Fit für die Ferien

Laufreisen und Mee(h)r

Wenn Sie auch im Urlaub Ihre Lauf-Runden drehen wollen oder gar einen Wettkampf in einer fremden Stadt im Auge haben, lohnt es sich, einen sportlichen Reiseveranstalter ins Boot zu holen. Wir zeigen Ihnen, welche Anbieter infrage kommen.
Text: Anne Kirchberg | Fotos: Spa & Sport RS, Tui Cruises, Schulz aktiv reisen; Christian Laurenz, actreme.com

Eine Laufreise zu buchen stellt vor die Qual der Wahl: Im deutschsprachigen Raum gibt es fast 20 Firmen, über die Sie buchen könnten – und das liegt ganz klar an der steigenden Nachfrage. Jeder Anbieter setzt eigene Schwerpunkte, sodass Sie am besten dort anfragen, wo Sie Ihr Wunschreiseziel sehen: Ali Schneider Marathonreisen „Hm touristik“ war eine der ersten Firmen, die Laufreisen anbot, und bis heute können Sie mit dem Unternehmen zu den weltweit größten Marathonveranstaltungen fahren. Ebenfalls spannend sind die Ziele von InterAir: der Antarktis Marathon, das Disneyland Paris Run Weekend, der Bhutan-Thunder-Dragon Marathon sowie diverse Laufcamps. Die Kölnerin Ina Siegel spezialisierte sich auf Angebote in Nordeuropa und Russland, bringt ihre Kunden jedoch ebenso zu den Marathon-Klassikern nach Barcelona, New York oder Wien.

Schweizer wissen, wo es in Zukunft hingeht

Das Schweizer Unternehmen „Albis Reisen“ aus Zürich bietet diverse Laufwochen auf Menorca, Zypern und Sardinien sowie eine Laufkreuzfahrt an. Bei diesem speziellen Schiffsurlaub können Sie an jeder Anlegestelle an gemeinsamen 60- bis 90-minütigen Läufen teilnehmen. Auf außergewöhnliche Touren spezialisiert hat sich die Firma „Actreme sport. adventure. travel“, die ebenfalls in Zürich ansässig ist. „Eine Reise zum New York Marathon suchen Kunden bei uns vergeblich, wir bieten individuell abgestimmte Sportreisen mit gewissem Abenteuerfaktor und sind dabei stets nah bei der lokalen Bevölkerung“, berichtet Inhaber Maik Becker. Nach seiner Erfahrung suchen viele langjährige Läufer im Urlaub neue Herausforderungen. „Zudem verschieben sich die Grenzen: Früher wurden 42 Kilometer als maximale Belastung angesehen, heute sind es Wüstenläufe über Ultradistanzen. Der Reiz, in ungewohnten Klimazonen und fremden Kulturen zu laufen, ist in den vergangenen Jahren auf Breitensportler übergeschwappt.“ Bei seinen Trips wie zum Ladakh Marathon, dem Kristall Marathon oder der Laufwoche in Istrien ist auch das Programm neben dem Wettkampf mit Trekking, Bergbesteigung oder Mountainbiken aktiv gestaltet. Die Laufreise-Trends 2019 sieht Becker vor allem bei ausgefallenen Zielen wie den Tempelanlagen in Kambodscha, im Himalaya oder rund um den Kilimandscharo. „Gefragt sind auch Familienangebote, bei denen die Eltern Sport treiben, die Kinder betreut werden und trotzdem genug Zeit für Gemeinsames bleibt“, so der Experte.

Österreicher führen Menschen zusammen

In Österreich verfügt neben anderen Firmen die Ruefa-Reisen GmbH mit Reisebüros in allen großen Städten über ein umfassendes Programm für Läufer: Bekannte Marathon-Wettkämpfe plus Spezialitäten wie der dreitägigen Tour de Tirol, der Florenz Marathon, der Französische Riviera Marathon von Nizza nach Cannes oder der Jamaika Reggae Marathon im kleinen Ort Negril können Sie auch bequem online buchen. Etwas andere Laufreisen bietet der österreichische Verein „Run2gether“ aus Stallhofen bei Graz an. Ein Team von europäischen und kenianischen Sportlern organisiert Ferien der besonderen Art: Beim Urlaub in dem ostafrikanischen Land wird das Training mit Safaris sowie authentischer, kenianischer Kultur verbunden und bei den Laufwochen in der auf 1.400 Meter Höhe gelegenen Gemeinde Kals am Großglockner trainieren Sie zusammen mit 15 kenianischen Athleten Ihre Marathonqualitäten in malerischer Kulisse.

Foto: Schulz aktiv reisen

Ein Marathon gibt das Urlaubsziel vor

Die Reisen von Andreas Butz Laufcampus führen unter anderem nach Palma, Zermatt und Alcudia, um an den dortigen Marathons teilzunehmen. Wer gerne bei den Wettkämpfen in Krakau, Lima, Helsinki oder Edinburgh starten möchte, kann sich an LaufKultTour in Augsburg wenden. Keine Wünsche offen lässt auch das große Angebot von lauf­reisen.de: Ob beim Seidenstraßen Halbmarathon, dem Jerusalem Marathon oder dem St. Petersburg White Nights Marathon – hier werden Laufleidenschaft und Fernweh definitiv befriedigt. Als einer der Marktführer hat Schulz aktiv reisen ein riesiges Angebot für Läufer, wie den Kilimandscharo Marathon, den Victoria Falls Marathon, den Two Oceans Marathon oder den Seychellen Marathon. Laufexperte Björn Grass organisiert zahlreiche Laufcamps, beispielsweise in Thailand, auf Mallorca oder in Transsilvanien, und leitet Laufkreuzfahrten wie bei der Reederei Royal Caribbean Cruises, die direkt über sein Laufreisen-Unternehmen buchbar sind. Sein Kollege, der ehemalige Langstreckenläufer Herbert Steffny gibt sein Wissen ebenfalls in diversen Seminaren und Trainingscamps weiter, die in Kenia, auf der Kanareninsel Fuerteventura oder Mallorca stattfinden. Auch die Running Company aus München führt diverse Laufseminare und Urlaube durch und bringt ihre Kunden nach Lanzarote, in die Toskana oder nach Livigno. Laufsport Jäkel führt nach dem Tod von Legende Peter Greif seine Laufreisen in Portugal sowie in Spanien fort.

So finden Sie Ihre Wunschdestination

Aus dieser Masse an Angeboten das für sich Passende zu finden, ist nicht leicht. Allein deshalb sollten Sie keine Scheu haben, sich bei diversen Anbietern beraten zu lassen. Achim Wricke von InterAir legt großen Wert darauf, dass seine Mitarbeiter an den angebotenen Reisen teilnehmen, um den Kunden eine echte Hilfe zu sein. „Gegebenenfalls sollten Sie das Marathonziel danach wählen, wo Sie schon immer einmal hinwollten“, sagt Wricke. „Außerdem lässt sich das Ziel durch Gegebenheiten eingrenzen: Sind Sie kein Hitzeläufer, sollten tropische Marathons gemieden werden und manche Strecke ist nicht so beschaffen, dass sie zu den persönlichen Laufeigenschaften passt.“ Selbst die Zeitverschiebung ist nach Ansicht des Laufreise-Experten ein oft unterschätzter Faktor, weshalb Sie besser mit einem großen Zeitpuffer an den Wettkampfort reisen sollten. „Die größte körperliche Herausforderung bieten wahrscheinlich die Antarktis, der Great Wall Marathon auf der Chinesischen Mauer und Bhutan, da er sehr hochgelegen ist und die Luft spürbar dünn“, meint der gelernte Reiseverkehrskaufmann, zu dessen aktuellen Programmhighlights New York, der Medoc Rotweinmarathon, New Orleans sowie das Laufcamp in Kenia gehören.

Das gehört (nicht) ins Läufer-gepäck

Egal wohin es geht, packen Sie unbedingt Ihre erprobte Trainingskleidung für alle Temperaturen ein. „Wichtig ist, dass Sie Ihre Laufschuhe, Socken und vielleicht die Laufunterwäsche ins Handgepäck packen oder auf dem Flug anziehen, damit sie nicht mit dem Koffer verloren gehen“, rät Wricke, der derartige Pannen durchaus kennt. „Falls Sie Ihre eigenen Gels oder Nahrungsergänzungsprodukte mitnehmen möchten, beachten Sie vorab die Einfuhrbestimmungen des jeweiligen Landes – jedes hat seine eigenen.“ Einen weiteren guten Tipp hat Wricke aus einer langjährigen Erfahrung für alle Laufreisen-Einsteiger: Nie unmittelbar vor dem Marathon zu viel Shopping oder Sightseeing betreiben, auch wenn das Reiseziel verlockend ist, um (zu) müde Beine zu vermeiden.

Setzen Sie ruhig auf die Erfahrungen anderer

Ines Schmitt, Geschäftsleiterin bei Schulz Sportreisen, kennt die kleinen Fehler, die dem Athleten bei seiner ersten Laufreise passieren können. „Gravierendes geschieht selten, aber Situationen zum Schmunzeln gibt es immer wieder, wie vergessene Laufschuhe oder ein in Jeans absolvierter Marathon“, berichtet Schmitt. „Für die Organisation vor, während und nach der Reise darf der Kunde uns jedoch voll vertrauen. Wir stimmen unsere Gäste durch Vorabinformationen und Reiseunterlagen umfassend auf den jeweiligen Trip ein, geben Mitnahmehinweise und machen deutlich, wie zum Beispiel die Verpflegung während des Marathons gestaltet ist.“ Entscheidend für den Spaß an einer Laufreise ist die richtige Auswahl aus dem großen Angebot, bei der auch die Mitarbeiter von Schulz Sportreisen jedem Läufer gerne mit Rat und Informationen weiterhelfen. „Was zu mir passt, entscheidet die Motivation für eine Laufreise“, betont Schmitt. „Vielen geht es um ein interessantes Rahmenprogramm, das ebenso verlockend für eine Begleitperson ist. Bei anderen ist die Gruppengröße, das Event an sich oder das Know-how des Reiseveranstalters bezogen auf die besuchte Region ausschlaggebend.“ Trotz der vielen unterschiedlichen Erwartungen dominiert ein Wunsch: Reiseläufer möchten die „Fremde“ kennenlernen.

Foto: Christian Laurenz

Das passiert beispielsweise bei der Laufreise rund um die Annapurna in Nepal, bei der in den Lodges Einheimischer genächtigt wird und durch die notwendige Dauer der Reise tiefe und emotional berührende Erfahrungen gesammelt werden, die unvergesslich sind. Ähnlich erfahrungsreich und mit zahlreichen Highlights gespickt ist die Reise zur Chaski-Challenge in den peruanischen Anden. „Je nach gewählter Distanz lässt sich der Anspruch im wahrsten Sinne des Wortes auf die Spitze treiben – das ist die perfekte Reise für Trail-Running-Enthusiasten!“ Bei diesen und allen anderen Trips legt Schulz Sportreisen großen Wert darauf, dass die nicht-laufende Begleitperson genauso Freude an der Reise hat. „Nur selten begrüßen wir ausschließlich läuferische Gäste, darum sind unsere Konzeptionen auf Lauf, Land und Leute ausgerichtet.“ Begeistert sind die Begleitungen meistens von der Stimmung bei den Wettkämpfen, zu denen nach Erfahrung von Ines Schmitt gerade die Laufreisen-Newcomer mit großen Ambitionen anreisen. „Da steht der New York Marathon auf dem Plan und wird durchgezogen“, sagt sie bewundernd. Sie zählt als Höhepunkte im Programm 2019 von Schulz aktiv Reisen die Sonderreise zur Chaski-Challenge in Peru, den Seychellen-Marathon sowie den Médoc-Marathon bei Bordeaux auf.

Ausgefallene Angebote sind keine Seltenheit

Echte Lauf-Leckereien hat Nils Krekenbaum von dem Unternehmen Lauf­reisen.de zur Auswahl. Bestes Beispiel ist die Khardung La Challenge, der höchste Ultra Marathon der Welt. „Er beginnt im Dorf Khardung auf 3.975 Metern Höhe und führt dann in einem stetigen Aufstieg auf den 5.370 Meter hohen Khardung-Pass, der höchstgelegenen Passstraße der Welt“, so der Geschäftsführer. „Die teilnehmenden Läufer erhalten hier einen spektakulären Bergblick auf die Karakorumkette und das Stok-Massiv, vorbei an Bergdörfern und Sommerweideland der Yaks des Nubra-Tals und Nord-Pulu.“ Laufreise-Einsteiger sollten diese Reise jedoch nicht zu ihrem ersten Abenteuer küren. Nicht selten wundern sich Teilnehmer über das Klima vor Ort oder die Beschaffenheit der Laufwege, die sich in der Ferne doch sehr deutlich von zu Hause unterscheiden. „Wir haben für jede Reise eine Packliste und stehen bei wirklich jeder Frage gerne telefonisch mit Rat zur Seite“, sagt Krekenbaum, der seit mittlerweile 22 Jahren Laufreisen organisiert und bis heute davon fasziniert ist, wie sich dadurch auf eine neue Art und Weise fremde Länder, Metropolen und Berge entdecken lassen. Neben den schriftlichen Reiseempfehlungen bietet seine Firma eigene Informationsveranstaltungen, die die Kunden kostenfrei besuchen können. Um das für einige Fernreisen benötigte Visum kümmert sich das Team ebenso. „Das Wichtigste im Gepäck ist wohl eine Reiseapotheke, die passende Kleidung und gut eingelaufene Schuhe“, weiß der Profi. „Vor Ort informieren der sportliche Betreuer und ein Reiseführer über die Besonderheiten des Landes, sodass wir selbst in außergewöhnlichen Zielgebieten wie Nordkorea, Kirgistan oder China respektvoll und nachhaltig die Menschen und das jeweilige Land erleben und genießen können.“ Zur Organisation und Betreuung vor Ort gehört unter anderem, dass die Teilnehmer bis zum Startpunkt der Wettkämpfe begleitet und am Ziel dann auch wieder gebührend empfangen werden. Wer möchte schon in einem fremden Land verloren gehen?

Foto: actreme.com

Per Boot von Lauf-Spot zu Lauf-Spot

Zudem hat das Unternehmen einige Laufkreuzfahrten im Programm. „Wir organisieren diese nach Alaska, in die Karibik und im Mittelmeer, wobei der Sportler sowohl auf der schiffseigenen Laufbahn als auch bei den Landgängen aktiv werden kann“, berichtet Krekenbaum, der mit seinem Team sämtliche Strecken bei den Vorreisen abgelaufen ist und der seine Gäste deshalb an die attraktivsten Punkte der jeweiligen Anlege­stelle führen kann. „Dadurch haben unsere Teilnehmer die Möglichkeit, den Komfort einer Kreuzfahrt mit ihrem Lieblingssport zu verknüpfen.“ Eine Einheit an Deck beschreibt der erfahrene Tour-Guide als spannende Erfahrung für jeden Aktiven, da die Natur beim Blick über das Meer immer wieder Überraschungen bietet. „In Alaska ist beispielsweise die Wahrscheinlichkeit groß, unterwegs einen Orca oder eine Herde anderer Wale zu erleben.“

Training an Deck eines Kreuzfahrtschiffes

Laufen an Bord können Sie übrigens bei zahlreichen Kreuzfahrtschiffen, wie dem Unternehmen Hapag-Lloyd Cruises. „Diese Möglichkeit besteht insbesondere auf unserem Luxusschiff Europa“, verrät eine Sprecherin. „Hier wartet auf Deck neun ein Joggingparcours, dessen Runde 180 Meter beträgt – nach 235 sind Sie einen Marathon gelaufen.“ Auch bei den Schiffen von TUI Cruises finden Läufer beste Voraussetzungen, ihr Training an Bord weiterzuführen. „Auf Deck zwölf von ,Mein Schiff Herz‘ sowie Deck 14 von ,Mein Schiff eins bis sechs‘ steht für alle Lauf- und Walkingbegeisterten ein Joggingbereich zur Verfügung“, erklärt Godja Sönnichsen, Pressesprecherin von TUI Cruises. „Dort können die Gäste von 7:00 bis 9:00 Uhr und von 19:00 bis 21:00 Uhr ihre Runden drehen.“ Auf den neusten Flottenmitgliedern von TUI Cruises der „Mein Schiff 1“ und „Mein Schiff 2“ wurden für alle Läufer sogar zwei Besonderheiten installiert: Die 438 Meter lange Laufstrecke ist mit einem fluoreszierenden blauen Belag ausgestattet und eine Steigung von bis zu 6,7 Prozent macht das Training noch intensiver. Auf den Schiffen von AIDA können Sie ebenso täglich den Lauf-Parcours nutzen und auf einigen Reisen sogar spezielle Workshops belegen. „So erweitern wir unser ohnehin schon umfassendes Sport- und Aktivangebot an Bord“, sagt Spa-Managerin Katrin Hofrichter von AIDA Cruises. „Auf ausgesuchten Routen sind Experten an Bord und stehen den Gästen mit ihrem Fachwissen zur Seite, wie Laufexpertin Ilka Groenewold auf der AIDAbella bei der Reise auf die Lofoten oder Triathlet Joachim Schwarzer auf der AIDAluna bei der Fahrt zum Polarkreis.“ Inter­national bieten natürlich viele weitere Reiseunternehmen Laufkreuzfahrten an, wie „Running Cruise“ nach Hawaii, in die Karibik und nach Alaska. Also dann: Ab in den Urlaub!

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