Training mit und trotz Pollenallergie

Spätestens im Frühling beginnt für viele Pollenallergiker wieder die Leidenszeit. Denn ab April sind Pollen aller Arten unterwegs. Darf ich als Allergiker ohne Einschränkung trainieren oder setze ich meine Gesundheit aufs Spiel?
Text: Susanne Hahn | Fotos: Iloveotto/123RF.COM · Manve/123RF.COM

Wer im September oder Oktober einen Marathon in Angriff nehmen will, braucht sich um den Pollenflug zu dieser Jahreszeit kaum Gedanken zu machen. Die Hauptblütezeit von Sträuchern, Getreide und Gräsern ist vorbei. Doch intensiver Pollenflug besteht nahezu die gesamte Vorbereitungsperiode hindurch.

Allerdings muss hier differenziert werden: Die Pollen, also die männlichen Keimzellen der Blütenpflanzen, werden zu unterschiedlichen Zeiten reif. Läufer sollten deshalb genau wissen, auf welche Arten von Pollen sie allergisch reagieren. Gerade zu der Hauptblütezeit leiden die Betroffenen im Freien, besonders bei sportlicher Betätigung, unter einer verstopften Nase, Niesen, brennenden und juckenden Augen oder einem Juckreiz in Rachen und Mund. Denn das körpereigene Immunsystem stuft die eigentlich harmlosen Pollen als Krankheitserreger ein und versucht, diese zu bekämpfen. Diese Belastung des Organismus ist beim Training zu berücksichtigen. Zum einen sei angeraten, die Intensität herabzusetzen, zum anderen muss mehr Zeit zur Erholung eingerechnet werden, ausreichender Schlaf gilt dann als extrem wichtig.

Um die Intensität des Trainings steuern zu können, ist ein Herzfrequenzmessgerät unverzichtbar. Bei jeder Einheit und zu jeder Jahreszeit sollte der Durchschnittspuls gemessen werden, desto genauer werden die Rückschlüsse. Anhand der gesammelten Werte in der pollenfreien Zeit lässt sich für jede Trainingsform ein Pulsbereich bestimmen, und zwar unabhängig von der Dauer der Einheit. Für die Pollenflugzeit gilt: Der in der pollenfreien Zeit gemessene Puls minus 10 bis 20 Schläge. Das Tempo mag man als langsam empfinden, aber wenn der Puls stimmt, ist die körperliche Beanspruchung die richtige. Optimal für einen Vergleich ist es, definierte Runden immer wieder zu laufen, da so die Profilierung dieselbe ist.

Bei der Streckenführung sollte auf pollenflugarme Gebiete geachtet werden. Wenn im Frühjahr beispielsweise Hasel, Pappel, Weide, Birke und Buche blühen, meidet man am besten Alleen und Wälder mit dem entsprechenden Baumbestand. Im Sommer sind Waldrunden statt Feldwege und Wiesenlandschaften angesagt, wenn die verschiedenen Getreidearten, Gräser und Wiesenkräuter in ihrer Blüte stehen. Läufer mit leichtem Heuschnupfen, die diese Ratschläge beherzigen, können nach ärztlicher Konsultation ihre Probleme meist mit Antihistaminika und Nasensprays in den Griff bekommen. Wichtig ist, den Spray nicht nur im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang zur Trainingseinheit zu benutzen, sondern auch im Alltag. Wenn sportliche Leistung erbracht werden muss, ist der Körper während der gesamten Tageszeit zu entlastet.

Läufer mit starkem Heuschnupfen sei empfohlen, sehr vorsichtig zu trainieren und neben der Intensität die Dauer einzuschränken. Wenn die Nase verstopft ist und durch den offenen Mund geatmet wird, gelangen die Pollen direkt in die Lunge und können die unteren Atemwege schädigen. Beim Auftreten von Atemnot muss das Training abgebrochen werden. Heuschnupfen kann sich zu Asthma entwickeln. Laufen in vernünftigen Maßen führt bei Pollenallergikern nicht automatisch zu Asthma-Symptomen. Es besteht aber die Gefahr der Chronifizierung durch den Sport, da die Schleimhäute stärker abgerieben werden und der Körper mehr beansprucht wird.

Zu der Pollenallergie können sich bestimmte Unverträglichkeiten auf Lebensmittel gesellen. Bei Menschen, die auf Haselpollen allergisch sind, liegt häufig eine Kreuzreaktion mit Äpfeln und Nüssen vor. Diese Lebensmittel sollten in der Pollenflugzeit nicht verzehrt werden, um den Organismus nicht zusätzlich zu belasten. Während der Pollenflugzeit sind zudem histaminreiche Nahrungsmittel, wie eingelegte und lang gereifte Produkte, zu meiden, denn ein hoher Histaminspiegel verstärkt die körperliche Reaktion auf die Pollen. Für Wettkämpfe in der Vorbereitung bieten sich Nachtläufe an, weil zu deren Startzeit die Pollenbelastung in der Luft im Vergleich zu den Tagesstunden gemindert ist. Derartige Rennen lassen sich gut als intensive Einheit nutzen: Alleine würde man um eine solche Uhrzeit kaum motivieren.

Ist die Belastung im Freien gar zu hoch, lässt sich auch mal auf das Laufband im Fitness-Studio ausweichen, oder Sie suchen ein Hallenbad zum Aqua-Jogging auf. Da die Pollen in der Stadt durch die Belastung mit Staub und Kohlenwasserstoffen aggressiv sind, macht für Stadtbewohner eine halbe Stunde Autofahrt aufs Land bereits viel aus. Eine andere Möglichkeit ist, zu der Hauptblütezeit zu verreisen, und zwar in allergenarme Gebiete wie auf Inseln, ans Meer oder ins Gebirge, um dann dort einen intensiven Trainingsblock während des Urlaubs umzusetzen.

Autorin: Susanne Hahn vertrat 2008 und 2012 Deutschland bei den Olympischen Spielen im Marathon, ihre Bestzeit über 42,195 Kilometer liegt bei 2:28:49 Stunden. Vor ihrem Rücktritt vom Leistungssport im Herbst 2014 errang sie bei 58 Deutschen Meisterschaften 33 Einzel- und 20 Mannschafts-Medaillen. Die Deutsche Marathonmeisterin der Jahre 2008 und 2012 ist selber Pollenallergikerin.

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