Ninja Warriors

Ein Lauf durch den Parcours

Wer Sport liebt, kommt an diesem TV-Format nicht vorbei: Mit "Ninja Worrior Germany" brachte RTL eine der bekanntesten "Physical Game Shows" ins deutsche Fernsehen und feiert damit große Erfolge. So kann sich die Sendung vor Bewerbungen kaum retten.
Text: Anne Kirchberg | Fotos: MG RTL D/Stefan Gregorowius, Wikimedia-Coommons

Mehr als drei Millionen sahen gebannt zu, als sich Moritz Hans im Finale der zweiten Staffel von „Ninja Warrior Germany“ Ende 2017 durch den letzten Parcours kämpfte. Doch an den Finger-Leisten kurz vor dem 20 Meter hohen „Mount Midoriyama“ verließen den 21-jährigen Stuttgarter die Kräfte, er rutschte ab – und wurde als letzter verbleibender Starter trotzdem zum gefeierten Sieger.

„Für die Zuschauer liegt der Reiz der Sendung genau in dieser Echtheit des Programms: Mensch gegen Parcours“, meint Mark Land, Executive Producer RTL für Ninja Warrior Germany. „Hindernis-Wettbewerbe und Sportarten wie Klettern, Bouldern und Parkour sind gerade populär, und ,Ninja Warrior’ vereint diese mit weiteren Disziplinen.“ Die Herausforderung an die Athleten und das Mitfiebern vor den Bildschirmen machen laut Land den Erfolg des Formates aus. Hinzu kommt, dass die Teilnehmer meistens keine Leistungssportler sind. „Die Vielfalt an unterschiedlichen Typen ist ein weiterer Erfolgsfaktor, denn nahezu jeder sportliche Mensch kann bei uns antreten.“ Dass ausgerechnet die von Frank Buschmann, Jan Köppen und Laura Wontorra moderierte Fernsehsendung so beliebt ist, während Veranstaltungen wie „Tough Mudder“ nicht einmal übertragen werden, erklärt Mark Land mit dem Ursprung des Wettbewerbes. „,Ninja Warrior‘ wurde in Japan extra als Fernsehshow konzipiert. Aber ich glaube, dass wir in Zukunft noch weitere Shows dieser Art im TV sehen – auch bei RTL!“

Ausdauer hilft

So anspruchsvoll der Parcours ist, so einfach sind die Regeln bei „Ninja Warrior“: Wer ins Wasser fällt, ist raus! „Ein gutes Kraft-Gewicht-Verhältnis ist für die Teilnehmer sicherlich von Vorteil“, glaubt Mark Land. „Athleten aus den Bereichen Cross-Fit, Klettern, Bouldern, aber ebenso Ruderer oder Geräteturner haben beste Voraussetzungen, weil sie über eine gute Oberkörperkraft verfügen, die im Parcours hilfreich ist. Allerdings verlangt der Parcours auch anderes Können wie Balance – und hier sind dann wieder andere Sportler im Vorteil.“ Die meisten Bewerber bereiten sich deshalb gezielt auf die verschiedenen Herausforderungen vor, wobei das Laufen fast immer eine entscheidende Rolle spielt. „Ausdauer ist wichtig und das Laufen somit die perfekte Ergänzungu den notwendigenKraftübungen“, so Land, der das Können der über 12.000 Bewerber pro Show bei einem speziellen Casting prüft.

Laufen als Gundlage

Viola Riechert aus Hamburg überzeugte beim Casting 2016 und 2017. „Ich bin von Beruf Art Director und verfolgte mit großem Interesse die amerikanische Ausgabe von ‚Ninja Warrior‘, erzählt die 28-Jährige, die in ihrer Freizeit eine vielfältige Trainingsmischung aus Extrem-Hindernislauf, Boulder, Laufen, Cross-Fit sowie Schwimmen betreibt und seit 2013 an Veranstaltungen wie „Tough Mudder“ teilnimmt. „Das Laufen ist ein sehr großer Bestandteil meines Trainings, meine Stärken liegen allerdings eindeutig bei den Hindernissen wie Hangeln oder Klettern.“ Bei der Teilnahme an „Ninja Warrior“ haben Viola Riechert vor allem ihr gutes Körpergefühl, Technik und Griffkraft bei der Bewältigung des Parcours geholfen. „Die Hindernisse sind sehr vielfältig und testen Balance, Koordination, Schnelligkeit und Kraft. Schwierig wird es besonders durch das Unbekannte und die Dimensionen der Hindernisse. Niemand darf sie vorher ausprobieren, und oft sind die Distanzen in der Realität doch größer, als sie einem vor demFernseher erscheinen. Man hat nur einen Versuch – ist man eine Sekunde unaufmerksam, landet man im Wasser!“ Allen die trotzdem einmal bei „Ninja Warrior“ mitmachen möchten, rät Viola Riechert, vorher vielfältig zu trainieren.

Mentale Stärke ist gefragt

Das bestätigt Herwig Natmessnig aus der Nähe von Salzburg, der bei beiden deutschen „Ninja Warrior“-Staffeln bis ins Finale kam. „Ein Training bestehend aus Klettern, Parkour und Kunstturnen, außerdem ist mentale Stärke die optimale Voraussetzung“, glaubt der 36-jährige Fitness-Studio-Leiter, der zudem mehrfacher österreichischer Meister im Kanu-Slalom ist. „Die einzelnen Hindernisse sind schwierig, unbekannt, man steht unter Zeitdruck, ist nervös und muss diese extremen Distanzen überwinden. Ein kleiner Fehler und alles ist vorbei.“ Durch seine Erfahrungen im Kanu-Sport ist Herwig Natmessnig es gewohnt, fokussiert und konzentriert in Wettkämpfe zu gehen und sich dem Druck zu stellen. „Es gibt in jedem Teilbereich bestimmt bessere Athleten als mich, aber ich bin vielseitig trainiert, das war sicher ein Vorteil!“ Für seine Teilnahme bei „Ninja Warrior“ arbeitete der Österreicher neben seinem klassischen Training, bestehend aus Kanu-Slalom, Calisthenics, Bouldern, EMS- und Bodyweighttraining sowie Laufen, Langlaufen und Skifahren, vermehrt an seiner Griffkraft, der Balance und weiten Sprüngen.

Promis im Parcours.

Im November 2017 traten im Rahmen des RTL-Spendenmarathons Prominente beim „Ninja Warrior Germany Prominenten Special“ an. Unter den 23 Teilnehmern wagten sich beispielsweise Beatrice Egli, Gil Ofarim, Paul Janke, Jörn Schlönvoigt, Lars Riedel, Sven Hannawald, Patrick Bach, Thomas Häßler und Liz Baffoe auf den Parcours und waren sich einig: Er ist wesentlich schwieriger, als man sich das zu Hause vor dem Fernseher vorstellt! „Aber wenn man sich für den guten Zweck zum Deppen macht, dann macht das nichts“, meinte Schauspielerin Liz Baffoe, die allerdings früh ausschied. Ein besseres Ergebnis erzielte der ehemalige Skispringer Sven Hannawald: „Ich wollte möglichst viel Geld für die Kinder sammeln – aber, ehrlich gesagt, auch nicht nass werden!“ Bei einem einzigen Starter schien es, als wären die Herausforderungen ein Kinderspiel: Isaac Caldiero gewann 2015 als erster „American Ninja Warrior“, kam als Special Guest in die Sendung und bezwang unter tosendem Applaus die letzte Hürde des „Mount Midoriyama“.

Der Reiz des Ungewissen

Gabriel Ostermeier aus Wertigen bei Augsburg kann die Begeisterung für „Ninja Warrior“ gut nachvollziehen. Der 28-jährige Sportler ist Experte für Extrem-Hindernisläufe und nahm bereits an zahlreichen namenhaften Wettkämpfen wie „IronViking“, „Getting- Tough the Race“ oder „StrongViking“ teil. „Genau wie bei ‚Ninja Warrior‘ erfährt man dieses unbeschreibliche Gefühl, dass man unüberwindbare Hindernisse meistert, das einen immer weiter anspornt“, so Ostermeier. „Das Besondere ist: Man muss zwar fit sein, aber das Entscheidende ist eine absolute Körperbeherrschung, innere Ruhe und vor allem Griffkraft.“ Der Reiz für die Fernsehzuschauer liegt seiner Einschätzung nach zum einen daran, dass sie selbst plötzlich Lust verspüren, sich solchen Herausforderungen zu stellen. „Außerdem kann bei diesen Parcours einfach alles passieren! Man weiß nie, was beim nächsten Hindernis geschieht und welcher Athlet es überwindet.“

Sorgfältig vorbereiten

Dass andere Hindernisläufe wie „Spartan Race“ zwar in der amerikanischen Version im Fernsehen ausgestrahlt, aber noch nicht in Deutschland produziert werden, erklärt Gabriel Ostermeier mit dem erst beginnenden Boom. „In den USA sind ,Spartan Race‘ oder, ToughMudder‘, bei denen neben dem Parcours beachtliche Laufstrecken zurückgelegt werden müssen, sehr populär, aber bei uns hat das Interesse daran gerade erst begonnen.“ Doch schon bald, so glaubt der Fachmann, flimmern in Deutschland entsprechende Formate über den Bildschirm. „Für vergangenes Jahr hatte VOX einen Hindernislauf namens ‚Mud Challenge‘ geplant, für den ich mich angemeldet hatte jedoch wurden die Aufnahmen kurzfristig abgesagt“, weiß Ostermeier, der in sein eigenes Lauftraining auch Fluss- und Seedurchquerungen, Baumkletter- Etappen, das Überspringen von Hindernissen, Laufen mit Sandbag oder die Simulation von Höhentraining mit einer Atemmaske einbaut. In seinem Garten errichtet der Profi-Sportler nun sogar einen eigenen Ninja-Parcours. „Läufern, die an einem Wettkampf wie Ninja Warrior teilnehmen wollen, empfehle ich eine sorgfältige Vorbereitung: Vor allem Ausdauer durch das Lauftraining und gezieltes Training der Unterarme für die Griffkraft. Außerdem existieren diverse spezialisierte Hallen, wie Freiraum Crosstrails in Bochum, Die Halle in Hamburg, Survival Running Augsburg oder OCR Munich.“

Selbst ein Ninja sein

Auch das Jump-House mit Standorten in Hamburg, Köln und Leipzig bietet perfekte Vorbereitungsmöglichkeiten – oder einfach nur den Spaß, sich selbst einmal einem Ninja-Parcours zu stellen. Das neuste Jump-House eröffnete im Januar in Hamburg-Poppenbüttel und verfügt über sechs Parcours auf über 500 Quadratmetern, die sich nach verschiedenen Schwierigkeitsgraden unterscheiden. „Zudem benötigt man für jeden unterschiedliche Fähigkeiten, wie zum Beispiel Kraft oder Balance“, berichtet Pressesprecherin Isabel Albrecht. Wer in einem Jump-House starten möchte, muss zwischen 1,20 Meter und 2,00 Meter groß sein, darf nicht mehr als 110 Kilogramm wiegen und sollte sportliche, bequeme Kleidung tragen. „Der Ninja Parcours ist aber nicht nur etwas für sportliche Cracks, sondern für jedermann. Man kann sich das heraussuchen, was man sich zutraut und wenn etwas schief geht, landet man weich und kann es noch einmal versuchen“, erklärt Isabel Albrecht.

Schwieriger als gedacht

Für alle, die jedoch ehrgeizig sind und die Hindernisse möglichst schnell zurücklegen möchten, hilft eine gewisse Ausdauer, aber genauso sind Balance, Kraft, Geschicklichkeit und etwas Mut gefragt, denn beim Ninja-Parcours warten Herausforderungen wie Balancieren, Hangeln, Klettern, Springen, Schaukeln und vieles mehr. „Die Bewältigung dauert je nach Schwierigkeitsgrad unterschiedlich lang, echte ‚Ninja Warrior‘- Kandidaten haben die Strecke in knapp neun Sekunden durchflogen, normale Menschen benötigen zwischen 30 und 90 Sekunden“, so Albrecht, die durch die Fernsehsendung einen vermehrten Zulauf bei Jump House verspürt. „Vor dem Fernseher stellt man sich den Hindernisparcours oft leichter vor, und viele merken bei uns, was er einem tatsächlich abverlangt. Aber bei uns kann jeder ohne Risiko ausprobieren, wie viel Ninja in ihm steckt!“

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