Extreme Extremitäten

Richtige Fußpflege

Wenngleich viele Menschen im Alltag unter Bewegungsmangel leiden, sind unsere Füße dennoch tagtäglich einer starken Belastung ausgesetzt. Wer sich zum Ausgleich mittels Laufen fit hält, sollte ihnen daher besondere Beachtung schenken.
Text: Sonja Streit | Fotos: Mick Kenyon/Montane Spine Race; Walter Hofmann

Ob Blasen, ausgetrocknete Haut oder eingewachsene Nägel – entwickeln die Füße Probleme, wird die sportliche Betätigung zur Qual. Schuld sind mitunter falsches Schuhwerk, suboptimale Pflege oder schlicht ungeeignete Socken, wie der Wiener Dermatologe Dr. Kaan Harmankaya zu berichten weiß: „Um die Füße vor Verletzungen und Problemen zu schützen, sollte man geeignete Laufschuhe tragen, die zu Träger und Laufstil passen. Des Weiteren sind Sportsocken empfehlenswert, um Druckstellen und die Entstehung von Blasen zu vermeiden.“

Den Stich mit der Nadel vermeiden

Hat man sich erst einmal eine Blase „erlaufen“, wird es schmerzhaft und unangenehm. Im ersten Impuls greifen viele vermutlich zu einer Nadel, um sie damit aufzustechen. Dr. Harmankaya empfiehlt jedoch im Falle einer Blasenbildung, das Blasendach möglichst zu erhalten: „Die Haut, die darunter liegt, ist extrem empfindlich und sollte nach Möglichkeit geschützt werden. Lässt es sich nicht vermeiden, die Blase zu öffnen, muss dies steril erfolgen. Danach ist die betroffene Stelle gut abzudecken, um Blutungen und Infektionen zu vermeiden.“ Andernfalls riskiere man chronische Wunden.

Problemzone Fußnägel

Nachdem Zehennägel dazu neigen, auf zu enges Schuhwerk oder falschen Nagelschnitt zu reagieren, ist diesbezüglich Vorsicht geboten. Laut Harmankaya kommt es durch das Laufen zu einem chronischen „Trauma“, da die Füße sich vor und zurück bewegen und die Zehennägel somit ständigen Stößen ausgesetzt sind. „Durch das Anstoßen an den vorderen Schuhbereich wird Druck auf die Nagelmatrix ausgeübt, was zu Verformungen und Verfärbungen der Nägel führen kann. Oftmals wird dieses Phänomen als Nagelpilz fehlinterpretiert. Im Zweifelsfall hilft die Konsultation eines professionellen Fußpflegers oder Arztes.“

Besonders schwierig wird es dann, wenn ein Zehennagel ins Nagelbett einwächst. Das erschwert nicht nur den Laufsport an sich, sondern macht den Alltag mitunter unerträglich

Ist ein Nagel eingewachsen, kann man zunächst versuchen, das konservativ in den Griff zu bekommen. Beispielsweise mithilfe einer Nagelspange, die über Wochen dabei hilft, den Nagel aufzubiegen. Diese Prozedur verlangt nach einer längeren Sportpause.

– Dr. Shirin Milani-Helletzgruber, Fachärztin für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie

Kleiner Eingriff, große Wirkung

Bleiben konservative Maßnahmen, wie die erwähnte Spange, Fußbäder, Heilsalben, Tapes oder Pflaster, wirkungslos, muss das Problem chirurgisch gelöst werden. Shirin Milani-Helletzgruber erläutert: „Es handelt sich bei dieser Operation um einen relativ kleinen Eingriff mit großer Wirkung.“ Ihr Kollege Dr. Veith Moser führt diesen regelmäßig im gemeinsam geführten Wiener Moser Milani Medical Spa durch. „Dazu bedarf es einer lokalen Betäubung, damit der Patient während des Eingriffs keine Schmerzen hat. Im Anschluss entferne ich keilförmig einen Teil des Nagels sowie des Nagelbettes und schneide dabei bis auf den Knochen herunter. Nicht selten leiden die Patienten unter Entzündungen, die komplett ausgeräumt werden müssen.“

Shirin Milani-Helletzgruber bewertet den Eingriff als äußerst effektiv: „Die Abheilung dauert maximal zwei Wochen, und die Patienten sind bereits nach dem Eingriff von den stechenden Schmerzen, die der eingewachsene Nageldorn verursacht, befreit.“ Je nach Ausgangslage wird der Zeh nach dem Eingriff mit Nähten versorgt und muss in regelmäßigen Abständen mit sauberen Verbänden oder Pflastern versehen werden.

Wird nicht genäht, können Betroffene den Heilungsprozess mit Kamille- oder Jod-Fußbädern unterstützen. „Leider ist niemand davor gefeit, dass ein Zehennagel einwächst. Läufer sind aufgrund der Überbelastung besonders gefährdet. Wer diesbezüglich Probleme hat, dem sei geraten, einen Fußpfleger oder Arzt aufzusuchen und das nicht aufzuschieben. Nicht selten kommen Patienten erst nach Jahren zu uns. Dieser lange Leidensweg ist nicht nötig – ebenso wenig wie Scham“, so Dr. Veith Moser.

Kühler Kopf bei blauen Nägeln

Doch nicht nur eingewachsene Nägel bereiten Läufern Schwierigkeiten. Das bereits oben erwähnte Phänomen „blaue Fußnägel“ ist ebenso problematisch und darf nicht ignoriert werden. „Blaue Fußnägel sind mitunter diagnostisch schwer einzuordnen beziehungsweise müssen mit Vorsicht bedacht werden“, regt Dermatologe Kaan Harmankaya an. In den meisten Fällen seien es starke Traumata, die zu einer Verfärbung der Nägel führten. Bei Läufern allerdings könnte auch die chronische Belastung des Nagels oder der Nagelplatte zu einer Blaufärbung führen.

„Ist beispielsweise die Stabilität der Füße in den Schuhen nicht gewährleistet, kann dies Blutungen in der Nagelplatte bewirken. Wettkämpfe wie Marathon- oder Triathlon-Rennen sind besonders prädestiniert dafür, Nageltraumata auszulösen.“ Der Experte empfiehlt, in solchen Fällen einen kühlen Kopf zu bewahren und ärztlich abklären zu lassen, was die Blaufärbung des Nagels ausgelöst haben könnte.

„Mitunter kann ein Melanom, das in die Nagelplatte einblutet, dafür verantwortlich sein. Das ist zwar selten, aber durchaus möglich.“ Löst sich ein Nagel ab, gilt es, ihn so lange wie möglich mittels Pflaster oder Verbänden auf der Nagelplatte zu belassen und sie nach seinem Verlust gut abzudecken, bis der Nagel nachgewachsen ist.

Dr. Harmankaya, Dermatologe

Nach starken Traumata kann es durchaus sein, dass der Nagel wellig oder verformt nachwächst.

– Dr. Harmankaya, Dermatologe

Weg mit Pilzen und Hühneraugen

Wenngleich Druckstellen relativ leicht zu beheben sind, können sie doch enorm schmerzhaft sein. Hühneraugen vermiesen so manchem Sportler den Spaß am Training und sind doch relativ einfach zu behandeln. Dr. Harmankaya: „Es handelt sich dabei um Druckstellen, die an bestimmten Stellen durch falsches oder enges Schuhwerk sowie chronische Belastung entstehen. Wir unterscheiden zwischen Hühneraugen, die mittels Abtragung des Hornmaterials, speziellen Pflastern, Polsterung, Anpassung des Schuhwerks und Eincremen gut eliminiert werden können, und Dorn- beziehungsweise Fußwarzen. Ich empfehle, beides ärztlich abklären zu lassen oder zumindest zur Fußpflege zu gehen.“ Wer unmittelbar vor einem Wettkampf mit einem Hühnerauge konfrontiert wird, muss die Stelle gut polstern und möglichst lockeres Schuhwerk tragen, so der Experte.

Fußpilz ist ein bei Athleten ebenso verbreitetes Problem. „Da Feuchtigkeit der Freund des Pilzes ist und Läufer Synthetik-Socken tragen, lässt sich Fußpilz nicht immer verhindern. Baumwollsocken, trockene Füße, gute Ventilation und entsprechende Salben schaffen schnell und nebenwirkungsfrei Abhilfe.“ Wer auf seinen Körper achtet und regelmäßig trainiert, darf seine Füße nicht vernachlässigen. Das wird uns dann besonders bewusst, wenn sie nicht hundertprozentig fit sind.

Fußpflegetipps:

  • regelmäßige Pediküre hilft, eine optimale Länge der Zehennägel zu gewährleisten
  • Peelings schützen vor der Entstehung von Hornhaut und machen die Haut geschmeidig
  • Gleitcremes (zum Beispiel mit Silikonmolekülen) können vor Blasenbildung schützen
  • Fußbäder nach dem Sport kühlen und helfen bei der Regeneration
  • vor dem Schlafengehen aufgetragene Fußcreme unter dünnen Baumwollsocken versorgt die Haut nachts mit Feuchtigkeit
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