Wahl ist nicht gleich Qual

Die richtigen Laufschuhe finden

Laufen scheint einfach: Man kann es überall und zu jeder Zeit machen, ist von niemandem abhängig, und auch die Ausstattung ist längst nicht so aufwendig wie bei anderen Sportarten. Von höchster Bedeutung sind allerdings die passenden Laufschuhe.
Text: Dr. Carsten Drecoll | Fotos: Lisa Brüstle/Ralf Graner Photodesign

Sie haben beschlossen, mit dem Laufen zu beginnen? Sehr gut. Dann steht jetzt der Kauf der ersten Laufschuhe an. Ihr Laufschuh sollte genau zu Ihnen passen. Und es sollte ein Schuh speziell fürs Laufen sein, kein Wanderschuh, kein Hallenschuh und kein Turnschuh.

Ein guter Laufschuh schützt den Fuß und damit den Teil des Körpers, der Sie über die Kilometer trägt. Der Fuß besteht aus vielen Muskeln, Sehnen und Knochen, die beim Laufen stark beansprucht werden und hohen Aufprallkräften ausgesetzt sind (Ein 50-Kilo-Läufer setzt seinen Bewegungsapparat einer Kraft von bis zu 150 Kilogramm aus). Ihr Fuß ist damit ein Hochleistungsgerät, welches Sie durch das Tragen passender Laufschuhe bestmöglich unterstützen sollten, um Verletzungsrisiken zu minimieren.

Als Anfänger (oder Wiedereinsteiger) sollten Sie sich etwas mit den gängigen Laufschuhmarken vertraut machen, z.B. indem Sie einen Blick in den Großen Laufschuhtest in unserer neuen Ausgabe (ab 13.03.2019 im Handel) werfen. Es gibt knapp zehn Firmen, die gute Laufschuhe herstellen und über viele Jahre entsprechende Kompetenz gesammelt haben. Unter diesen haben Sie die Wahl.

 

TIPP: Sie brauchen nicht die neuesten Modelle. Auch die Vorjahres-Versionen der renommierten Hersteller sind gute Laufschuhe, und sie sind im Handel oder auf Marathon-Messen preisgünstig zu haben. Bitte Laufschuhe nicht beim Discounter kaufen! Diese Schuhe haben mitunter erhebliche Mängel, wie verschiedene Tests – auch in unserer Redaktion – ergeben haben.

 

Das eigene Laufprofil kennen

Welcher Laufschuh ist nun der Richtige? Eine Universalantwort auf diese Frage gibt es nicht. Stattdessen hängt der Kauf von verschiedenen Kriterien ab und bedarf einiger Vorüberlegungen. Je nach Körpergewicht und Bewegungs-Ablauf, dem sogenannten Laufstil, benötigen unterschiedliche Menschen verschiedene Schuhe. Die meisten Aktiven sind mit Neutralschuhen gut bedient. Hier gibt es auch vonseiten der Hersteller die größte Auswahl.

Daneben gibt es Läufer, die mit dem Fuß stark nach innen oder außen einknicken. Dies nennt der Fachmann Pronation (nach innen einknicken) oder Supination (nach außen wegknicken). Vor allem für Pronierer empfehlen sich Stabilschuhe, die den Fuß entsprechend stabilisieren, also stützen. Ob Sie ein Pronierer sind, kann der Fachverkäufer oder Ihr Sportorthopäde leicht erkennen.

Zur Vorbereitung auf das B2Run-Event wird der Untergrund, auf dem Sie laufen, zunächst Straße oder ein Wander- und Waldweg sein. Sie brauchen also keine Trail-Running-Schuhe.

Absehen sollten Sie auch vom Kauf dynamisch-minimaler Schuhe oder von Modellen, die das Barfußlaufen propagieren. Diese sind Trainingsgeräte für bereits sehr gut trainierte Läufer. Die Verletzungsgefahr ist hierbei für Ungeübte hoch. Zudem spielt das Gewicht der Schuhe nur bei Spitzenathleten wirklich eine Rolle.

 

Gut vorbereitet zum Laufschuhberater

Nach diesen einleitenden Klärungen führt Ihr Weg Sie nun ins Fachgeschäft, am besten nachmittags, denn da sind Ihre Füße etwas größer als am Morgen. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit. Im Gespräch mit Ihrem Laufschuhberater werden Sie schnell merken, dass sich Ihre Vorbereitung auszahlt.

Mithilfe Ihres Laufprofils wird dieser aus dem endlos erscheinenden Angebot an Schuhen und Eigenschaften eine begrenzte Auswahl an Modellen präsentieren, die für Sie infrage kommen. Ein guter Fachverkäufer wird dazu Ihre Füße vermessen, die Ausprägung des Fußgewölbes feststellen und ggf. eine Pronationsneigung erkennen. Die angebotenen Modelle, vor allem bei Anfängern, werden aus dem Bereich „Dämpfung“ oder „Cushion“ kommen.

 

Anprobieren und Probelaufen

Die Älteren unter Ihnen erinnern sich vielleicht noch an Schuhverkäufer, die einem weismachen wollten, dass sich ein Schuh schon noch „einläuft“. Dies ist bei Laufschuhen Unsinn. Beim Anprobieren sollte bereits ab dem ersten Schritt nichts drücken oder scheuern. Der Fuß muss gut in Fersenkappe und der Mittelfuß im Schuh sitzen und Halt finden. Die Zehen benötigen zum Abrollen entsprechenden Freiraum. Fragen Sie den Verkäufer, ob Sie mit den Schuhen eine Runde laufen dürfen oder ob Sie sie für einige Tage zur Probe mitnehmen und ggf. umtauschen können.

Zum Schuh gehören auch entsprechende Laufsocken. Diese sind meist doppelt gestrickt und an Zehen und Ferse besonders gepolstert. Zudem haben sie eine viel bessere Passform als normale Alltagssocken. Probieren Sie Ihre Laufschuhe mit Laufsocken aus, nicht mir Ihren normalen Strümpfen.

 

Checklist für den Laufschuhkauf

  1. Verwenden Sie Laufschuhe, keine Schuhe, die eigentlich für andere Sportarten gemacht sind.
  2. Halten Sie sich an etablierte Laufschuhhersteller und vermeiden Sie Discounter.
  3. Der Schuh muss zum Fuß passen und nicht umgekehrt. Seien Sie kompromisslos.
  4. Erfahren Sie, welcher Läufertyp Sie sind und welchen Laufstil Sie haben.
  5. Vermeiden Sie zu leichte Schuhe. Wählen Sie Modelle mit einer ausreichenden Dämpfung.
  6. Seien Sie nicht zu geizig. Wer sparen will, kann auf gute Vorjahresmodelle zurückgreifen.

 

Empfehlung

Werfen Sie einen Blick in unser aktuelles Magazin! Der Große Laufschuhtest gibt Ihnen einen Überblick über Hersteller und Modelle.

Redaktion
Dr. Carsten Drecoll
Dr. Carsten Drecoll, langjähriger Redakteur bei Buch- und Zeitschriftenverlagen, ist seit über 15 Jahren beruflich und privat mit dem Laufsport verbunden.
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