Winterzauber in Graubünden

Der Swisssnow Walk & Run in Arosa

„Morgen müssen wir Vergnügungssteuer zahlen“, meinte Ultralegende Stefan Schlett am Vortag des Rennens. Der Experte behielt Recht – Arosa bot herrliche Bedingungen für einen besonderen Lauf.
Fotos & Text: Dr. Carsten Drecoll

Dabei hingen am Morgen noch Wolken in den Berggipfeln. Im Ski- und Bergsport-Ort Arosa, eine Stunde von Chur entfernt und im urigen Kanton Graubünden beheimatet, bereitete sich der Swisssnow Walk & Run auf seine 16. Austragung vor. Die Einheimischen und die Experten wussten bei einem Blick auf die ersten Sonnenstrahlen auf den Gipfeln: es wird ein fantastischer Tag.

Das wurde es auch. In relaxter Atmosphäre trudelten nach und nach die Teilnehmer im Kongresszentrum direkt am Obersee ein. Nachmeldungen waren noch problemlos möglich, insgesamt 1.328 Teilnehmerinnen und Teilnehmer entschieden sich für eine der Disziplinen. Neben den anspruchsvollen Running-Strecken gab es verschiedene Strecken zum Walken oder Schneeschuhlaufen.

Als es dann hinausging zum Startbogen, strahlte die Sonne bereits von einem tiefblauen Himmel und wärmte die Funktionswear der Aktiven, sobald man aus dem Schatten trat. Ich selbst entschied mich für den Halbmarathon, nachdem die Organisatoren wenige Tage zuvor die Strecke der Königsdisziplin, des Weißhorn Trails abändern mussten. Wegen zu wenig Schnee konnten einige Winterwanderwegen oben am Gipfel nicht ausreichend präpariert werden, daher wählte man eine steilere Route mit Passagen im Tiefschnee – eine Angelegenheit für lediglich die besten Athleten.

Schnee gab es aber dennoch genug. Das gesamte Panorama rund um den Ort und hinauf auf die Gipfel leuchtete in strahlendem Weiß. Und auch der Halbmarathon erwies sich als anspruchsvoll, das Laufen auf Schnee kostete mehr Energie und der Parcours hielt auch zahlreiche Steigungen bereit. Doch das tat der Freude der Teilnehmer keinen Abbruch. Fotos wurden gemacht, es wurde gelacht, eine Gemeinschaft im Winterwunderland.

Mit beim Halbmarathon dabei waren auch drei Soldaten der irischen Armee. Ihr Einsatz erfolgte zu Gunsten einer Wohltätigkeitsorganisation. Sie gingen in Feld-Dress und mit Marschgepäck auf die Strecke.

Wer es auf den Weißhorn-Gipfel geschafft hatte, wollte dort gar nicht mehr weg. Der 360-Grad-Rundumblick bietet nicht nur eine spektakuläre Sicht auf die Alpenwelt, sondern auch einen Blick auf Chur, über 2.000 Meter weiter unten. Die Halbmarahonis kamen auf gut 2.000 Meter und musste mehrfach hinauf und hinunter, bevor es eine lange sanft abfallende Schlussgerade hin zum Ziel gab.

Die Sieger des Weißhorn Trails hießen Romain Lüscher (Cossonay, 1:22:19) und Emma Pooley (Hausen am Albis, 1:36:58). Beim Halbmarathon waren Iwan Schwarz (Elsau), Arnold Aemisegger (FL-Triesenberg) und T-Roy Brown (Bern) gemeinsam im Ziel, alle in 1:32:1 Stunden. Bei den Frauen hieß die Siegerin  Lisa Madlener (Bad Wurzach, 1:44:50).

Eine Siegerehrung oder Medaillen gibt es beim SSWR nicht. Das Erlebnis selbst und der Spaß stehen im Vordergrund. Die Veranstaltung bietet nicht nur einen schönen Start in das Laufjahr, sondern einen einmaligen Landschaftsgenuss – zusammen mit der seltenen Gelegenheit, eine Wettkampfdistanz auf Schnee zu bestreiten.

Der nächste 17. SSWR findet am 09.01.2021 statt.

https://snowwalkrun.ch/

 

Redaktion
Dr. Carsten Drecoll
Dr. Carsten Drecoll, langjähriger Redakteur bei Buch- und Zeitschriftenverlagen, ist seit über 15 Jahren mit der RUNNING und mit dem Laufsport verbunden. Die Natur genießen, Städte erkunden und die unglaublichsten Geschichten entdecken – das ist Laufen.
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