Der MOUNTAINMAN

Eine Trailrunning & Hiking-Serie für Jedermann

Seit 2018 gibt es die internationale Trailrunning- und Hikingserie MOUNTAINMAN®. Was dahinter steckt, erzählt die Gründerin und Organisatorin Jutta Mützer
Text: Dr. Carsten Drecoll | Fotos: MOUNTAINMAN

Am 12. März ist es wieder so weit: In Reit im Winkl startet der Wintertrail des Mountainman, einer noch jungen Rennserie, über die in der RUNNING auch bereits berichtet wurde. Jetzt konnten wir einmal nachfragen, was eigentlich dahinter steckt und wie dieses Format überhaupt entstanden ist.

RUNNING: Wer seid ihr und wie ist der MOUNTAINMAN entstanden?

Jutta Mützer: Ich habe zunächst eine klassische Büroausbildung gemacht und dann Kommunikationswissenschaften studiert, in der Industrie gearbeitet und mich dann als Marketingberaterin selbstständig gemacht. So habe ich begonnen, mit Profisportlern zu arbeiten und wurde für die Deutsche Sportmarketing, die die deutsche Olympia-Teilnahme als Marketing-Agentur begleitet, tätig. Wir entwickelten ein Format, das Laien die Möglichkeit bot, eine Sportart mit den Profis kennenzulernen. So konnte ich das Know-How über 30 Olympische Sportarten erwerben.

In den USA habe ich Hindernisläufe kennengelernt: Erstaunt habe ich festgestellt, dass die Leute viel Geld zahlen, um wie die Verrückten durch Matschlöcher zu laufen. Ich habe mir das angesehen und gesagt, das ist spannend. In Deutschland gab es damals, 2010, fünf Hindernisläufe. So bin ich als Veranstalter eines offiziellen Laufs erstmals aktiv geworden. Zusammen mit meinem Mann haben wir ein 2011 Hindernislaufevent, den ‚Wolfsman‘ entwickelt. Dazu haben wir einen Investor mit ins Boot geholt, was sich aber als Fehlentscheidung herausgestellt hat. Wir haben viel Geld verloren und zwei Jahre gebraucht, um uns davon wieder zu erholen.

Doch die Idee des Hindernislaufs blieb und wir haben 2013 Runterra im Zeichen des Phönix gegründet – nach dem Vogel Phönix, der aus der Asche wiederaufersteht. 2017 bin ich hier ausgestiegen. Die Zeit der ‚Matschläufe‘ war für mich persönlich vorbei. Sie reizten mich nicht mehr.

Über einen Freund, Horst Hübl, der heute als Racedirektor bei MOUNTAINMAN tätig ist, habe ich Trailläufe kennengelernt und bin dann allein oder mit Freunden bei solchen Läufen gestartet – und fand es mega! Die Berge erden mich, sie holen mich zurück, die Sportart ist bodenständig, da hat man Freude, da hilft man sich. Hier habe ich für mich gemerkt: Da bin ich angekommen. Das ist etwas, wonach ich mich und viele andere Menschen sich sehnen. Nach etlichen Trailläufen habe ich mir gesagt: Schon komisch, es gibt so etwas wie den Ironman oder die Spartan-Läufe, aber eine Serie fürs Traillaufen gibt es so nicht. Eine Marke, die symbolisiert, dass man zu einem Traillauf geht, gab es nicht. So habe ich die Marke MOUNTAINMAN entwickelt. Eine Brand fürs Laufen, aber auch fürs Hiking in den Bergen sollte es werden.

RUNNING: Was war denn der erste MOUNTAINMAN?

Jutta Mützer: 2018 gab es das Pilotprojekt, damals in Reit im Winkl, mit maximal 500 Teilnehmern. Wir wussten nicht, ob das funktioniert, ob man Trailrunner und Hiker zusammenbringen kann. Vielleicht kommen sich die Hiker ja ‚blöd‘ vor und die Läufer nehmen das Event dann nicht ernst. Hinzu kam, dass wir auch möglichst nachhaltig sein wollen. Jeder muss seinen eigenen Trinkbecher dabeihaben (wir lehnen Plastikbecher ab)und wir stellen auch keine Pavillons mit Fastfood neben die Hütten, sondern binden diese aktiv mit ein. Die Teilnehmer bekommen so das regionale Essen von den Hütten, das diese anbieten. Natürlich gibt’s Gels, Isogetränke und Obst, was der Sportler so braucht, aber für den, der es gemütlicher angehen will, gibt es auch Kaisersschmarrn, etwas Warmes, auch Veganes ist dabei. Das ist schon auf den Sportler angepasst, aber Bestzeiten erreicht man natürlich nicht, wenn man überall anhält und erstmal was isst. Die schnellen Läufer und Läuferinnen rennen da durch, aber die Breitensportler finden es toll, eine warme Suppe zu haben, wenn sie viele Stunden unterwegs sind.

RUNNING: Die Ernährung war in Reit beim Wintertrail wirklich gut. Ich erinnere mich noch an das Griebenschmalzbrot.

Jutta Mützer: Lach :)Wir hatten schon Leute, die wollten Bestzeiten laufen, haben sich aber dann spätestens bei der zweiten Hütte gesagt: Was soll’s, ich bleibe auch mal stehen, genieße die Aussicht, da ist mir die Zeit egal.

RUNNING: Wie ist denn das Feedback hinsichtlich der Hiker gewesen?

Jutta Mützer: Sehr gut. Der Hauptfokus unserer Veranstaltungen liegt auf den Trailrunnern, keine Frage. Aber es gibt auch viele, die mit der Familie kommen wollen. Nicht jeder kann oder möchte die Distanzen laufen. Hiking steht bei für das sportliche Wandern. Und unsere Cut-off-Zeiten sind relativ großzügig, sodass jeder sein Erlebnis haben kann. Auch Leute, die nicht so viel trainieren können, möchten die Berge erleben, inklusive der Betreuung und der Sicherheit. Wir arbeiten mit der Bergwacht zusammen, haben Vor- und Schlussläufer, die Leute auf der Strecke werden getrackt, wir wissen also immer, wo sie sich befinden. So können Langstreckler und Hiker zusammen zum Event fahren und alle gefordert aber glücklich ins Ziel kommen.

RUNNING: Bei euch kann man mit dem Hund laufen. Das gibt’s ja nicht so häufig.

Jutta Mützer: Ich selbst war lange im Tierschutz aktiv. Tatsächlich gibt es gar nicht so viele Gelegenheiten, den eigenen Hund zum Laufen mitzunehmen. Manchmal wird es geduldet. Und so haben wir uns entschieden, den Menschen, die ihre Hunde lieben und sie auch nicht überfordern, offiziell die Möglichkeit zu geben, mit ihrem Hund zu starten. Dieses Jahr schränken wir es etwas ein auf die Monate, in denen keine Kühe auf der Weide sind, vor allem keine Mutterkühe. Das ist jetzt neu. Aber beim Wintertrail zum Beispiel dürfen 10 Prozent der Teilnehmer mit Hund starten. Die Leute sind total dankbar, auch der Hund bekommt eine Medaille. Das erste Mal haben wir es 2018 in Reit im Winkl getestet. Es haben ja auch manche vor Hunden Angst und die Frage bestand, wie ist es beim Überholen. Aber wir konnten feststellen, es ist ein sehr schönes, respektvolles Miteinander.

RUNNING: Den MOUNTAINMAN gibt es jetzt in Reit im Winkl, in Nesselwang, in Österreich im Großarltal … und jetzt soll es einen internationalen Trail Cup geben.

Jutta Mützer: Das ist noch Zukunftsmusik. Die Details stehen noch nicht fest. Wir haben Kontakte nach Italien, Spanien und Portugal, wo wir einen MOUNTAINMAN durchführen könnten. Aber das wird erst konkreter, wenn sich die Corona-Situation entspannt hat. Der Cup wird also frühestens 2023 – 2024 in Angriff genommen.

Zum fünfjährigen Jubiläum wird es dieses Jahr im Sommer außerdem ein Trailrunning-Festival geben, ein ganzes Wochenende lang. Das Event heißt Triforia (von tri=drei und foria=Euphorie). Hier kann man an allen drei Tagen laufen oder hiken. Am Freitag kann man die Ski-Sprungschanze hinauflaufen, am Samstag und Freitag gibt es jeweils zwei Strecken zur Auswahl und es gibt auch Kids-Rennen, auch diese im Gelände. Man kann sich für jede Strecke einzeln anmelden, aber auch ein echter Triforianer werden, indem man an allen 3 Tagen startet.

MOUNTAINMAN

Team & Termine

… ist für Menschen gemacht, die einen Tag oder ein Wochenende in den Bergen sportlich erleben wollen. Es gibt keine extrem Ultra-Strecken, vielmehr steht der Breitensportler bei dieser Serie im Mittelpunkt. Je Eventort werden 4 Strecken angeboten von ca. 10–60 km und 100–3000 hm.

Unser kleines Team, das mit vollem Herzblut und viel Idealismus dahinter steht: Frank, Geschäftsführung und Finanzen, Jutta, Marketing und Strategie sowie Geschäftsführung, Horst, unser Raceleiter, 14-maliger Langdistanzler im Triathlon, Caro, zuständig für Partnerbetreuung, Annalena, unser „Küken“, duale Studentin für internationales Sportbusiness-Management. Unterstützen werden wir bei den Events vor Ort von einem phantastischen Team aus Freunden.

Termine:

11.–12.032022 Alps Wintertrail Reit im Winkl

20.–21.052022 Alps Nesselwang

24.–26.06.2022 Triforia Reit im Winkl

02.–03.09.2022 Alps Großartltal

 

Web: mountainman.de

Redaktion
Dr. Carsten Drecoll
Dr. Carsten Drecoll, langjähriger Redakteur bei Buch- und Zeitschriftenverlagen, ist seit über 15 Jahren mit der RUNNING und mit dem Laufsport verbunden. Die Natur genießen, Städte erkunden und die unglaublichsten Geschichten entdecken – das ist Laufen.
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