Tough Hunter

Gassigehen de luxe

Viele Hundebesitzer verbinden Gassigehen und Training gerne miteinander. Die 2016 ins Leben gerufene Sportart „Tough Hunter“ könnte genau das Richtige für sie sein: eine dreckige Symbiose aus Hindernislauf und diversen Disziplinen.
Text: Anne Kirchberg | Fotos: Manuela Krimmer, Michaela Gross, Sophie Strodtbeck, Bernd Kohlen

Nadin Matthews aus dem schleswig-holsteinischen Bad Oldesloe ist eine erfahrene Hundetrainerin. Viele Jahre lang suchte sie nach einer sinnvollen Erfahrung,
die Mensch und Hund gemeinsam machen können. Ihre Teilnahme an Hindernisrennen wie „Xlectics“ und „Tough Mudder“ brachte sie auf die Idee, dass solche Herausforderungen doch auch mit Hund möglich sein müssten. „Das Ergebnis ist eine Mischung aus Belastung und Ruhe, Jagen und Impulskontrolle, vielseitigen Aufgaben und Hindernissen, die bei der Premiere des Extremhindernislaufes am 02.10.2016 im Fichtelgebirge für über 600 glückliche Menschen- und Hundegesichter gesorgt hat“, berichtet Matthews stolz. Der Name „Tough Hunter“ ist angelehnt an den „Tough Mudder“- Lauf, und die Hundetrainerin wählte das Wort „Hunter“, weil das Jagen bei den Aufgaben eine große Rolle spielt.

Jeder Hund darf mitmachen

Ob Mops, Schäferhund oder Mischling – teilnehmen darf beim „Tough Hunter“ jeder Hund, sofern er mindestens ein Jahr alt ist. „Für die Wettkämpfe verlangen wir bei den Hunden eine gültige Tollwutschutzimpfung und einen Chip“, erklärt die Veranstalterin Nadin Matthews. Neben der Laufarbeit sind es vor allem die verschiedenen Disziplinen, die eine Herausforderung darstellen: Ob das Canicross (Laufen mit dem Hund im Zug vorweg), der Trail (Fährtensuche), das Apportieren, die Impulskontrolle oder das Jagen – jede Aufgabe muss als Teamarbeit von Mensch und Tier gelöst werden.

Wasserrutsche und Falscher Hase

Bei den deutschlandweit ausgetragenen Wettkämpfen besteht ein Team aus zwei bis acht Duos von Mensch und Hund, die zu einer festgelegten Startzeit auf einer vorher gewählten Streckenlänge von 7, 12 oder 18 Kilometern starten. Ihr Weg führt sie durch Heide, Wald, Sand und Wiesen, über Single- Trails und Feldwege sowie an verschiedene Stationen mit Aufgaben. „Bei einer der Trail-Stationen müssen die Hunde eine Geruchsspur verfolgen, bevor es weitergeht. Es warten eine Wasserrutsche, Netze und Tunnel sowie zu durchquerende Schlammlöcher. Gemeinsames Balancieren auf Baumstämmen oder Apportieren von Dummys auf einer Freifläche sind weitere Aufgaben auf der Strecke“, so Matthews. „An einer anderen Station wird der Hund des Teams ein Stück getragen und an eine anderen wartet der „Falsche Hase“, dem die Hunde widerstehen müssen und weiterlaufen sollen, aber später kontrolliert jagen dürfen.“ Der „Fast Hunter“ testet als Sprintstrecke die Geschwindigkeit der Teilnehmer, und bei einer weiteren Aufgabe müssen einige Höhenmeter laufend überwunden werden. „Die Mannschaften gelangen am Ende dreckig, müde und stolz ins Ziel.“

Spezielle Muskelbeanspruchung

Die läuferische Herausforderung sieht Nadin Matthews besonders in der Kontrolle der Zugleine, mit der Mensch und Vierbeiner fast immer am Bauchgurt des Läufers verbunden sind. „Vor allem Oberschenkel- und Rumpfmuskulatur des Menschen werden bei diesem Sport gefordert, und natürlich müssen Tempo- und Richtungswechsel abgestimmt werden, was eine gute Mensch-Hund-Kommunikation voraussetzt. Aber wenn beide einen gemeinsame Lauf-Rhythmus gefunden haben und man den Zug des Hundes sauber in eine höhere Laufgeschwindigkeit umsetzen kann, ist es schöner als Fliegen!“ Für die Vorbereitung empfiehlt sie mindestens ein halbes Jahr Zeit, um die verschiedenen Disziplinen zu trainieren und für alle Anforderungen optimal gewappnet zu sein. Der Lohn ist nicht nur die Abwechslung und jede Menge Spaß für Mensch und Hund. Ganz nebenbei wirkt sich der „Tough Hunter“ positiv auf die Hundeerziehung aus.

Mit Humor

All das kann Bertram Guibert aus Regensburg bestätigen: Der 49-jährige Lehrer für Biologie und Chemie begann vor drei Jahren mit seinem Mischlingshund Jimmy zu laufen. 2016 kam er zu einer Canicross-Gruppe und so mit dem „Tough Hunter“ in Berührung. „Vor der ersten Wettkampfteilnahme trainierte ich das Laufen mit und ohne Hund, da ich eine gute Kondition aufbauen wollte – ich wollte ja nicht von Jimmy ins Ziel getragen werden“, erzählt Guibert lachend. Von dem ersten Wettbewerb war er begeistert: „Die Aufgaben waren richtig gut auf die Teilnehmer abgestimmt, nichts war unmöglich und überall war eine Riesenportion Humor dabei. Wollte oder konnte ein Hund eine Aufgabe nicht erledigen, war es egal – dann durften Herrchen oder Frauchen ran.“ So musste Bertram Guibert beispielsweise selbst die Dummys suchen, die Jimmy nicht apportieren wollte.

Spaß an der Bewegung Die größte zu überwindende Schwierigkeit für alle Läufer sieht der Hunde-Sportler im gemeinsamen Rhythmus mit dem Tier. „Die Strecken zwischen den einzelnen Stationen sind unterschiedlich lang, verschieden schwer, es geht teils bergab, bergauf oder querfeldein.“ Daneben sind Geschicklichkeit und Körperkraft bei den Aufgaben gefragt, bei denen sich die gesamte Gruppe jedoch gegenseitig unterstützen darf. „Ich kann Tough Hunter jedem halbwegs sportlichen Hundemenschen nur empfehlen, sofern der Hund Spaß an der Bewegung hat“, sagt Bertram Guibert.

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