Trailrunning: Routenplanung selbst gemacht

So planen Sie Ihren eigenen Traillauf

In Zeiten der weltweiten Absagen von Laufveranstaltungen finden auch viele Trailrunning-Events nicht statt. Einige Athleten haben ihre eigenen Challenges aufgezogen. Und auch wir haben uns eine vielversprechende Strecke ausgesucht. Ein Selbsttest.
Text: Dr. Carsten Drecoll | Fotos: Tecnica

In der Krise hat es sich gezeigt: Laufen ist ein Sport für jede Wetter- und Lebenslage. Auch wenn die organisierte Szene pausieren muss, können die Aktiven weitermachen, individuell, virtuell, im Rahmen des Möglichen und Erlaubten. Alles, was es braucht, ist die Laufschuhe zu schnüren und die richtige Strecke zu finden. Das gilt auch und besonders für die Trailstrecken.

Trails finden

Was ist eigentlich ein Trail, wenn ihn nicht ein Veranstalter ausweist? Die Antwort ist erstaunlich einfach: jeder Wald und Feldweg. Insbesondere bei uns in Deutschland heißt das: alle Wanderwege vor der eigenen Haustür. Ein durch Vereine gepflegtes und in der Regel auch beschildertes Wegenetz existiert seit Langem und wartet nur darauf, auch von uns Trail-Läufern genutzt zu werden. Es gibt Karten, es gibt ungefähre Angaben bezüglich der Distanzen und zur Not meist auch Möglichkeiten der Verpflegung an den Strecken. Dennoch ist es sinnvoll, sich vorher als Läufer einige Dinge klar zu machen. Daher hier unsere kleine Checkliste.

Checkliste Trail-DIY

Möchte man individuell eine eigene Trail-Strecke bewältigen, gelten immer die Anforderungen, die bei einem  selbstversorgten Rennen beachtet werden sollten. Also: für ausreichend Essen und Trinken sorgen, warme Kleidung und Regenjacke dabeihaben, Handy und Erste-Hilfe-Set nicht vergessen. Darüber hinaus sind aber noch weitere Checks sinnvoll:

Abklären der Strecke: Auch wenn Wanderwege ausgeschildert sind, fehlen einem als Läufer doch häufig Informationen, wenn man die Strecke nicht kennt. Wie lang ist sie wirklich (manchmal werden Wander-Zeiten anstelle von Kilometern angegeben), wie viele positive Höhenmeter hat die Strecke (wird für Wanderer meist nicht angegeben) und wie ist die Bodenbeschaffenheit? Ein Blick auf eine gute Wanderkarte sorgt da meist für eine genauere Vorstellung. Zudem findet man häufig über schöne Routen Wander-Berichte im Internet, die zum Beispiel verraten, ob die gewählte Strecke auch gepflegt ist.

Informationen zur Orientierung: Im Gelände taugt Google Maps leider nichts. Wer über eine kartenfähige GPS-Uhr verfügt, kann seine Strecke natürlich ganz genau vorher bestimmen und auf seine Uhr laden. Einfacher jedoch ist es, sich den Verlauf auf einer klassischen Karte einmal anzusehen. Dies sollte man auch machen, wenn die Strecke ausgeschildert ist. Bei vielen Wanderwegen ist die Beschilderung nicht gleich eindeutig oder nachvollziehbar. Zudem ist sie für Wanderer gemacht, Läufer schauen anders und können daher leichter Abzweigungen verpassen.

Wettervorhersage: Checken Sie vorher das Wetter. Für Trail-Läufer gelten dieselben Vorsichtsmaßnahmen wie für Wanderer und Bergsteiger. Wetterwechsel, vor allem in den Bergen, sollten auch von Läufern sehr ernst genommen werden.

Gegen Entzugserscheinungen

Ab Mitte März spürten vor allem ambitionierte Athleten Entzugserscheinungen. Eine besondere Challenge musste her, etwas, was nicht nur die ausgefallenen Wettkämpfe ersetzen könnte, sondern aus der Not eine Tugend machen würde. Dabei kamen einige gute Ideen heraus. Im Schwarzwald entdeckte der Triathlet Jörg Scheiderbauer (4. Platz Altersklasse bei der Ironman WM) den Westweg (rote Raute, ausgewiesen durch den Schwarzwaldverein e.V.) für sich, der ca. 280 Kilometer lang mit 8.000 Höhenmetern von Pforzheim bis zur Schweizer Grenze vor Basel führt. Jörg nahm sich vor, diese Strecke innerhalb von 48 Stunden zu bewältigen. Er schaffte es, mit einer Nachtpause, in 47:15 Stunden. Rekord! Unterstützt wurde er durch seine Lebensgefährtin sowie befreundete Sportler, die ihn auf dem Rad oder für eine gewisse Teilstrecke laufend begleiteten. Jörg hat seine sportliche Challenge mit einem guten Zweck verbunden. Es gelang ihm, mit seinem Westweg-Projekt Spenden in Höhe von 18.426,15 Euro für den Förderverein für Krebskranke Kinder in Freiburg zu sammeln.

Grüne Raute mit Herz

Auch andere Athleten stellten sich besonderen, selbst gewählten Herausforderungen. Simone Schwarz, frühere Triathletin aus Freiburg, wählte den Zweitälersteig, der rund um das Elztal und das Simonswäldertal führt (grüne Raute mit stilisiertem Herz) und 108 Kilometer (4.120 Höhenmeter) bereithält. Obwohl die Strecke vor der Schultür der Lehrerin in Waldkirch liegt, waren 80 Prozent des Wegs für sie eine Neuentdeckung. Aus welch teilweise entlegenen Tälern ihre Schüler kommen, wurde ihr hier auf der Strecke noch einmal bewusst. Daneben war jedoch auch das Wettkampf-Feeling geweckt: Als klar war, dass sie unter 14 Stunden bleiben und so eine neue Streckenbestzeit aufstellen würde, hieß es noch einmal richtig Gas geben.

Rund ums Saarland

Eine eigene Trail-Herausforderung hat sich auch Salomon-Athlet Martin Schedler gewählt: In vier Etappen möchte er das Saarland umlaufen. Dazu wählt der erfahrene Trailrunner die Hauptroute des Saarlandrundwanderweges (ohne Mosel- und Bliesgauschleife), die circa 290 Kilometer umfasst und mit dem Dollberg den höchsten Berg des Saarlandes in petto hat. Um 6:00 Uhr an Fronleichnam (11.06.2020) ging es los.

Die blaue Raute

Auch ich selbst nahm mir eine Wanderroute ab der eigenen Haustür vor. Von Merzhausen bei Freiburg ging es über Günterstal, den Kybfelsen bis hinauf ins Schauinsland. Das sind tatsächlich „nur“ 16 Kilometer (1.200 Höhenmeter),  immer der blauen Raute hinterher.

Fazit: Die Orientierung war leicht, die Strecke hervorragend beschildert (auch die Distanzangaben stimmten), die Wege gingen von breiten Forstwegen bis hin zu schmalen Trails durch den Wald. Wunderbare Ausblicke und teilweise  wildromantische Landschaften waren zu entdecken. Warum habe ich das eigentlich noch nie gemacht? Es war ein perfektes
Trailrunnng-Event: auf eigene Faust.

Redaktion
Dr. Carsten Drecoll
Dr. Carsten Drecoll, langjähriger Redakteur bei Buch- und Zeitschriftenverlagen, ist seit über 15 Jahren mit der RUNNING und mit dem Laufsport verbunden. Die Natur genießen, Städte erkunden und die unglaublichsten Geschichten entdecken – das ist Laufen.
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