Lassen Sie sich von Ihren Nerven nicht nerven

Nervosität am Start

Was haben Vorstellungsgespräch, Uni-Klausur und Laufwettkampf gemeinsam? Richtig, je näher sie rücken, desto angespannter und nervöser fühlen wir uns.
Fotos & Text: Dr. Carsten Drecoll

Und das ist auch kein Wunder, denn es steht einiges auf dem Spiel. Gerade wir als Läufer wollen unseren Trainingsfleiß mit einer guten Leistung im Wettkampf belohnen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie ein optimales Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung erreichen.

Das Wichtigste zu Beginn: Nervosität hat viele Facetten. Während der eine vor Aufregung ständig das stille Örtchen aufsucht, tippeln andere unruhig auf der Stelle. Manche wiederum werden ungewöhnlich leise.

Nervensystem außer Balance

Die Wissenschaft unterscheidet zwischen zwei Typen, dem Sympathikotoniker und dem Vagotoniker. Erstere befinden sich ständig auf einem leicht erhöhten Niveau der Reaktionsbereitschaft. Nervosität äußert sich bei ihnen durch einen erhöhten Herzschlag sowie eine vermehrte Schweißproduktion und ein stärkeres Redebedürfnis – der antreibende Sympathikus dominiert das Nervensystem.

Beim Vagotoniker hingegen ist das Gleichgewicht in Richtung Parasympathikus verschoben. Die Aufregung ist diesen Menschen äußerlich kaum anzumerken, sie sind in sich gekehrt, reden nicht viel. Die Anspannung macht sich durch eine erhöhte Blasen- und Darmaktivität bemerkbar. Niemand lässt sich eindeutig einem der zwei Stresstypen zuordnen, doch gibt es meistens einen deutlichen Überhang einer Reaktionsrichtung.

Nervosität in Schach halten – fünf Strategien

So verschieden die Symptome und so unterschiedlich die Ursachen, so vielfältig sind auch die Selbsthilfeoptionen. Dabei gibt es kein Patentrezept, aber erprobte Strategien, um die Nerven in den Griff zu bekommen.

Autogenes Training

Das eigene Nervensystem zu beeinflussen ist schwer, aber nicht unmöglich. Mithilfe von autogenem Training können Sie gezielt daran arbeiten, Körper und Geist in angespannten Situationen zu entspannen, zum Beispiel durch bestimmte Ruheformeln. Wie der Name schon sagt, muss autogenes Training ausreichend lange eingeübt werden, um Erfolge zu erzielen. Kostenlose Anleitungen finden Sie im Internet oder als Podcast.

Worst-Case-Szenario

„Was kann mir schon passieren?“ Wer mit diesem Satz vor Augen an den Start geht, löst mit großer Wahrscheinlichkeit Verkrampfungen und reduziert Anspannung. Denn: Nervosität resultiert oftmals aus Angst vor dem Ungewissen. Überlegen Sie sich daher im Vorfeld, was das Schlimmste ist, das passieren kann, und nehmen Sie möglichen Misserfolgen damit die Dramatik.

Rituale

Die immer gleiche Reihenfolge beim Socken- und Schuheanziehen, ein Lieblingsshirt oder dieselbe Mahlzeit vor dem Wettkampf – Rituale geben nicht nur Struktur, sondern vor allem Sicherheit. Wer einen persönlichen Ablaufplan besitzt und automatisch abrufen kann, läuft weniger Gefahr auf ungewohnte Bahnen zu geraten. Das kann sich positiv auf die Leistungsfähigkeit im Wettkampf auswirken.

Kräuterküche

Wer zu den besonders aktiven Klogängern gehört, dem sind Tees oder Heilpflanzenaufgüsse von Passionsblume, Baldrian, Weißdorn, Lavendel, Melisse oder Kamille zu empfehlen. Sie beruhigen nämlich das Darmgehirn. Umgekehrt sorgt Kaffee für die nötige Anregung, falls es daran mangelt.

Leichte, kohlenhydrathaltige Kost

Vor Aufregung kann einem schon mal flau im Magen werden. Das Gefühl, keinen Bissen herunterzubekommen, ist dann meist nicht weit entfernt. Dabei ist Vorwettkampfkost wichtig, um einer Unterzuckerung vorzubeugen. Versuchen Sie daher ballaststoffarme, energiedichte Lebensmittel in kleinen Portionen zu sich zu nehmen. Ihr Körper wird es Ihnen während der Belastung danken. Aber: Keine Experimente, denken Sie an Ihren Darm.

Welche der beschriebenen Strategien Ihre Nervosität am besten in die Schranken weist, müssen Sie nun für sich herausfinden. Aber denken Sie immer daran: Ein gewisser Grad an Aufregung gehört im Sport dazu und hilft Ihnen Bestleistungen zu erzielen.

Redaktion
Dr. Carsten Drecoll
Dr. Carsten Drecoll, langjähriger Redakteur bei Buch- und Zeitschriftenverlagen, ist seit über 15 Jahren mit der RUNNING und mit dem Laufsport verbunden. Die Natur genießen, Städte erkunden und die unglaublichsten Geschichten entdecken – das ist Laufen.
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