Weine nicht, wenn der Regen fällt

Geh laufen!

Duschen muss man hinterher sowieso. Und wie heißt es doch so schön: Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung. Was neben der richten Ausrüstung beim Training im Regen noch zu beachten ist, erfahren Sie im Folgenden.
Text: Anita Horn | Fotos: Armin Schirmaier

Warme Tropfen rasseln auf die Haut. Es ist eine Art sanfte Akupressur. Eine Streicheleinheit der Natur. Nur eben gratis. Dazu muss man aber den Tropfen die Chance geben, die Haut überhaupt berühren zu können. Bei hohen Temperaturen ist das natürlich kein Problem. Dann reicht kurze, funktionelle Laufbekleidung aus, Arme und Beine dürfen ruhig nass werden. Besser als in durchnässten Klamotten zu laufen. So halten es auch die Hahner-Zwillinge Anna und Lisa. An der Haut perlt der Regen problemlos ab. Ohne teures Equipment. „Bei warmen Temperaturen und Regen laufen wir in T-Shirt und kurzer Hose“, bestätigen die Olympia-Teilnehmerinnen.

Mit Grip und Grips

Ist es regnerisch und kalt, helfen die beiden mit passendem Material aus. „Dann ziehen wir eine wasserabweisende Windjacke und eine Schildkappe an.“ Natürlich dürfen dazu die richtigen Schuhe nicht fehlen. Die Sohle braucht guten Grip, damit der Läufer auf dem nassen Untergrund einen Halt findet. Vor allem Kopfsteinpflaster und Gullideckel können gefährlich werden. Aber auch Blüten und Staub werden zusammen mit Feuchtigkeit zu einem gefährlichen Rutschfilm auf dem Boden. Hier gilt: Tempo zügeln! Socken ohne Nähte helfen zudem, Blasen zu vermeiden. Denn Wasser im Schuh erhöht die Reibung und lässt die Füße schnell gereizt reagieren.

Schichtensystem

Im Herbst und Winter ist das Zwiebelprinzip die beste Wahl. Ein Kompressions- und ein Funktions-Shirt mit dünner Windjacke darüber oder wahlweise ein Longsleeve, kombiniert mit einer wasserabweisenden Windweste – und schon kann der Lauf losgehen. Baumwollstoff bietet sich nicht an. Er saugt sich schnell mit Wasser voll und kühlt den Träger schneller aus.

Kopfsache

Dem Kopf muss bei Regen besondere Beachtung geschenkt werden. Da wir über ihn und den Nacken einen Großteil unserer Körperwärme verlieren, sollten ein Multifunktionstuch und/oder eine atmungsaktive Laufmütze unser Haupt zieren. Dazu eine passende Brille, welche die Augen vor Regen und Dreckspritzern schützt – und schon behält man den perfekten Durchblick. Laufbrillen mit Scheibenwischern gibt es zwar noch nicht. Aber wer auf orange Gläser zurückgreift, erhält trotzdem einen tollen Ausblick. Denn diese Farbe sorgt für den nötigen Kontrast im Grau in Grau. Wer kreativ sein will, stellt sich mit dem Online-Konfigurator einiger Anbieter sogar seine eigene Sportbrille zusammen.

Singing in the rain

Das mit dem Outfit hätten wir dann schon mal. Fehlt noch etwas motivierende Musik. Denn mit den passenden Beats wird der Regen zu einem angenehmen Trommelton im Hintergrund. Entsprechende kabellose Kopfhörer liegen am Hinterkopf an und bieten durch Silikonpads in verschiedenen Größen für jedes Ohr den passenden Halt. Meist sind sie spritzwasser- und schweißresistent, und man muss oftmals nicht einmal das Handy mitnehmen, da die passende Musik von einer wasserfesten Pulsuhr abgerufen wird. Wenn es richtig schüttet, bieten sich wasserdichte Schwimmkopfhörer an. Allein der Regen kann für sich ebenso ein schönes Beschallungsprogramm sein.

Schirmchensprint

Wer trotzdem nicht ewig durch das Nass laufen möchte, nimmt den Regen zum Anlass und wandelt seine Haus- und Hofstrecke einmal um. Die Hahner-Zwillinge sind dann gerne spontan: „Der Wald bietet Schutz vor Regen, bei Läufen auf Asphalt wird die Kleidung nicht so dreckig. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Je nachdem, worauf wir Lust haben und was zum Trainingsplan gut passt, entscheiden wir ganz kurzfristig, wo wir lang laufen.“ Vielleicht bietet sich auch eine kürzere Distanz an, die ein paar Intensive Peaks bereithält: Pfützen als Hindernisse, die man überspringt, überdachte Locations, die man für ein knackiges High-Intensity-Training nutzen kann – oder man legt einen Sprint ein, immer wenn ein Passant mit einem Regenschirm vorbeikommt.

Geteiltes Leid

Wer ohne einen Laufpartner gerade bei widrigen Wetterbedingungen keinen Schritt vor die Haustüre schafft, verabredet sich oder schließt sich einer Trainingsgruppe an. Der Run Club von Runners Point, der Nike Running Club oder die Adidas Runners bieten in mehreren Städten Deutschlands jeden Tag in der Woche Lauftreffs für alle Fitnesslevels an – gratis und bei jedem Wetter. Aber auch Vereine und private Gruppen lassen sich von ein bisschen Wasser nicht abhalten.

Übrigens wird man nicht weniger nass, wenn man sich krümmt und klein macht. Deshalb, liebe Regensportler: Brust raus, Schultern tief und aufrecht durch das kühle Nass. Wer es dann noch schafft, nicht allzu zerknautscht zu gucken, sondern freundlich zu lächeln, macht nicht nur sich, sondern auch andere Leute damit glücklich.

Zur Warnung

Besonders wichtig ist, dass man gesehen wird. Wir kennen das alle vom Rad- und Autofahren: Viele Verkehrsteilnehmer verlernen bei schlechtem Wetter scheinbar alle Regeln. Deshalb helfen Reflektoren sowie Stirnlampen und eine federleichte Fingerklingel, um auf sich aufmerksam zu machen. Sie wird per Klettband an einem Finger befestigt wie ein Ring und hilft, im Straßenverkehr Lärm zu machen, wenn nötig. Empfohlen sei es aber, im Park oder Wald zu laufen, denn dort ist bei Regen meist am wenigsten los. Und noch ein Vorteil: Durch die Feuchtigkeit ist die Luft frei von Pollen und Staub. Perfekt für Allergiker. Dank diverser Wetter-Apps lässt sich mittlerweile recht genau absehen, wo und wann ein mögliches Unwetter ansteht, ein Gewitter aufzieht und das Training dann noch warten sollte. Entsprechende Warnungen des Deutschen Wetterdienstes müssen unbedingt beachtet werden. Wer bereits unterwegs ist, begibt sich schleunigst in Sicherheit.

Stolzer Blick

Der sogenannte Open-Window-Effekt in Kombination mit Sport im Regen lässt uns für Erkältungen anfälliger werden. Die kann niemand gebrauchen. Anna und Lisa Hahner schwören deshalb auf Wärme: „Bei kalten Temperaturen stehen besonders nach einem Regenlauf die heiße Badewanne und die Sauna ganz hoch im Kurs.“ Wer danach direkt in trockene Klamotten springt, hat nichts zu befürchten. „Außerdem gibt es bei uns zu Hause gleich ein heißes Getränk wie Cappuccino, Kakao oder einen Ingwertee.“ Ein wenig frische Energie in Form von Obst oder einer Fruchtsaftschorle bringen ebenfalls die Kräfte zurück. So gestärkt, schaut man dann gerne aus dem Fenster ins Trübe und darf durchaus Stolz auf sich sein.

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