Läufer gibt es nicht

Fragen Sie mal einen Juristen

Eine spezielle gesetzliche Definition oder Regelung gibt es für Läufer nicht. Rechtlich werden sie wie Fußgänger behandelt. Daher müssen sie bei der Ausübung ihres Sports vorhandene Gehwege benutzen. Es gilt der § 25 der Straßenverkehrsordnung (StVO)
Text: Julia Ruch | Fotos: Redaktion

Somit darf die Fahrbahn nur benutzt werden, wenn die Straße weder einen Gehweg noch einen Seitenstreifen besitzt. Die Gehwegbenutzungspflicht besteht auch dann, wenn nur auf einer Straßenseite ein Gehweg vorhanden ist.

In der Gruppe muss bei Dunkelheit, schlechter Sicht oder wenn die Verkehrslage es erfordert, einzeln hintereinander gelaufen werden. Gleisanlagen dürfen nur an gekennzeichneten Stellen überquert werden. Und wenn nicht, dann droht zum einen ein Bußgeld zwischen 5,– und 25,–Euro, und zum anderen trifft einen ein Mitverschulden an einem etwaigen Unfall. Das Mitverschulden wird in Prozent bemessen und führt dazu, dass man in Höhe des Prozentsatzes

auch die Unfallkosten des Autofahrers (Schaden am Fahrzeug, Schmerzensgeld für Halswirbelverletzungen durch Bremsen etc.) bezahlen  muss und die eigenen Kosten für ärztliche Behandlungen, Physiotherapie etc .nur vermindert erstattet werden.

Dabei feilschen die Versicherungen gerne um jedes Prozent, sodass sich zumindest bei größeren Schäden ein Anwalt lohnt. Laufkinderwagen, Rodelschlitten, Inline-Skates und ähnliche nicht motorbetriebene Fortbewegungsmittel sind übrigens keine Fahrzeuge im Sinne der StVO. Für die Fortbewegung mit diesen gelten dieselben Vorschriften wie für Fußgänger.

Was gibt es Rechtliches in Sachen Lauftreffs zu beachten? „Wir wollen nur gemeinsam laufen, jeder passt auf sich selbst auf!“ Das ist eine nette Idee, aber eine solche Absprache ist den Versicherungen völlig egal, wenn es darum geht, einen „Schuldigen“ zu finden, den man hinsichtlich der Kosten in Regress nehmen kann. Ganz unfair ist das nicht, bedenkt man, dass beispielsweise die Krankenkassen aus den monatlichen Beiträgen aller finanziert werden und diese Beträge Teil des Gehaltes eines jeden sind.

Dennoch muss natürlich deutlich unterschieden werden zwischen einer Gruppe von Freunden, die sich jeden Sonntag trifft und dem organisierten Lauftreff eines Vereins oder kommerziellen Veranstalters. Eine Verantwortung besteht immer dann, wenn einen die Pflicht trifft, für jemand andern einzustehen (sogenannte Garantenpflicht). Eine solche kann sich zum Beispiel aus einer Gefahrengemeinschaft ergeben. Dabei muss es sich aber um derart gefährliche Unternehmungen handeln, dass sich Menschen gerade deshalb zusammenschließen, um die Chancen des Gefahreneintritts zu minimieren. Gemeinsames Laufen im Gelände bei Dunkelheit gehört jedoch noch nicht dazu. Die Rechtsprechung hat dies bei Bergbesteigungen und Polarexpeditionen angenommen.

Eine Haftung unter Freunden wird daher nur sehr selten zu begründen sein. Dies gilt selbst, wenn aus fünf Sportskameraden über die Jahre hinweg eine große Gruppe geworden ist, weil sich immer mehr Interessenten angeschlossen haben und die Termine samt Uhrzeiten auf einer privaten Internetseite veröffentlicht werden. Zu beachten ist hierbei aber unbedingt, dass es keinen gewerblichen Hintergrund geben darf. Die Rechtsprechung erachtete es bereits als ausreichend für eine „wirtschaftliche Betätigung“, wenn auf der Seite Logos von Sponsoren eingebunden sind (auch wenn es nur die Firma eines Freundes ist).

Anders ist die rechtliche Lage jedoch zu beurteilen, wenn ein Laufladen oder ein Personal-Trainer zum Sport einlädt – selbst wenn zum Beispiel das Techniktraining kostenlos angeboten wird oder Ausrüstungsgegenstände während des Laufs ohne Leihgebühr getestet werden können. In einem solchen Fall wird ein gewerblicher „Hintergedanke“ wohl

nicht wegzudiskutieren sein und eine Veranstalterhaftung eingreifen. Der Personal-Trainer oder der Ladeninhaber agieren sodann als Veranstalter und haften im gesetzlichen Rahmen für Schäden (materielle und/oder gesundheitliche, Schmerzensgeld etc.), die durch die Teilnahme entstehen oder entstanden sind.

Wer als Organisator für ein Sportangebot auftritt, muss sich ebenfalls Gedanken über Regressforderungen machen, die an ihn gestellt werden könnten. Um es erst gar nicht zu gefährlichen und unfallträchtigen Situationen kommen zu lassen, sollten vor einem Lauf stichprobenartige Tests auf den genutzten Wegen und Straßen durchgeführt sowie die Vorhersagen der Unwetterzentrale eingeholt werden. Ratsam ist es weiterhin, bereits bei der Einladung Sicherheitshinweise zur Strecke sowie eine Empfehlung zur Ausrüstung zu geben und diese vor Beginn zu wiederholen. Mit diesen Tipps und vielen weiteren Möglichkeiten lässt sich das Haftungsrisiko minimieren und eine Schadensersatzpflicht ausschließen. Neben der zivilrechtlichen Haftung droht einem Veranstalter ein zusätzliches Bußgeld. In gleicher Weise gilt das Geschilderte für Trainer von vereinsbasierten Laufgruppen. Überquert die Gruppe zum Beispiel eine Straße und missachtet dabei eine rote Ampel, wird nicht nur das Bußgeld von 5,– Euro fällig, sondern für den Veranstalter zusätzlich auch noch ein Bußgeld in Höhe von 25,– Euro pro Teilnehmer, wenn er als Verantwortlicher diesen Verstoß gegen die StVO zugelassen hat.

Nichtsdestotrotz ist das Laufen in Gesellschaftund/oder mit einem Trainer oftmals spaßiger und effektiver. Wenn ein jeder dann auf sich selbst sowie ein klein wenig auf seine Mitsportler Acht gibt und die Veranstalter ein paar grundlegende Regeln sowie Rechtstipps berücksichtigen, ist das eine sichere Sache. Viel Spaß!

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