Wash and Run

Wer möglichst lange Freude an seiner Funktionsbekleidung haben möchte, sollte ihr besondere Pflege zukommen lassen. Denn damit die Hightech-Stoffe ihre speziellen Eigenschaften nicht verlieren, müssen sie sehr schonend behandelt werden.
Text: Anne Kirchberg | Fotos: Klemens Wahl

Das Geheimnis moderner Laufbekleidung liegt im Material: Verantwortlich für die gewünschten Eigenschaften wie Kompressionseffekt, Atmungsaktivität und antibakterieller Schutz ist das synthetische Garn Elastan. Die davon hochwertigste Form ist besser bekannt als Lycra, das viele Hersteller für ihre Lauftextilien verwenden. „Um die Elastizität zu erhalten, sollte man beispielsweise zu viel Sonne und den Kontakt mit Chlor vermeiden“, rät Ralf Eggert, Produktmanager bei 2XU. „Ebenso ist es ratsam, Schweiß unmittelbar nach der Benutzung mit speziellen Waschsubstanzen auszuwaschen.“

Tipps und Tricks

Damit Läufer über alle Details rund um die Pflege von Funktionsbekleidung informiert sind, erstellte die australische Firma 2XU sogar einen eigenen Leitfaden mit Tipps und Tricks. Dort erfährt man unter anderem, dass die vom Training durchnässte Sportkleidung am besten sofort in die Waschmaschine kommt. „Ansonsten greift der Schweiß das Elastan relativ rasch an, wodurch der Stoff schneller brüchig wird“, so Eggert. Außerdem sollte die Kleidung stets links herum gewaschen werden, damit Logos, Aufdrucke und Reflektoren geschützt sind. Abgesehen davon, dass am besten keinerlei spitze Gegenstände, wie Reiß- oder Klettverschlüsse von anderen Kleidungsstücken, in der Waschtrommel sein sollten, empfiehlt sich die Verwendung eines Wäscheschutznetzes. Ebenso wird vor zu heftigem Schleudern gewarnt. „Zu hohe Zentrifugalkräfte von über 800 Umdrehungen pro Minute zerren stark am Elastan und können es beschädigen“, erklärt Ralf Eggert und fügt hinzu: „Die jeweiligen Pflegehinweise sind ja schließlich nicht aus Spaß in die Bekleidung genäht, sondern ergeben sich aus den spezifischen Materialanforderungen.“

Nicht weichgespült

Welche entscheidende Rolle dabei das Waschen spielt, weiß auch O-motion- Marketingleiter Reinhard Hanke, schließlich ist sein Arbeitgeber auf die Herstellung von Kompressionsstrümpfen für Läufer spezialisiert. „Zur Pflege gehört die regelmäßige Wäsche, bei der man ein Waschmittel ohne Weichspüleranteil und natürlich keinen Weichspüler verwenden sollte“, sagt Hanke. „Denn Weichspüler greift die Elastan-Garne an, die entscheidend für die Kompression und die dauerhafte Elastizität sind.“ Gefährlich sind vor allem die im Weichspüler enthaltenen Füllstoffe, die sich auf das Material setzen und damit Schweißtransport, Atmungsaktivität sowie schnelle Trocknungszeiten negativ beeinflussen. Zudem kann durch sie das beschichtete Material beschädigt werden, wodurch das gefürchtete „Ausleiern“ begünstigt wird.

Spezielle Waschmittel

Zahlreiche Hersteller empfehlen deshalb Spezialwaschmittel für Funktionskleidung, da dort garantiert keine Füllstoffe enthalten sind. Daneben wird die Wäsche dank ihrer Hilfe auch bei 30 Grad Celsius hygienisch rein und die Atmungsaktivität durch spezielle Zusätze sogar noch erhöht. Somit sind Produkte wie Holmenkol Textile Wash, Nikwax Tech Wash, Perwoll Waschmittel für Sport- & Funktionstextilien und Hey Sport Tex-Wash keine Geldmacherei der Firmen. „Bei den von den Herstellern empfohlenen Waschmitteln kann der Verbraucher sicher sein, dass sie keine Inhaltsstoffe enthalten, die den Produkten schaden“, bestätigt Reinhard Hanke. Als Waschprogramm eignen sich schonende Einstellungen und kurze Programme mit 30 Grad Celsius, da die Reinigung immer eine Beanspruchung für die Textilien bedeutet.

Thema Trocknung

Sogar das Trocknen von Funktionskleidung birgt einige mögliche Gefahren für den sensiblen Hightech-Stoff. „Man sollte beispielsweise Kompressionsstrümpfe keiner übermäßigen Hitze aussetzen, da auch sie die Garne angreift“, so Hanke. Im Trockner, auf der Heizung oder in der prallen Sonne auf der Wäscheleine hat die Laufkleidung nichts verloren. „Heftiges Trocknen ist jedoch gar nicht nötig, da das Funktionsmaterial der Strümpfe problemlos an der Luft über Nacht trocknet“, fährt der Experte fort. Am besten hängt man Bekleidung über einen Bügel im Wohnraum zum Trocknen auf.

Nahezu unverwüstbar

Die Vorsichtsmaßnahmen beim Waschen von Kompressionstextilien bestätigt auch Philipp Galewski von CEP. „Ich rate dazu, beim Waschen darauf zu achten, dass keine scharfkantigen Gegenstände wie Knöpfe oder Klettverschlüsse in der Maschine sind“, so Galewski. Die Strümpfe von CEP werden ebenfalls aus den hochelastischen Kunstfasern hergestellt. „Diese sind notwendig, um einerseits eine enorme Zugbelastung für die Kompression herzustellen, die jedoch auf der anderen Seite individuell anpassbar ist, um stets den richtigen Druck ausüben zu können“, erklärt der Fachmann weiter. Schließlich zerreißen hochwertige, synthetische Stoffe selbst dann nicht, wenn man versucht, sie mit den Händen auseinanderzuziehen. Während dies bei Naturfasern und Billigstoffen möglich ist, gelingt das bei modernen Kompressionstextilien kaum. „Auch beim normalen Gebrauch sind die Produkte schwer kaputt zu bekommen“, erzählt Galewski über die lange Haltbarkeit und Lebensdauer der hochtechnischen Funktionskleidung bei guter Pflege und fügt schmunzelnd hinzu: „Mit der richtigen Pflege halten sie sogar länger, als manch einem Hersteller lieb ist!“

Pflegetipps für Kompressionstextilien

  • übermäßig viel Sonne und Kontakt mit Chlor sind zu meiden
  • Textilien unmittelbar nach der Benutzung waschen
  • beim Waschen spezielle Waschmittel verwenden – keinen Weichspüler!
  • Kleidung links herum waschen
  • kurze Waschprogramme wählen, nicht über 30 Grad
  • keine spitzen Gegenstände (z. B. Klettverschlüsse) in die Trommel geben
  • Wäscheschutznetz gebrauchen
  • Schleudergang nicht über 800 Umdrehungen pro Minute
  • beim Trocknen nicht in die direkte Sonne oder auf die Heizung hängen
  • Pflegehinweise zu den Produkten stets beachten
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