Schluss mit Solo

Der richtige Laufpartner

Das Schöne am Laufen ist, dass man es überall und zu jederzeit machen kann, ohne dabei auf Sportgeräte oder Mitmenschen angewiesen zu sein. Doch macht diese Tatsache uns Läufer automatisch zu Einzelsportlern?
Fotos & Text: Dr. Carsten Drecoll

Mitnichten. Laufen mit Partner oder in einer Gruppe verleiht unserem Sport nicht nur einen sozialen Charakter, sondern kann die eigene Leistung in vielerlei Hinsicht positiv beeinflussen.

Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, wie Sie am liebsten laufen? Nein? Dann wird es höchste Zeit. Denn hier gibt es viele Möglichkeiten: Alleine, um ungestört zu trainieren, mit Musik in den Ohren, einem treuen Laufpartner an der Seite oder gar mit wechselnden Partnern in einer Gruppe? Für alle Fälle gibt es Argumente, die dafür und dagegen sprechen.

Gerade für diejenigen, die sich zu Beginn schwertun, mit dem Laufen durchzustarten, bietet sich ein Laufpartner an. Ist es draußen kühl und windig, lässt sich das Laufen leicht auf einen anderen Tag verschieben. Nicht jedoch, wenn vor der Tür der Laufpartner steht und für das Training motiviert. Laufen in Gesellschaft bringt außerdem zusätzlichen Spaß. Durch Gespräche wird das langweilige Abspulen der Trainingskilometer zur Nebensache, die gemeinsame Anstrengung erscheint geringer. Ambitionierte Läufer können sich durch die Wahl des richtigen Laufpartners sogar pushen, ein etwas schnellerer Laufpartner erhöht das eigene Tempo.

Wer passt zu mir?

Doch wie findet man DEN passenden Laufpartner? Grundsätzlich ist es sinnvoll, sich bei der Suche nach einem geeigneten Trainingspartner an der eigenen Laufleistung zu orientieren. So ist es wenig überraschend, dass das Lauftempo zumindest grob übereinstimmen sollte. Mit einem deutlich schnelleren Laufpartner ist kein sinnvolles gemeinsames Lauftraining möglich. Gleiches gilt für einen zu langsamen Begleiter: Wer dauerhaft zu langsam unterwegs ist, setzt nach dem Reizschwellenprinzip keinen wirksamen Trainingsreiz und erzielt somit keine Leistungssteigerung.

Vollkommen unkritisch sind unterschiedliche Lauftempi hingegen beim Intervalltraining auf der Bahn. Im Gegenteil: Bei intensiven Intervallen kann der Tempounterschied sogar sinnvoll genutzt werden, indem der langsamere Läufer einen Vorsprung erhält und der Schnellere versucht den Langsameren einzuholen, wogegen sich der Langsamere wiederum wehrt – eine zusätzliche Motivation und eine Methode, um die Grenzen auszutesten.

Abwechslung schaffen

Wer Abwechslung in sein Training bringen will, indem er sich einer Laufgruppe anschließt, sollte sich im Vorfeld über das Leistungsniveau der Gruppe erkundigen. Stimmen Tempo und Distanzen der Laufgruppe mit den eigenen Ambitionen überein, sollte es keine Probleme geben. Innerhalb der Gruppe gibt es in der Regel meist minimale Unterschiede, sodass Sie sich entsprechend einordnen können. Eine ratsame Variante für Laufgruppen ist der Wendepunktlauf. Nach einer definierten Zeit (nicht Strecke!) drehen alle Läufer der Gruppe um und kehren zum Startpunkt zurück. Im Idealfall kommen alle zum gleichen Zeitpunkt wieder an.

Sehr trainingswirksam ist zudem das Bike & Run: Ein Partner läuft, der andere fährt nebenher und alle paar Minuten wird gewechselt. Diese Variante ist vor allem bei Intervallen im Gelände effektiv, und das Mitnehmen von Verpflegung ist problemlos möglich. Für Gruppen ist Bike & Run eine tolle Abwechslung, die Variation des Verhältnisses von Radlern zu Läufern eröffnet viele Möglichkeiten.

 

Redaktion
Dr. Carsten Drecoll
Dr. Carsten Drecoll, langjähriger Redakteur bei Buch- und Zeitschriftenverlagen, ist seit über 15 Jahren beruflich und privat mit dem Laufsport verbunden.
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