Run to the Magic Pass

Die dritte Austragung des Stelviomarathon

Unter den zahlreichen Lauf-Events in Südtirol ist der noch junge Stelviomarathon etwas ganz Besonderes. Nach der Premiere 2017 konnte ich nun die dritte Austragung besuchen.
Fotos & Text: Dr. Carsten Drecoll

Einmal im Jahr gehört ein Teil der berühmten Pass-Straße, die sich in 48 Kehren (Tornanti) zum Sitlfser Joch (italienisch Stelvio) hinaufwindet und gewöhnlich Radfahrer und Motorrad-Fans zum Kurven animiert, den Läufern. Ausgangspunkt ist Prad, das auf 915 Meter Höhe im Vinschgau/Südtirol liegt – einer Gegend, die von Apfel und Weinanbau sowie natürlich einer imposanten Bergkulisse geprägt ist.

Flache Runde vorweg

Die ersten 15 Kilometer führen die Marathonis denn auch durch die idyllische Garten- und Weinlandschaft, vorbei an der Burg Lichtenberg und durch das mittelalterliche Städtchen Glurns (Glorenza), dessen altes Stadtbild einschließlich Mauer und Stadttoren noch als vollständiges Ensemble erhalten ist. Am idyllischen Fischweiher gilt es für die Athleten, sich mit Getränken und Nahrung zu versorgen und sich für den Anstieg zu rüsten. Das schneebedeckte Ziel ist von hier aus bereits im Blick und wirkt trügerisch nah.

Dann beginnt der Aufstieg – und für die Teilnehmer der kürzeren Strecke („Classic“) der Lauf überhaupt. Steil geht es hinauf zum Ort Stilfs in 1.300 Meter Höhe. Auf Schotter- und Wanderwegen schrauben sich die Läufer immer weiter hinauf und gelangen über Fragges (1.700 Meter) zur Furkelhütte (2.150 Meter), die nicht nur mit dem ersehnten Verpflegungsstand, sondern auch mit grandiosem Ausblick auf den Ortler (3.900 Meter) aufwartet.

Streckenänderung

Die Originalstrecke führt nun über einen alpinen Steig mit technisch anspruchsvollem Untergrund, Geröllfelder und herrliche Natur durch die Oberer Tartscher Alm durch den Parco Nazionale dello Stelvio, um dann die Läufer wieder hinabzuführen bis zur 24. Kehre, bei der die asphaltierte Passstraße erreicht wird. Dieses spektakuläre Streckenstück war wegen des reichhaltigen Schneefalls in diesem Frühjahr leider nicht passierbar, weshalb die Strecke schon kurz nach der Furkelhütte steil bergab führte und die Teilnehmer bei der 42. Kehre zur Straße geleitete. Etwa 1.000 Höhenmeter waren daher noch auf Asphalt zu bewältigen. Die Zeiten der Top-Athleten wurden dadurch deutlich schneller, für die Mehrheit der Läufer war die lange Straße jedoch eher eine mentale Herausforderung.

Kurz nach der Franzenshöhe, einem Ausflugslokal und Biker-Treffpunkt – früher eine Relais-Station für den anspruchsvollen Pass-Verkehr – sind die Aktiven dann wieder auf der Originalstrecke. Es sind dann nur noch sieben Kilometer. Wer jedoch seinen Blick suchend nach oben richtet und die Kehren und ihre Stützkonstruktionen sieht, die noch bevorstehen, dürfte schnell verstehen, dass es jetzt noch einmal anstrengend wird. Die meisten Läufer gehen jetzt längst – sie sind erschöpft und bei der kräftezehrenden Steigung wären die meisten auch im Laufschritt nicht schneller.

Trotzdem ist die Stimmung auf der Strecke gut. Herzlich das Miteinander und an jedem Streckenposten und Verpflegungsstand ist die südtiroler Gastfreundschaft spürbar.

Der Sieger hieß dieses Jahr Benedikt Hoffmann, der die Strecke in 3:29:55 Stunden bewältigte. (Hoffmann lief beim Freiburg Marathon 2016 einen Streckenrekord von 2:23:02 Stunden.) Karin Freitag hatte bei den Frauen die Nase vorn, sie legte eine Zeit von 4:24:08 Stunden vor.

Den Organisatoren um Peter Pfeifer und Julia Hensel kann man nur gratulieren. Die Organisation dieses Laufes ist überragend gut, die Streckenführung sehr gut markiert und die Posten eng gesetzt, sodass die Läufer stets in Sicherheit sind. Das gilt auch für die engmaschige Verpflegung – sehr lecker zudem.

Der Stelvio ist für Marathonis, die eine neue Herausforderung suchen, ein echter Tipp. Prad erreicht man mit öffentlichen Verkehrsmitteln (über Mals) oder mit dem Auto ab München über den Reschenpass. Zum Relaxen, für kleinere Wanderungen und Läufe und zur Regeneration bietet die Region Südtirol anschließend ein überreiches Angebot.

Tipp zum Vormerken: Mehr zum Thema Laufen in Südtirol gibt’s in unserem Septemberheft.

Der nächste Stelviomarathon findet am 13.06.2020 statt.

www.stelviomarathon.it

Redaktion
Dr. Carsten Drecoll
Dr. Carsten Drecoll, langjähriger Redakteur bei Buch- und Zeitschriftenverlagen, ist seit über 15 Jahren beruflich und privat mit dem Laufsport verbunden.
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