Abgesagtes Laufevent: Das sind Ihre Rechte

Anne Kirchberg hakt nach

In den vergangenen Monaten hat das Corona-Virus sämtliche Lauf-Veranstaltungen ausgebremst, doch auch sonst müssen Events manchmal abgesagt werden. Welche Rechte Sie haben, erklärt Rechtsanwalt Alexander Wagner.
Text: Anne Kirchberg | Fotos: Unsplash

Sturm-Warnungen, Terror-Gefahr oder eine eigene Krankheit können Gründe sein, warum ein lang herbeigesehntes Laufevent ausfallen muss. Besonders ärgerlich ist dies, wenn man bereits eine hohe Startgebühr bezahlt hat. Wann wer für welche Kosten aufkommt, weiß der Rechtsanwalt Alexander Wagner von der Anwaltskanzlei Hild & Kollegen in Augsburg.

ANNE KIRCHBERG/RUNNING: Kann man sich nach der kostenpflichtigen Anmeldung bei einer Laufveranstaltung einfach wieder „abmelden“ und die Startgebühr zurückverlangen?

ALEXANDER WAGNER: Grundsätzlich ist zu prüfen, ob im Rahmen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) Regelungen zu einer eventuellen Abmeldung von der Veranstaltung festgelegt sind. Eine kostenbefreiende Abmeldung von der Veranstaltung ist in den meisten Fällen schon ausgeschlossen. Zwar können Klauseln innerhalb der AGB aus verschiedenen Gründen unwirksam sein, dies führt jedoch im Fall einer Laufveranstaltung lediglich zur Anwendung von werkvertraglichen Regelungen. Dieser zufolge ist der Besteller, hier also der Läufer, jederzeit und ohne besonderen Grund zur Kündigung des Vertragsverhältnisses berechtigt. Die Berechtigung des Unternehmers, also des Veranstalters, die vereinbarte Vergütung zu verlangen, bleibt jedoch weitestgehend bestehen.

KIRCHBERG: Darf ich mich, wenn ich plötzlich krank werde, mit ärztlichem Attest „abmelden“ und meine Gebühr zurückverlangen?

WAGNER: Auch hier ist zunächst auf die AGB des Veranstalters abzustellen. Einige Veranstalter bieten krankgeschrieben Läufern die Möglichkeit, die Teilnahme gegen ein geringes Entgelt auf das nächste Jahr zu verschieben. Eine „Abmeldung“ vom Vertrag wegen Krankheit stellt rechtlich gesehen jedoch keinen Grund dar, um die Teilnahmegebühr zurückzuverlangen.

Auch ein ärztliches Attest ist kein Garant für eine Rückerstattung.
Foto: Unsplash/National Cancer Institute

KIRCHBERG: Wie ist die Rechtslage bei einer Bombendrohung oder im Falle des Corona-Virus?

WAGNER: Wird ein Lauf-Event wegen Bombendrohung oder Corona-Virus vom Veranstalter abgesagt, so liegt in den meisten Fällen ein Fall von „höherer Gewalt“ vor. Auch hier ist es ratsam, zunächst in die AGB des Veranstalters zu schauen, da in vielen Fällen Regelungen zur „höheren Gewalt“ im Vorhinein durch den Veranstalter festgelegt wurden. Bei Nichtvorliegen einer solchen Klausel, beziehungsweise ihrer Unwirksamkeit,
führt ein Fall von höherer Gewalt zu einer Rückabwicklung bereits erbrachter Leistungen. Der Läufer kann in diesem Fall die Startgebühr zurückverlangen.

KIRCHBERG: Und bei Abbruch einer Veranstaltung?

WAGNER: Für den Fall, dass die Veranstaltung bereits gestartet ist, allerdings abgebrochen werden muss, besteht meist kein Anspruch auf volle Rückerstattung der Teilnahmegebühr. Ein Recht auf Wiederholung beziehungsweise kostenfreien Start bei einer späteren Veranstaltung besteht auch nicht. Die teilweise Leistungserbringung seitens des Veranstalters entbindet diesen meist von einer vollständigen Rückerstattungspflicht.
Sollte in den AGB des Veranstalters nichts anderes bestimmt worden sein, findet die vorangehend angesprochene Regelung zur „höheren Gewalt“ Anwendung und führt zu einem Rückabwicklungsverhältnis, zumindest hinsichtlich eines Teils der Teilnahmegebühr.

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