Mehr Meer geht nicht

70 Kilometer entlang der Küste, vorbei an Leuchttürmen, malerischen Häfen und mitten durchs Watt – beim Nordseelauf gibt’s einiges zu entdecken. Jeder Startpunkt liegt an einem anderen Ort – eine echte Überraschung für Augen und Beine.
Fotos & Text: Fiona Noever

An der Nooordseeeküsteee, am plattdeutschen Strand, sind die Fiiiischeee im Wasser und selten an Land … Diesen Song von Klaus & Klaus werden rund 3.000 Läufer innerhalb von acht Tagen sieben Mal lauthals mitgrölen. Direkt im Anschluss fällt dann der Startschuss zu einem Wettkampf, der täglich auf einer anderen Insel oder an einem anderen Küstenort auf dem Festland an der niedersächsischen Nordsee statt.ndet. Das Besondere: Jedes Jahr gibt es den Nordseelauf in einer neuen Konstellation, das heißt, die Teilnehmer dürfen sich jedes Jahr auf verschiedene Orte freuen. Sie müssen dabei nicht alle sieben Rennen mitmachen, Einzelstarts sind ebenfalls möglich. Als Highlight der Austragungen gilt die Insellauf- Variante, bei der sieben Eilande überquert werden. Diese Insel-Tour .ndet nur alle vier Jahre statt. Bei so einer organisatorischen Herausforderung haben viele verschiedene Partner ihre Finger im Spiel. Angefangen beim Veranstalter Die Nordsee GmbH über einen Reiseveranstalter bis hin zur Eventagentur. Zudem wirken einige Kooperationspartner wie der Energieversorger EWE, der Oldenburg-Ostfriesische Wasserverband oder die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannover mit. Alle sind persönlich vertreten und stecken ihr ganzes Herzblut in die Veranstaltung – das wirkt sich auch auf die Starter aus, das Miteinander steht im Mittelpunkt.

JEDE ETAPPE HAT ETWAS BESONDERES ZU BIETEN

Wer beim Nordseelauf startet, ist nicht darauf aus, als erster die Ziellinie zu überqueren. Vielmehr geht es den meisten darum, die Urlaubsregion Nordseeküste läuferisch zu erkunden. Jede einzelne Etappe hat landschaftlich und kulturell etwas Besonderes zu bieten. Viele Sportler entscheiden sich deshalb dafür, mit der ganzen Familie anzureisen und den Nordseelauf mit einem Urlaub zu verbinden. Kein Wunder also, dass die Altersklassen bunt gemischt sind. Der jüngste Teilnehmer ist 2018 gerade mal zarte 14 und der älteste stolze 81 Jahre alt. Da viele Mitläufer immer wiederkommen und unter dem Veranstaltungs- und Organisationsteam oft die gleichen Gesichter zu sehen sind, kennt man sich und es herrscht eine familiäre und vertraute Atmosphäre. Nur keine Sorge: Wer zum ersten Mal dabei ist, .ndet dennoch sofort Anschluss und wird spätestens auf den gemeinsamen Busfahrten oder Fährüberfahrten ins Gespräch verwickelt. Während der Rennen ist das Gemeinschaftsgefühl ebenso unvergleichlich. Nicht nur die Sportler motivieren sich gegenseitig, an den Strecken versammeln sich zahlreiche Urlauber und Einwohner, die kräftig anfeuern. Einige der vor Ort angesiedelten Trainer übernehmen das Warm-up und sind auf dem Kurs unterwegs, um die Aktiven anzufeuern und zu unterstützen. Der Spaß kommt dabei natürlich nicht zu kurz! Im Ziel wird jeder vom Moderator namentlich über die Linie begleitet und bekommt hin und wieder einen lustigen Spruch aufs Auge gedrückt. Zudem beendet ein lautstarkes „Drei, zwei, eins – weg!“ über Lautsprecher jede einzelne Veranstaltung nach der Siegerehrung und kein Anwesender lässt es sich nehmen, lauthals mitzuschreien.

OSTFRIESLAND BIETET ECHTES KARIBIKFEELING

Für die Läufer, Walker und Nordic Walker stehen in diesem Jahr zwei Inseln und fünf Küstenorte auf dem Programm. Bei durchgängig besten Wetterverhältnissen und strahlendem Sonnenschein die ganze Woche über, werden die Teilnehmer eine sommerliche Nordsee-Bräune als Zusatzgewinn mit nach Hause nehmen. Die Tour startet in Greetsiel, wo sich der bekannte rot-gelb geringelte „Otto- Leuchtturm“ be.ndet. Die Strecke führt lange am Deich und an Salzwiesen vorbei, bietet dabei einen Panoramablick auf das Wattenmeer und leitet die Läufer letztlich durch den 600-jährigen Krabbenkutterhafen und den malerischen Stadtkern ins Ziel. Am zweiten Tag geht es mit der Fähre auf die Insel Borkum. Auf der größten der Ostfriesischen Inseln kommt schnell Karibik-Feeling auf. Durch den nahen Golfstrom herrscht hier das ganze Jahr Hochseeklima mit angenehmen Temperaturen, was den Läufern auf der 10,9 Kilometer langen Strecke zugutekommt. Diese führt fast die ganze Zeit über die Promenade mit Blick auf die Seehundsbank, den Strand und das Meer. Nordseelauf die Dritte: ab nach Norddeich! Nachdem die Starter eine Zeit lang durchs Grüne streunen, können sie auf dem letzten Abschnitt die salzige Seeluft schnuppern. Auf dem Steindamm am Wasser verläuft der 10,0 Kilometer lange Kurs bis zum Ende des Yachthafens. Am darau.olgenden Tag setzen alle auf die autofreie Dornröscheninsel Baltrum über. Die mit 7,5 Kilometer kürzeste Etappe ist gleichzeitig eine der facettenreichsten. Sie schlängelt sich über die Strandpromenade, neben Wiesen, durch die Dünen mit ihren Hasenlöchern und als Finale direkt am Strand entlang. Urlaubsfeeling pur! Am darauolgenden Pausentag haben die Teilnehmer die Chance, eine Krabbenkutterfahrt mitzumachen oder an einem Laufseminar teilzunehmen. Oder mal ganz entspannt die Füße hochzulegen.

MUSCHELBÄNKE REGELN DIE KLEIDERORDNUNG

Frisch erholt und gestärkt starten die Sportler bei der fünften Etappe in das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer in Cuxhaven. Da man auf die Ebbe angewiesen ist, muss die circa zehn Kilometer lange Runde zuallererst vom Watt-Ranger freigegeben werden. Für die Läufer ist dieser Teil ein ganz besonderes Erlebnis, da es viel zu sehen gibt, was sonst im Verborgenen bleibt. So müssen die Athleten mit knietiefen Prielen, wie auch rutschigem Schlickboden rechnen. Durch herauskommende Muschelbänke dürfen sie den Abschnitt auf keinen Fall barfuß absolvieren. Die sechste Etappe bringt die Teilnehmer auf die Nordseehalbinsel Butjadingen. Da vielen der Wattweg noch in den Knochen steckt, sind die 10,8 Kilometer an diesem Tag besonders hart. Die Strecke beginnt in der Nordseelagune mit Blick auf den Containerterminal in Bremerhaven, führt weiter auf die Kunstpromenade am Wasser entlang, vorbei an einem Wiesenvogelbrutgebiet sowie Salzwiesenentwicklungsflächen und endet neben blökenden Schafen.

ZUM SCHLUSS GEHT ES NOCHMAL RICHTIG RUND

Endspurt! Das letzte Rennen findet an der Wurster Nordseeküste statt. Nachdem sich viele Läufer vor dem Start im örtlichen Freibad abgekühlt haben, starten sie auf den 10,1 Kilometer langen Rundkurs. Vorbei am Leuchtturmdenkmal „Obereversand“, an grünen Weiden und gelben Rapsfeldern. Auf der Strecke werden die Teilnehmer noch ein letztes Mal von Einheimischen bejubelt, bevor sie – wieder zurück am Freibad – durch den Zielbogen laufen. Mit einer Laufdistanz von knapp 70 Kilometern in acht Tagen werden zwei Toursieger gekürt. Ute Pfeier vom SV Auingen finished mit einer Gesamtzeit von 5:20:13 Stunden und Martin Schumann vom LAZ Ludwigsburg gewinnt mit einer Gesamtzeit von 4:15:37 Stunden. Und damit endet eine abwechslungsreiche, anspruchsvolle und zugleich schöne Tour. Wer Lust auf die Veranstaltung bekommen hat, merkt sich schon jetzt die Woche vom 15. 06. bis 22. 06. 2019 vor. Für 2018 sind die Nordseeläufer nun erstmal drei, zwei, eins – weg!

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