Vorsicht vor Viruserkrankungen

Gefahren für Sportler in der Übergangszeit zum Frühling

Bald ist es endlich wieder so weit. Nach langen tristen Winternächten, Training im Schnee oder auf dem Laufband locken die ersten warmen Sonnenstrahlen, um in der freien Natur vermehrt dem Sport zu frönen.
Text: Dr. Ulrich Kau | Fotos: Klemens Wahl

Doch Vorsicht, auch wenn die Grippewellen schon durchs Land gezogen sind, sollte man gerade zu Beginn des Frühjahrs die Gefahr von Viruserkrankungen nicht unterschätzen. So kann es immer noch zeitweise sehr kalt werden und öfters zu Wetterwechseln kommen. Man läuft bei Sonnenschein los, plötzlich verdichtet sich der Himmel und es graupelt, ebenso sind die Temperaturunterschiede nach Sonnenuntergang deutlich größer als beispielsweise im Sommer.

Gerade bei ambitionierten Läufern sind durch das tägliche Training der Körper und das Immunsystem geschwächt. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang das sogenannte Open-Window-Phänomen (hervorgerufene Immunschwächung nach Sport durch Absinken der weißen Blutkörperchen), was gerade bei unzureichender Erholung nach dem Training die Anfälligkeit für Virusinfekte erhöht.

Die Primärprävention

Wie in allen medizinischen Bereichen ist die Primärprävention das Entscheidende, damit der Athlet gesund und leistungsfähig bleibt. Außer den Verhaltensmaßregeln zur richtigen Bekleidung (Zwiebelprinzip etc.) sind die Ernährung und die regenerativen Maßnahmen wichtig. Eine vitaminreiche Kost mit vielen antioxidativen Komponenten (Vitamin C, Vitamin E, Flavonoide, Carotonoide) sollte für jeden Sporttreibenden eine Selbstverständlichkeit sein – egal zu welcher Jahreszeit. Ebenso eine adäquate Erholung, ausreichend Schlaf, eingeschränkter Alkoholkonsum und zeitweise ein Saunagang.

Erfahrungswerte zählen

Groß ist der Markt von Immunstimulanzien in verschiedenster Zusammensetzung gerade bei den oben genannten Antioxidantien. In Kombination mit Hefepräparaten kann auch der Darm, eher noch die Darmflora, dadurch aktiv verbessert werden. Dies ist vorteilhaft, da der Darm einen entscheidenden Faktor im Immunsystem besitzt. Sicherlich zählen bei der Einnahme von Immunstimulanzien individuelle Erfahrungswerte. Eine ausgewogene Ernährung ist stets eine feste Komponente für ein gesundes Immunsystem. Im Hochleistungsbereich bei intensiven Trainingsphasen und zusätzlich Infekte begünstigendem Wetter hat sich die Kombination aus Vitaminen und antioxidativen Produkten mit Hefe als förderlich gezeigt.

Wenn es doch passiert

Hat es den Sportler dann doch erwischt, gibt es wiederum verschiedenste Viren mit unterschiedlichster Wirkung, die Erkrankungen hervorrufen. Die meisten banalen Infekte mit etwas Schnupfen, Husten und leichtem Unwohlsein werden mit einfachen Hausmitteln und frei verkäuflichen Medikamenten behandelt. Hierbei ist zu beachten, dass möglicherweise einige der infrage kommenden Medikamente Substanzen enthalten, die auf der Dopingliste stehen. Im Zweifel konsultieren Sie bitte einen Experten (Apotheker, Mediziner …). Solche Gefahren umgehen Sie bei physikalischen Maßnahmen wie zum Beispiel Inhalieren klassisch über dem Kochtopf mit heißem Wasser, elegant mit einem Inhaliergerät oder Brustwickel mit ätherischen Ölen.

Wichtige Grundregel

Meist besteht zum Beginn der Erkrankung nur leicht erhöhte Temperatur. Dann ist eine Trainingspause notwendig. Mit zunehmender Genesung ist ein Wiedereinstieg zunächst in ein leichtes Training möglich. Bei länger anhaltenden Infekten kommt es zeitweise zur Bakterienbesiedlung und Verschlechterung der Allgemeinsymptomatik. Je nach Indikation ist bei solchen Umständen die Einnahme eines Antibiotikums notwendig. Als Freizeitläufer sollte man auch in dieser Zeit nicht trainieren, im Leistungs- und Hochleistungsbereich wird nach einigen Tagen, je nach körperlicher Verfassung, mit ganz leichtem Ausdauertraining begonnen. Eine ganz wichtige Grundregel lautet, nach Fieber (subfebrile Temperatur ab 37,5 Grad) drei fieberfreie Tage bis zur ersten Trainingseinheit abzuwarten.

Grippeartige Erkrankungen

Viel gefährlicher sind die schweren grippeartigen Viruserkrankungen. Ob die saisonale Grippe, Vogel- oder Schweinegrippe, sie führen in kürzester Zeit zu meist länger anhaltendem hohem Fieber bei bis zu 41 Grad mit fast vollständiger Bettlägerigkeit des Sportlers. Ein prägendes Ereignis für mich als verantwortlichem Arzt war eine unklare Viruserkrankung im Team des Deutschen Ruderverbandes bei sechs Athleten während der Olympischen Spiele in Peking. An einem Tag in der Zeit von 5.30 Uhr bis 10.00 Uhr stellten sich alle sechs Sportler mit den fast gleichen Symptomen (hohes Fieber bis 40,5 Grad und etwas leichter Husten) vor. In solchen Fällen ist absolute Bettruhe und meist der Einsatz von einem Antigrippemittel notwendig. Auch wenn nach mehreren Tagen das Fieber und die massiven Gliederschmerzen vorbei sind, sollte man vor Aufnahme des Trainings einen Arzt konsultieren, um das Herz und die Lunge zu untersuchen und mit einer Blutanalyse die Sportfähigkeit zu attestieren.

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