:26:55 Stunden unterbot sie die Olympianorm klar und steht nun hinter Melat Kejeta (die krankheitsbedingt nicht starten konnte) an Platz 2 bei den Kandidatinnen für Olympia. Auch ihre Schwester Rabea Schöneborn gelang die Norm mit 2:28:42 Stunden – und das bei ihrem Marathon-Debüt.

Damit ist das Feld der deutschen Läuferinnen und Läufer so stark wie nie. Im Frühjahr kann es bei Männern wie Frauen noch mal spannend werden. Und natürlich freuen wir uns auf Olympia im Sommer.

 

Redaktion
Dr. Carsten Drecoll
Dr. Carsten Drecoll, langjähriger Redakteur bei Buch- und Zeitschriftenverlagen, ist seit über 15 Jahren mit der RUNNING und mit dem Laufsport verbunden. Die Natur genießen, Städte erkunden und die unglaublichsten Geschichten entdecken – das ist Laufen.
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