Es muss nicht immer ein Ultra sein

Interview mit Joey Kelly

Musiker und Ausdauerathlet Joey Kelly bestritt beim 2. EneryRun in Wiesbaden ein Rennen über fünf Kilometer, ungewöhnlich für jemanden, der auch schon 100 Kilometer gegen ein Pferd bestritten hat. Er erklärte uns, was es damit auf sich hatte.
Text:| Fotos: Detlef Gottwald, Jochen Schmitz

SCHMITZ: Du bist als Ausdauer-Biest bekannt. Was fasziniert Dich an den endlosen Herausforderungen?

KELLY: Für mich ist das eine Leidenschaft. Und eine Verknüpfung von Dingen, die mir Spaß machen. Ich mag es, zu den Events in ferne Länder zu reisen, lerne dort Neues kennen und quäle mich gerne. Das gibt mir Energie, ist ein Ausgleich zum Alltag.

SCHMITZ: Welche fordernden Rennen sind Dir in Erinnerung geblieben?

KELLY: Es gab früher in Libyen einen 200-Kilometer-Orientierungslauf, das war der geilste Run, den ich je absolviert habe. Dann bin ich mal in Sibirien als Selbstversorger 250 Kilometer bei einem Event über den Baikalsee gerannt. Ein Wettlauf zum Südpol mit Markus Lanz über 400 Kilometer war ebenso eine wahnsinnige Erfahrung. Meine Highlights waren zudem das Race-Across-America und meine beiden Deutschlandläufe von Nord nach Süd durch die Republik. Dann waren da noch Wettkämpfe in der Atacama Wüste, in Alaska, im Amazonas …

SCHMITZ: Der Amazonas war doch die Aktion, bei der Du Dir leere Flaschen unter die Füße geklemmt hast – warum?

KELLY: (lacht): Ja, die Idee habe ich von einem Engländer geklaut. Unsere Füße waren von der hohen Luftfeuchtigkeit, dem Matsch, Dreck und aufgrund des vielen Wassers, durch das wir über Tage immer wieder mussten, total aufgequollen. Wir kamen nicht mehr in die Schuhe. Barfuß laufen ging wegen der vielen giftigen Tiere wie zum Beispiel der Bullet Ants auch nicht. Da haben wir dann irgendwann Plastikflaschen mit dem Buschmesser längs durchgeschnitten und die zum Schutz als Latschen unter die Füße geklemmt.

SCHMITZ: Du steckst mal mitten im Dschungel, mal im unendlichen Eis der Antarktis – woher kommt die Motivation?

KELLY: Mein Antrieb ist natürlich der Gedanke anzukommen. Und wenn man gesund ist, möchte man natürlich eine halbwegs gute Platzierung erreichen. Gerade früher, als ich weniger gearbeitet habe, mehr trainieren konnte und fitter war, hat mich der Gedanke an ein Top-Ten-Ranking wahnsinnig gepusht.

SCHMITZ: Du startest hier in Wiesbaden beim EnergyRun über fünf Kilometer. Für Dich ein ungewöhnlich kurzer Wettkampf. Wieso machst Du das?

KELLY: Ich habe Probleme mit der Achillessehne, nehme das hier zum Aufbau. Außerdem finde ich solche kürzeren Rennen toll, denn sie bringen die Menschen zum Laufen. Fünf Kilometer kann einfach jeder schaffen. Über solche Events finden viele dann auch zu den längeren Distanzen. Und das muss einfach unterstützt werden.

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