Pro und Kontra: Laufen in der Nacht

Die Meinung aus der Running-Redaktion

Ist es empfehlenswert, nachts zu laufen? Wenn das Tagewerk gemacht ist und keine Termine mehr anstehen? Dazu gehen die Meinungen auseinander, so auch in unserer Redaktion.
Text: Tabitha Bühne, Dr. Carsten Drecoll | Fotos: Alex Hese

In der Nacht läuft es sich ruhiger, einsamer: Die Wege sind leer, nach Sonnenuntergang wird alles Gewohnte zu etwas ganz Neuem. Jeder Schritt will geplant sein, Geräusche werden stärker wahrgenommen. Der Nachtlauf ist aber nicht für jeden etwas. RUNNING-Redakteure Tabitha Bühne und Dr. Carsten Drecoll sind geteilter Meinung.

Tabitha Bühne ist ein großer Fan des Laufs im Dunkeln.
Foto: Alex Hese

Laufen in der Nacht: Pro

Wer noch nie durch die Nacht gelaufen ist, hat etwas ganz Wunderbares verpasst. Denn wenn die Sonne untergeht, verändert sich so vieles: Jeder noch so bekannte Weg wirkt neu und unbekannt. Der so vertraute Wald klingt anders. Es ist abenteuerlich. Es wird still – innen und außen. Dunkelheit und Schweigen sind eine kreativitätsfördernde Gemeinschaft. Da kommt man auf ganz neue Ideen und Gedanken. Nichts lenkt ab. Und wenn dann noch der Mond hell und klar am Himmel steht, ist es perfekt. Ich weiß, dass viele Menschen nachts Angst haben, sich nicht sicher fühlen. Aber ich empfinde es als totale Bereicherung, dann zu laufen, wenn alles schläft. Ich kann dann abschalten, auftanken und zur Ruhe kommen. Ehrlich gesagt, gehört ein Nachtlauf auch zu meinen schönsten Wettkampf-Erlebnissen. Ich werde diese Erfahrung nie vergessen. Sie hat mich stärker gemacht und achtsamer. Die Nacht verschluckt uns nicht, sie lässt uns höchstens mal stolpern und innehalten. Und das tut in einer so chaotischen, lauten, reizüberfluteten Zeit echt gut.

Laufen in der Nacht: Kontra

Aus der Not heraus, wenn es terminbedingt gar nicht anders ging, bin auch ich schon mal nachts gelaufen. Doch generell ist die Dunkelheit für mich kein ideales Ambiente für den Laufsport – im Gegensatz zu einem nächtlichen Spaziergang. Selbst wenn man Schuh- und Kopfleuchten zur Hand hat, mit denen uns die Sportartikel-Industrie nach Kräften versorgt, bleibt das Sturz- und Verletzungsrisiko erhöht. Außerdem gehört es zu meinen wesentlichen Motiven, überhaupt zu laufen, dass ich meinen Schreibtisch mal verlassen und mich dem Tageslicht aussetzen kann. Da teile ich mir meinen Zeitplan lieber so ein, dass ich im Hellen laufe und bei Dämmerung noch eine Stunde am PC habe. Auch meinem Biorhythmus widerstrebt die nächtliche Lauferei. Abends ist Entspannung und Geselligkeit angesagt, für die Aktivität ist ja bereits der ganze Tag da. Und das Thema Leistung gehört schon gar nicht in die Nacht – seine Omnipräsenz ist ja ein Grund für unsere dauernervöse Gesellschaft. Runterkommen und gut durchschlafen zahlt sich am nächsten Tag viel mehr aus.

Dr. Carsten Drecoll läuft nur in Notfällen nachts.
Foto: Alex Hese
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