Der Kampf mit der Natur

Trainingsstressoren im Sommer

Für viele ist der Sommer die schönste Zeit des Jahres. Doch gilt das auch für Läuferinnen und Läufer? Fest steht: Die heiße Jahreszeit hält einige Herausforderungen bereit, die es zu bewältigen gilt.
Text: Dr. Carsten Drecoll | Fotos: Antonio Guillem/123RF.com

Steigen die Temperaturen über 30 Grad, fangen die meisten von Ihnen wahrscheinlich schon ohne irgendeine Form der Bewegung an zu schwitzen. Bereits leichte Tätigkeiten werden als anstrengend empfunden, wir fühlen uns abgeschlagen. Und dafür gibt es einen Grund: Auf Wärme reagiert das Zentrale Nervensystem mit einer Weitstellung der Gefäße – das ist gut für die Organversorgung, da der Blutdruck bei größerem Gefäßdurchmesser sinkt. Besonders bei Menschen, die ohnehin einen niedrigen Blutdruck haben, entsteht ein allgemeines Schwächegefühl. Dem entgegen wirken können Sie am besten, indem Sie Ihren Kreislauf durch Training pushen.

Die Sache mit den Hormonen und dem Ozon

Ändert sich das Klima abrupt, gerät der Körper besonders stark aus der Balance. Geben Sie Ihrem Körper daher die nötige Zeit, um sich an die veränderten Licht-, Temperatur- und Feuchtigkeitsveränderungen zu gewöhnen. Eine große Rolle hierbei spielen das „Schlafhormon“ Melatonin sowie das „Aktiv-Hormon“ Serotonin. Beide Botenstoffe können und müssen unter Lichteinfluss ineinander umgewandelt werden, um das Hormongleichgewicht neu zu justieren.

Nicht zu unterschätzen sind die erhöhten Ozonwerte im Sommer. Hier ist die Devise ganz klar: Vermeiden Sie an sehr heißen Tagen Anstrengungen im Freien. Besonders in Bodennähe kann die Ozonsynthese bedingt durch Verkehrs- und Industrie-Emissionen zur Gefahr werden. Bemerkbar macht sich das auf Haut und Schleimhäuten, die empfindlich reagieren, ebenso wie die Atemwege. Hustenreiz und Einschränkungen der Lungenfunktion wirken sich auf die körperliche Leistungsfähigkeit aus. Da die Energie zur Ozonbildung von Sonnenstrahlen und -wärme geliefert wird, sind die Ozonwerte zwischen 13 und 19 Uhr am höchsten. Früh morgens oder spät abends zu laufen, ist dann am gesündesten.

Pflanzliche und tierische Übeltäter

Doch die Natur kann mehr: Sie konfrontiert uns mit Flugobjekten pflanzlicher und tierischer Art. Denjenigen, die unter Heuschnupfen leiden, empfiehlt sich ein Besuch beim Allergologen. Eine Hypo-Sensibilisierung oder anti-allergische Medikamente können das Laufen im Freien angenehmer gestalten, ebenso wie das Tragen von Sonnenbrille und Kopfbedeckung. Nutzen Sie außerdem Portale zur Pollenflugvorhersage und suchen Sie Nadel- statt Laubwälder oder Wiesenregionen auf – diese sind in der Regel pollenärmer.

Durch den Schweiß und die erhöhte Körpertemperatur sind Läufer außerdem bevorzugtes Zielobjekt von Kleintieren aus dem Reich der Insekten und Spinnen. Meist sind Stiche einfach nur nervig und unangenehm, für Allergiker hingegen sind sie eine tödliche Bedrohung. Ein Notfallset sollte daher stetiger Begleiter von allergischen Läufern sein. Um Schwellungen oder Entzündungen bei Bienen- oder Wespenstichen zu vermeiden, empfiehlt es sich eine aufgeschnittene Zwiebel auf die entsprechende Körperstelle zu legen.

Zecken-Check

Nicht zu vergessen und vor allem nicht zu unterschätzen sind Zecken. Sie tummeln sich vor allem im hohen Gras oder auf dem Waldboden und bohren sich unbemerkt in die Haut. Als Überträger von Borreliose oder Meningoenzephalitis können sie bei Nichtentfernung gefährlich werden. Daher: Nach dem Laufen den Körper kurz checken und wenn nötig zur Zeckenzange greifen.

Redaktion
Dr. Carsten Drecoll
Dr. Carsten Drecoll, langjähriger Redakteur bei Buch- und Zeitschriftenverlagen, ist seit über 15 Jahren mit der RUNNING und mit dem Laufsport verbunden. Die Natur genießen, Städte erkunden und die unglaublichsten Geschichten entdecken – das ist Laufen.
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