Läuferknie: So behandeln Sie die Knieschmerzen beim Laufen

Ursachen und Behandlung für Knieschmerz beim Laufen

Pochende, brennende oder stechende Schmerzen – Knieschmerzen können in vielen Varianten auftreten. Oft tut es nur beim Laufen weh, manchmal auch in Ruheposition. Für das "Läuferknie" gibt es viele verschiedene Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.
Text: Gabriele Hellwig | Fotos: GettyImages/pixelfit/Graphic_BKK1979

Knieschmerzen zählen zu den häufigsten Beschwerden von Laufsportlern. Das liegt daran, dass das Kniegelenk bei jedem Schritt starken Belastungen ausgesetzt ist: Je schneller wir laufen und je stärker wir auftreten, desto mehr wird das Knie beansprucht. Das Kniegelenk ist nicht nur das am meisten beanspruchte, sondern auch das größte Gelenk des menschlichen Körpers. Es verbindet Oberschenkel- und Schienbeinknochen und wird aus drei Knochen gebildet, dem Oberschenkelknochen, dem Schienbein und der Kniescheibe. Die Kniescheibe befindet sich im Gleitlager an der Vorderseite des Oberschenkelknochens. Die gelenkbildenden Knochen sind mit einer Knorpelschicht überzogen, sodass bei Bewegungen möglichst wenig Reibung zwischen den Gelenkpartnern entsteht.

Das Knie: Schwachpunkte bei Sportlern

Wichtiger Bestandteil des menschlichen Kniegelenks sind auch die zwei Menisken – der Innen- und der Außenmeniskus. Die halbmondförmigen Knorpel dienen als Stoßdämpfer und Druckverteiler und passen die unterschiedlichen Strukturen des Ober- und Unterschenkels aneinander an. Für die Stabilität des Knies sorgen unter anderem die Seiten- und Kreuzbänder, die den Oberschenkelknochen und das Schienbein miteinander verbinden. Dr. Johannes Holz, Sportmediziner und Orthopäde im OrthoCentrum in Hamburg: „Die Ursachen für Knieschmerzen sind vielfältig. Sehr häufig werden bei Laufsportlern Knorpel und Bänder in Mitleidenschaft gezogen, aber auch Sehnen, Muskeln sowie Schleimbeutel können betroffen sein.“

Knorpel und Knieathrose bei Läufern

Als Arthrose bezeichnet man die Abnutzung eines Gelenks, das heißt den Gelenkverschleiß. Probleme verursacht der Knorpel, der bei einer Arthrose immer weniger wird. Zum Schluss reiben die Knochen direkt aufeinander. Dr. Holz: „Ursache ist bei Laufsportlern meistens eine übermäßige Belastung über einen langen Zeitraum. Auch Sportverletzungen nach unbehandelten Knorpel- und Meniskusläsionen können eine Arthrose auslösen.“ Symptome sind Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Schwellungen. Die Probleme mit den Knien treten vor allem dann auf, wenn man sich in Bewegung setzen will (Anlaufschmerz). Physiotherapie, Belastungsreduktion und Schmerzmittel sind meistens die ersten Behandlungsoptionen. Auch Spritzen ins Gelenk mit Hyaluronsäure, einem Baustein des Knorpels, können helfen. Es besteht auch die Möglichkeit, Knorpelzellen wieder aufzubauen. Extra-Tipp: Oft lohnt es sich auch, den Laufstil im Rahmen einer videogestützten Laufbandanalyse zu überprüfen und gegebenenfalls zu optimieren.

„Bei flächenhaftem Knorpelverschleiß kann eine Korrektur der Beinachse (Umstellungsosteotomie) den geschädigten Knieanteil entlasten und so die Lauffähigkeit wiederherstellen.“

– Dr. Johannes Holz, Sportmediziner und Orthopäde im OrthoCentrum in Hamburg

Läuferknie: Bänder und Sehnen

Beim Läuferknie (Iliotibialband-Syndrom/Tractussyndrom) ist die Sehnenplatte an der Außenseite des Kniegelenks überlastet. Dr. Holz: „Aufgrund der Überlastung kommt es zu einer Reizung des Tractus iliotibialis, eines Faszienstreifens. Die Schmerzen treten vor allem deswegen auf, weil der Tractus an der Gelenksvorwölbung des Oberschenkels reibt, wie ein Seil an einer Felsenkante.“ Das Symptom ist ein stechender Schmerz an der Außenseite des Kniegelenks. Anfangs tritt er nur beim Laufen auf, später aber auch beim Treppensteigen oder sogar während des Gehens. Zur Behandlung ist zunächst eine Laufpause einzulegen und ein ausgiebiges Stretching durchführen. „Nach zwei bis drei Wochen verschwinden die Schmerzen in der Regel von selbst“, sagt Dr. Holz. Vorübergehend können entzündungshemmende Schmerzmittel sinnvoll sein. Eine Eigenbluttherapie (ACP-Therapie) kann ebenfalls helfen.

Ursache in der Patellasehne

Beim Patellaspitzensyndrom („Jumper’s Knee“) werden Schmerzen im vorderen Knie oft von der Kniescheibensehne verursacht, auch Patellasehne genannt. Die Patellasehne verbindet über die Kniescheibe den großen Oberschenkelmuskel mit dem Schienbein. Sie überträgt die Muskelkraft vom Ober- auf den Unterschenkel. Dr. Holz: „Ist die Sehne dauerhaft überlastet, kommt es zu einer Reizung und schließlich kleinsten Einrissen in der Sehne. Die Sehne fasert auf, degeneriert immer mehr, und kann sogar einreißen.“ Die Schmerzen machen sich besonders am Sehnenansatz an der Kniescheibenspitze bemerkbar – daher wird die Erkrankung Patellaspitzensyndrom genannt. Weil Überlastung die Hauptursache ist, empfiehlt sich zur Behandlung eine mindestens 50-prozentige Reduktion der Trainingsintensität oder eine Sportpause. Ebenfalls empfehlenswert: Exzentrisches Training. Bewährt haben sich auch die Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) sowie die Eigenbluttherapie (ACP-Therapie).

"Ist die Sehne chronisch strukturell geschädigt und weist Einrisse auf, wird das erkrankte Gewebe operativ entfernt und durch die Coblationstherapie (Gewebsbehandlung mit Radiofrequenzenergie und einer Kochsalzlösung A.d.Red.) mittels einer Mikrosonde revitalisiert.“

– Dr. Johannes Holz, Sportmediziner und Orthopäde im OrthoCentrum in Hamburg

Menisken

Zu einem akuten Meniskusriss kommt es beim Laufsport eher selten. Jedoch können die Menisken mit dem Alter degenerieren. Mitunter führen dann banale Anlässe wie ein Sprung über einige Äste oder das harmlose Aufstehen aus der tiefen Hocke zum Meniskusriss, weil der „abgewetzte“ Meniskus nur noch schwachen Kräften standhält. Je nachdem, ob der Innen- oder Außenmeniskus betroffen ist, sind die Symptome unterschiedlich. Am häufigsten ist der Innenmeniskus betroffen. Der Patient hat Schmerzen bei der Drehung des Knies nach außen, Schmerzen beim Aufrichten aus der Hockstellung sowie Schmerzen bei der Kniebeugung. Bei stabilen Risstypen kann versucht werden, zunächst mit Physiotherapie eine Besserung zu erzielen. „Bei instabilen Rissen mit potenzieller Knorpelschädigung muss operiert werden. Ziel ist, den gerissenen Meniskus wieder zusammenzunähen oder so viel zu erhalten wie möglich“, sagt Dr. Holz.

Schleimbeutel und Gelenkhaut

Am Knie gibt es mehrere Schleimbeutel, die sich durch Fehl- oder Überlastung entzünden können. Es entsteht eine Schleimbeutelentzündung (Bursitis). Ein Schleimbeutel dient als Polster, das das Gelenk bei Bewegung schützt. Dies zeigt sich an einer Schwellung dieses Bereichs. Typisch sind auch Druckschmerzen und gelegentlich Schmerzen bei Bewegungen. Im Normalfall heilt eine Schleimbeutelentzündung innerhalb weniger Wochen von selbst aus. Bis dahin helfen kühlende Salben oder Gels sowie entzündungshemmende Schmerzmittel. Dr. Holz: „Ist die Entzündung abgeklungen, der Schleimbeutel aber trotzdem noch vorhanden, kann die angesammelte Flüssigkeit mittels einer Punktion entfernt werden und Cortison gespritzt werden.“ Selten ist eine operative Entfernung des gesamten Schleimbeutels erforderlich.

Bakerzyste

Manchmal bildet sich im Kniegelenk aufgrund von Reizzuständen vermehrt Gelenkflüssigkeit. Es entsteht eine Zyste. Bakerzyste nennt man diese Flüssigkeitsansammlung. Dr. Holz: „Diese Gelenkflüssigkeit muss irgendwo entweichen. Die einzige Möglichkeit am Kniegelenk ist ein dünner Verbindungsgang, der zur Kniekehle führt. Dort fließt die Flüssigkeit entlang und sammelt sich in der Kniekehle. Das schwache Bindegewebe dort beult immer weiter aus.“ Es entstehen Schwellungen in der Kniekehle. Die Flüssigkeitsansammlung kann heftige Wadenschmerzen verursachen. Nur mit Mühe kann das Bein gebeugt und gestreckt werden. Zur Behandlung kann der Arzt die Gelenkflüssigkeit absaugen. „Außerdem muss geschaut werden, welche Reizzustände diesen Zustand verursacht haben. Möglich sind Knorpel- und Meniskusschädigungen oder auch Entzündungsprozesse im Kniegelenk. Hier muss neben rheumatoiden Erkrankungen auch an unspezifische, arthrophobe Keime, wie Borrelien, Yersinien oder Chlamydien gedacht werden. Gleichzeitig muss diese Grunderkrankung behandelt werden“, erläutert Dr. Holz.

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