Zeckenschutzimpfung und Erste Hilfe für Läufer

Reisemedizin für sportliche Aktive

Nicht nur für exotische Reiseziele gilt es, einige Grundregeln für die Gesundheit zu beachten. Auch wer in Deutschland, etwa in den Alpen oder im Schwarzwald Urlaub macht, sollte eine kleine Reiseapotheke parat haben und Vorsichtsmaßnahmen treffen.
Text: Gabriele Hellwig | Fotos: Unsplash/Milan Degraeve

Auch bei einem Urlaub im eigenen Land benötigt der Reisende – und sportlich Aktive – eine kleine Reiseapotheke. So sollte er zum Beispiel die Zeckengefahr nicht unterschätzen. Bei Ausflügen in die Berge gilt: Auf starke Sonneneinstrahlung, plötzliche Wetteränderungen und die eigene Leistungsfähigkeit achten. Sportliche Spitzenleistungen im Tal garantieren keine schnelle Akklimatisation an die Höhe. Auch an der See erfordert das Reizklima eine Anpassung. Für Läufer mit Allergien empfiehlt sich eine besonders genaue Routenplanung. Sie sehen: Auch zu Hause gibt es einiges zu beachten.

Zeckenschutzimpfung? Schutz vor FSME!

Natürlich wollen wir Ihnen die Freude am Laufen nicht vermiesen. Aber da sich vor allem im Süden Deutschlands, in Österreich und in der Schweiz viele Zecken tummeln, gilt hier ganz besonders: Vorbeugen ist besser als heilen. Denn durch einen Zeckenbiss können gefährliche Krankheiten übertragen werden. Gefürchtet wird vor allem die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Sie ist deswegen so gefährlich, weil es zu bleibenden Schäden kommen kann. Denn das FSME-Virus greift das zentrale Nervensystem des Menschen an, verursacht eine sogenannte Hirnhautentzündung (Meningitis) oder sogar eine gefährliche Gehirnentzündung. Das kann zu Lähmungen, im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen.

Rechtzeitig impfen

Die FSME kann nicht behandelt werden. Ein Schutz ist nur durch eine Impfung möglich. Daher empfiehlt Prof. Dr. Thomas Küpper von der Deutschen Fachgesellschaft für Reisemedizin in Düsseldorf: „Alle Menschen, die in einem Risikogebiet wohnen oder Urlaub machen und sich viel in der Natur aufhalten, sollten sich impfen lassen. Das gilt für Erwachsene sogar noch viel stärker als für Kinder. Denn bei Erwachsenen verläuft die Krankheit oft weitaus schlimmer.“ Insgesamt sind drei Impfungen notwendig. „Einen guten Schutz hat man erst nach der zweiten Impfung“, betont Sport- und Reisemediziner Küpper. Konkret bedeutet das: Zwischen der ersten und zweiten Impfung müssen vier Wochen liegen. Ein Jahr später muss die Impfung noch einmal aufgefrischt werden. Dann hält der Schutz für die nächsten fünf Jahre an.

Borreliose

Trotz FSME-Impfung sind in Zecken-Risikogebieten einige Schutzmaßnahmen empfehlenswert – schon deswegen, weil Zecken auch andere Krankheiten übertragen, vor denen man sich nicht mit einer Impfung schützen kann. An erster Stelle steht die Borreliose, auch Lyme-Borreliose oder Lyme-Krankheit genannt. Die Borreliose-Bakterien können sowohl die Haut als auch das Nervensystem, die Gelenke und das Herz angreifen. „Grippale“ Symptome, Hautrötungen und Schmerzen sind typisch. Zum Glück verläuft die Erkrankung nicht so schlimm wie FSME, außerdem kann Borreliose mit Antibiotika behandelt werden. Dennoch ist es zweifellos immer besser vorzubeugen. Bewährt hat sich helle Kleidung, denn darauf kann man Zecken besser erkennen, wenn sie herumkrabbeln und eine freie Hautstelle suchen. Wer durch den Wald läuft, sollte lange Sporthosen tragen. Man kann die Haut mit einem speziellen Mücken-Abwehrmittel, das auch gegen Zecken hilft, einreiben.

Zecken richtig und sicher entfernen

Nach einem Lauf empfiehlt es sich immer, die Haut auf eventuelle Zecken absuchen. Hat sich eine Zecke festgesaugt, sollte sie sofort entfernt werden. Prof. Küpper: „Bitte die Zecke nicht mit dem Daumen quetschen und ziehen. Damit drückt man im schlimmsten Fall noch mehr Erreger in die Haut.“ Besser ist es, die Zecke mit einer Zeckenzange oder Zeckenkarte zu entfernen: Die Zange oder Karte so dicht wie möglich auf der Haut unter den Körper der Zecke schieben. Anschließend vorsichtig hebeln, bis die Zecke sich löst. Hat man weder Karte noch Zange, kann man einen dünnen Faden in eine Schlaufe legen, diese direkt auf der Haut um die Zecke platzieren und dann die Zecke durch Ziehen an den Fadenenden abheben. Treten nach einem Zeckenbiss Rötungen, Schwellungen, Muskelschmerzen oder Fieber auf, sollte man sicherheitshalber einen Arzt aufsuchen.

RUNNING-Experte Prof. Schöffl
Foto: privat

Interview mit RUNNING-Experten Prof. Dr. Volker Schöffl

Prof. Dr. Volker Schöffl ist für den Deutschen Alpen Verein in München aktiv und leitender Arzt des Zentrums für Interdisziplinäre Sportmedizin am Klinikum Bamberg.

WETTERUMSCHWÜNGE IN DEN BERGEN KÖNNEN GEFÄHRLICH WERDEN

HELLWIG/RUNNING: Herr Professor Schöffl, Sie behandeln viele Menschen, die in den Bergen unterwegs sind. Was sind ihre häufigsten Verletzungen?

PROF. SCHÖFFL: Sturz-Traumata. Man fällt hin, bleibt irgendwo hängen und verletzt sich dabei die Hände und das Gesicht. Viele knicken auch mit dem Fuß um. Das Problem ist dann, dass man natürlich schlecht weiterlaufen kann. Noch dazu gibt es Funklöcher in den Bergen. •

RUNNING: Was macht man in solchem Fall?

PROF. SCHÖFFL: Am besten plant man von vornherein keine zu lange Strecke ein. Denn viele Verletzungen entstehen aufgrund einer Überlastung. Man wird müde und passt nicht mehr so gut auf, wo man hintritt. Außerdem sollte man nicht allein unterwegs sein – jedenfalls nicht auf längeren Touren. So kann der andere im Notfall Hilfe holen.

RUNNING: Wie kann man sich am besten auf Läufe in den Bergen vorbereiten?

PROF. SCHÖFFL: Auf jeden Fall die Strecke genau planen. Dazu gehört auch, sich die Wetterprognose im Detail vorher anzuschauen – wie ein Pilot vor dem Start. Gerade in den Bergen gibt es plötzliche Wetterumschwünge. Diese können gefährlich werden. Erst scheint die Sonne, dann ist es plötzlich kühl und auf einmal kommt vielleicht sogar ein Gewitter auf. Das kann im schlimmsten Fall lebensbedrohlich werden. Stellen Sie sich vor, Sie sind umgeknickt, liegen da und es fängt an zu regnen. Sie kühlen völlig aus.

RUNNING: Oh Gott!

PROF. SCHÖFFL: Ja, genau. Daher ist auch eine dem Wetter – und den Prognosen – angepasste Kleidung wichtig. Ist Regen vorhergesagt, braucht man zum Beispiel nicht nur eine Regenjacke, sondern auch einen Pullover, um nicht auszukühlen.

Die Berge nicht unterschätzen

Je höher Sie hinaufwollen, desto achtsamer sollten Sie mit Ihrem Körper umgehen. Prof. Küpper: „Mit jedem Höhenmeter wird auch die Luft dünner und das Laufen wird anstrengender.“ Er empfiehlt daher Läufern, die es nicht gewöhnt sind, in den Bergen zu laufen, sich anfangs nicht zu viel zuzumuten. Es ist besser, eine kürzere Strecke und mehrere Pausen einzuplanen. Außerdem sollte man anfangs nicht auf Zeit laufen, sondern
immer auf den eigenen Körper hören: Wie geht es mir gerade? Kann ich weiter gut atmen? Tun irgendwelche Muskeln weh? „Nicht vergessen werden darf außerdem der Weg hinunter“, erinnert Prof. Küpper. „Er ist durch die Brems-Stoß-Belastung sehr anstrengend für den Körper – und wird von manchem Sportler oftmals nicht ausreichend bedacht.“

Empfehlung

Erste Hilfe Set: Das sollten Läufer mitnehmen

• Wundpflaster (verschiedene Größen oder zuschneidbar) • Desinfektionsmittel • Schnellverband • Schere • Elastische Binde • Tape, um Verbände zu befestigen • Pinzette, um Splitter zu entfernen • Mullbinden • Kompressen • Klammerpflaster • Blasenpflaster • Dreiecktuch (zur Stabilisierung von Gelenken oder zum Schienen) • Zeckenzange • Schmerzmittel (kein Aspirin!) • Rettungsdecke
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Sonnenschutz

Auch Sonnenschutz und Sonnenbrille gewinnen bei zunehmender Höhe an Bedeutung – und zwar unabhängig davon, ob gerade die Sonne scheint, wenn Sie mit dem Lauf starten. Denn im Gebirge gibt es mitunter plötzliche Wetteränderungen. Prof. Küpper: „Pro 1.000 Meter Höhe gibt es 15 Prozent mehr Strahlung. Ich empfehle daher für Laufsport in den Bergen sicherheitshalber eine Sonnenschutzcreme mit mindestens Lichtschutzfaktor 30, bei empfindlicher oder sehr heller Haut noch höher.“ Die Sonnenbrille sollte Gläser der Kategorie drei haben, die für starken Sonnenschein geeignet sind

Das Umknicktrauma

Ganz wichtig für Touren im Gelände – unabhängig, ob man im Tal oder auf dem Berg läuft: gutes Schuhwerk mit genügend Halt für den Fuß und sicheren Grip. Denn nicht selten knickt der Aktive im unwegsamen Gelände um. „Die Bänderverletzung des Sprunggelenks, verursacht durchs Umknicken, ist bei Bergläufen die häufigste Verletzung überhaupt“, sagt Prof. Küpper. Mitunter sei ein Tape eine gute Maßnahme zur Ersten Hilfe. Allerdings sollte ein Arzt oder Physiotherapeut vorher zeigen, wie man das Tape korrekt platziert. Neben Umknicktraumen kommt es bei Outdoor-Aktivitäten durch Stolpern und leichtere Stürze mitunter zu Schürfwunden und Prellungen. Ein kleines Erste-Hilfe-Set gehört daher immer in den Rucksack. Ebenso ist warme Kleidung, Regenjacke und bei längeren Touren eine Rettungsdecke im Rucksack mitzuführen.

Tetanusschutz auffrischen

Besonders bei Schürfwunden und anderen offenen Wunden, in die Dreck gelangen kann, ist es wichtig, dass die Tetanus-Impfung (Wundstarrkrampf) aktuell ist. Daher empfiehlt sich rechtzeitig vor der Abreise ein Blick ins Impfbuch. Sind alle Impfungen noch aktuell oder sollten einige entsprechend der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission aufgefrischt werden? Am besten bitten Sie den Arzt, wenn Sie ohnehin mal in der Praxis sind (z.B. für die FSME-Impfung), das gesamte Impfbuch durchzuschauen und den generellen Impfstatus zu überprüfen. Für uns Ausdauersportler gehört der Tetanusschutz zu den wichtigsten Vorsichtsmaßnahmen.

Umgang mit Allergien

Wer unter einer Allergie leidet, wird in den Bergen weniger Probleme haben. Denn nirgendwo sonst ist die Luft so rein. Ab einer Höhe von 1.000 Metern werden bereits die Hausstaubmilben und die Pollen weniger, und ab etwa 1.600 Metern gibt es dann gar keine Milben mehr. Ein starker Vorteil für alle Allergiker und Asthmatiker. Darüber hinaus hat man sich gerade im Alpenraum in den letzten Jahren verstärkt auf die Bedürfnisse von Allergikern eingestellt. In vielen hochalpinen Regionen finden sich spezielle Allergiker-Hotels. Der Wetterdienst informiert stets auch über die aktuelle Pollenflugbelastung. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Allergiker ihre Lauftouren besonders gut planen.

Notfallpackung für Allergiker

Schwere Allergiker sollten unterwegs immer ein Notfallset mit einem Antihistaminikum, einem Kortisonpräparat und im Falle schwerer Allergien, insbesondere auf Biene oder Wespe, einem Adrenalin-Autoinjektor dabei haben. Achten Sie darauf, wenn Ihnen der Arzt die Mittel verschreibt, dass das Antihistaminikum und das Kortison als flüssige Präparate zur Verfügung stehen. Diese eignen sich besser als Tabletten und können ohne zusätzliche Flüssigkeit eingenommen werden. Das ist deswegen wichtig, weil im Ernstfall nach einer allergischen Reaktion oft Mund- und Rachenschleimhäute angeschwollen sind und man mitunter nicht mehr schlucken kann.

Running Experte

Prof. Dr. Thomas Küpper

Prof. Dr. Thomas Küpper ist am Universitätsklinikum der RWTH Aachen am Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin tätig. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Beanspruchungen und Belastungen im Rettungsdienst, speziell der alpinen Luftrettung, Sportmedizin, Reisemedizin und Medizin für internationale Arbeitseinsätze. Für den Aachen Dental and Medical Expeditions e.V. ist er als wissenschaftlicher Koordinator tätig. In der Deutschen Fachgesellschaft für Reisemedizin ist er einer der Vizepräsidenten.

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