Der Marathon in Marathon

Einmal da laufen, wo alles angefangen hat

Die historische Marathon-Strecke zu bestreiten ist eine Erfahrung, die Laufbegeisterte aus aller Welt einmal im Jahr in den kleinen Ort nordöstlich von Athen zieht. Wir waren dabei.
Fotos & Text: Tabitha Bühne

Zusammen mit rund 20.000 Läufern stehe ich nach einer interessanten Busfahrt nun endlich in Marathon, einem kleinen Ort nordöstlich von Athen. Wir befinden uns auf historischem Boden: Ganz in der Nähe fand 490 v. Chr. die Schlacht zwischen den Persern und Griechen statt. Der Legende nach sollte der Bote Pheidippides die freudige Sieges-Nachricht vom Schlachtfeld ins ca. 40 Kilometer entfernte Athen bringen. Er lief in schwerer Rüstung und griechischer Hitze mit seiner kostbaren Botschaft los. Als er in Athen eintraf, soll er so laut er noch konnte: „Wir haben gewonnen“ gerufen haben und dann an Erschöpfung gestorben sein. Wir wollen heute eben jene authentische Strecke nachlaufen – aber im Gegensatz zu dem ersten Marathonläufer gesund und munter in Athen ankommen.

Kampfgeist gefragt

Am Ende des 19. Jahrhunderts kam man auf die geniale Idee, aus der Geschichte rund um den Lauf des antiken Volkshelden ein sportliches Event zu machen und ihm nachzueifern. Und so fand dann im Jahr 1896 bei den ersten Olympischen Spielen auch der erste offizielle Marathonlauf statt. Die Teilnehmer rannten eine Distanz von etwas mehr als 40 Kilometern von Marathon bis nach Athen. Seitdem ist viel passiert. Menschen aus allen Ecken der Erde kommen seit einigen Jahrzehnten für diese Erfahrung nach Athen, um einmal den „echten Marathon“ hautnah zu erleben. Die Strecke ist anspruchsvoll und sorgt mit ihrem Profil nicht für die ganz schnellen Zeiten. Als schnellster Mann kam der Kenianer John Kipkorir Komen nach 2:16:34 Stunden ins Ziel und bei denen Damen triumphierte zur Freude ihrer Landsleute eine Griechin: Eleftheria Petroulaki darf sich nach 2:45:50 Stunden über ihren Sieg freuen.

Gänsehautmomente

Der 37. Athen-Marathon bietet Gänsehautmomente pur. Der Startbereich im Stadion der kleinen Ortschaft wurde für die Olympiade 2004 auf Vordermann gebracht. Es wird viel gelacht. Einige Läufer tragen Outfits, die an die Schlacht von einst erinnern sollen. Manch eine Teilnehmerin trägt Cape und Siegeskranz. Viele machen Fotos vor der Statur der Siegesgöttin Nike. Dann geht es los, und prompt beginnt es zu regnen – aber der Regen ist weder kalt noch von langer Dauer. Am Straßenrand werden Olivenzweige verteilt, sie sollen Glück bringen. Ein paar Läufer stecken sich den Glücksbringer in die Kompressionssocken. Andere befestigen es an der Kappe. Wir umrunden den Grabhügel der in der Schlacht von Marathon gefallenen Athener.

Pame, Pame!

Die ersten zehn Kilometer verlaufen insgesamt recht flach, danach wird es hügelig und abwechslungsreich. Meist geht es bergauf. Griechische Familien feuern uns an. Eine gutgelaunte Truppe von Menschen tanzt griechische Volkstänze und mancher Läufer, der es nicht eilig hat, gesellt sich für ein paar Minuten dazu. Immer wieder tönen Anfeuerungsrufe wie „Bravo! Bravo!“ und „Pame, Pame!“ (was so viel heißt wie: weiter geht’s) von den Zuschauern zu uns hinüber. Ich bleibe immer wieder stehen, um Bilder zu machen und ein griechischer Mitläufer findet das ganz fabelhaft. „Es ist dein erster Athen-Marathon, oder?“ Ich nicke. „Und warst du schon mal dabei?“ Er lacht. „Ich wollte einmal im Leben hier dabei sein, den echten Marathon muss man mal erleben. Das war vor fünf Jahren. Seitdem komme ich Jahr für Jahr wieder. Macht süchtig!“ Wir sehen das Meer, kleine Ortschaften und Kirchen. Dann nähern wir uns Athen und ab Kilometer 32 geht es auch bergab.

 

Zieleinlauf im Panathinaiko

Am Ende wartet das absolute Highlight: Der Zieleinlauf im altehrwürdigen Olympiastadion der Antike. Wir erreichen das Panathinaiko-Stadion, werden von den Zuschauern auf den Rängen gefeiert und freuen uns mit allen anderen, die diese stimmungsvolle Heldenreise ebenfalls gemeistert haben. Es ist ein ganz einzigartiger Lauf. Wer am Abend noch nicht genug Bewegung hatte, macht einen Spaziergang zur Akropolis – dem Burgberg der antiken griechischen Stadt mit dem berühmten Parthenon-Tempel. Gerade am Abend ist die Stadtfeste wunderschön beleuchtet und herrlich anzusehen.

 

Wer neugierig geworden ist: Ein ausführlicherer Bericht folgt bald in unserem Magazin.

 

Redaktion
Tabitha Bühne
Tabitha Bühne ist Autorin, Ernährungsberaterin und Systemischer Coach, liebt sportliche Herausforderungen wie Ultra-Läufe oder Etappenrennen und probiert gerne neue Trainingsmethoden aus.
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