Dem Fersenschmerz auf der Spur

Therapie und Prophylaxe

Ob Druckschmerz oder das Gefühl, in einen Nagel getreten zu sein – Fersenschmerzen sind mehr als unangenehm. Die sogenannte Plantarfasziitis, eine Entzündung der Fußsehne sowie der Fersensporn zählen zu den häufigsten Fußproblemen von Läufern.
Text: Gabriele Hellwig | Fotos: Qimoto/Gassen

Anfangs schmerzt der Fuß nur ab und zu. Oftmals denken Läufer dann, dass sie etwas im Schuh haben. Ab einem bestimmten Stadium der Erkrankung quält die entsprechende Stelle permanent. „Fersenschmerzen sind ein sehr häufiges Krankheitsbild bei Läufern“, weiß Dr. Marco Gassen, Ärztlicher Leiter der Qimoto Praxis für Sportmedizin und Orthopädie in Wiesbaden.

„Die Schmerzen an der Ferse werden durch eine Entzündung der Plantarsehne, der großen Sehne der Fußsohle, verursacht“, erläutert der Sportmediziner weiter. Die Krankheit wird daher Plantarfasziitis, das bedeutet „Entzündung der Sehnenplatte“, genannt. Zumeist entsteht die Entzündung am Ansatz der Plantarfaszie am Fersenbein. Bei Läufern wird die Plantarsehne vor allem aufgrund von Über- und Fehlbelastung geschädigt – zum Beispiel eine zu schnelle Steigerung des Trainingsumfangs, ein falscher Laufstil oder unpassendes Schuhwerk. Solche Überlastungen führen zu Mikroverletzungen, die sich entzünden.

Diese Überlastungen können zu einer im Ultraschall und Röntgenbild nachweisbaren Kalkablagerung, dem Fersensporn, führen. „Im Grunde handelt es sich hierbei wohl um eine Selbsthilfeaktion des Körpers“, sagt Dr. Gassen. „Die Kalkablagerung dient dazu, die Beweglichkeit im Entzündungsbereich zu reduzieren, damit sich die Entzündung in Ruhe zurückbilden kann.“ Der Fersensporn ist damit nicht die eigentliche Ursache für die Fersenschmerzen, sondern letztendlich sind es die überlasteten, entzündeten Sehnenansätze.

Das Problem: Viele Läufer denken, dass die Beschwerden von allein wieder verschwinden. Leider ist das ein Trugschluss, wie Dr. Gassen weiß: „Unsere Erfahrung zeigt, dass die Therapie von Fersenschmerzen zu den schwierigen Behandlungsgebieten der Sportmedizin gehört. Die Beschwerden werden schnell chronisch. Deshalb ist es umso wichtiger, möglichst früh die richtige Behandlung zu beginnen.“

Da Fersenschmerzen multifaktoriell bedingt sind, das heißt, verschiedene Ursachen haben können, ist eine umfassende Diagnostik notwendig. Bei einer körperlichen Untersuchung betrachtet der Arzt die Körperhaltung und den Gang des Betroffenen. Dr. Gassen erklärt: „Oft sehen wir, dass sich der Fuß beim Abrollen zu sehr nach außen dreht oder die Ferse zu früh angehoben wird.“

Eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) schließt sich oftmals an. „Eine entzündete Sehne ist verdickt und meist dunkler, das heißt, bedingt durch die Entzündung ist das Gewebe geschwollen und enthält mehr Gewebswasser“, erklärt Dr. Gassen. Mit einer sogenannten Power-Doppleruntersuchung können zusätzlich Gefäßeinsprossungen dargestellt werden, die Hinweise auf entzündliche Veränderungen sind.

In einem spezialisierten Ganglabor kann bei einem ambitionierten Läufer auch eine Elektromyografie (kurz EMG) durchgeführt werden. Damit misst man die Aktivität des Wadenmuskels, vergleichbar mit dem EKG des Herzens. „Manchmal besteht eine zu hohe Spannung des Muskels, oder der Muskel wird zu stark eingesetzt“, erklärt Dr. Gassen.

Da der Wadenmuskel die Ferse hebt, wird dadurch automatisch immer die Fersensehne stärker oder zu stark belastet. Auch das scheinbare Gegenteil, eine zu geringe Kraft der Wadenmuskulatur, kann zur Überlastung der Fußsohlensehne führen. Dr. Gassen: „Die isokinetische Kraftmessung ist besonders bei Sportlern oft sehr aufschlussreich. Denn sie ermöglicht einen genauen Vergleich der Kraft der Wadenmuskulatur zwischen rechtem und linkem Bein.“

Manchmal liegt die Ursache einer Überlastung der Sehne des Fußes an einer Verhärtung des Bindegewebes an einem anderen Ort, zum Beispiel durch eine Störung oder Verklebung der Faszien in der Lendenregion. Durch den chronisch erhöhten Zug kann dann auf Dauer eine Entzündung im Fuß ausgelöst werden. Mit einer neuen Ultraschalltechnik der Ultraschall-Elastografie kann dies überprüft werden. Bei Fersenschmerzen gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten. Häufig werden verschiedene Therapien kombiniert.

Empfehlenswerte Behandlungen bei Fersenschmerzen sind

  • Schonung. Um die Sehne zu entlasten, eine Laufpause einlegen.
  • Einlagen. Einlagen können durch eine Polsterung den schmerzenden Punkt an der Ferse entlasten.
  • Kältetherapie. Kältebeutel lindern die Entzündung.
  • Medikamente. Oft verschreibt der Arzt entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente.
  • Taping. Ein Kinesio-Tape mindert den Zug auf das Fersenbein und entlastet die Plantarfaszie.
  • Fußgymnastik. Ein weicher Gymnastikball lockert die verspannte Plantarfaszie. Mit einem Fuß den Ball hin- und herrollen.
  • Stoßwellentherapie. Bei geringeren Beschwerden haben sich fokussierte Stoßwellen bewährt.
  • Injektionen. Als Injektionen kommen Reparaturzellen aus Eigenblut (ACP) und neuerdings Botulinum-Toxin infrage. Kortison sehen Ärzte wie Dr. Gassen kritisch. „Kortison schwächt auf Dauer das Gewebe am Plantarsehnenansatz.“
  • Medizinische Trainingstherapie und Isokinetik. Mit Kraftübungen lässt sich die Wadenmuskulatur kräftigen.
  • Akupunktur. Besonders bei chronischen Beschwerden ist die Akupunktur in der Lage, Schmerzen zu lindern und die Muskeln zu entspannen.
  • Osteopathie. Bei Verklebungen lockert der Osteopath mit speziellen Handgriffen das Gewebe.
  • Operation. Eine Operation kommt in Erwägung, wenn andere Therapien keinen Erfolg brachten. Dabei wird entweder die Sehnenplatte leicht eingeschnitten, um ihr die Spannung zu nehmen oder in seltenen Fällen wird der Fersensporn abgetragen.

So beugen Sie Fersenschmerzen vor

  • Das Training langsam steigern. So werden Überlastungen vermieden.
  • Auf gute Laufschuhe achten. Die Schuhe sollten nicht nur ausreichend dämpfen, sondern dem Fuß auch einen guten Halt geben.
  • Wer unsicher ist, ob der eigene Laufstil optimal ist, kann das Gangbild und den Laufstil bei einem Sportmediziner überprüfen lassen. Das gilt erst recht, wenn bereits Fußschmerzen auftraten.
  • Für Läufer mit Fersenproblemen kann es eine Lösung sein, auf einen weichen Untergrund des Trainingsgeländes zu achten. Wer bisher hauptsächlich auf Asphalt und Beton lief und dort Schmerzen hatte, trainiert möglicherweise auf Waldwegen beschwerdefrei weiter.
  • Dehnen Sie immer wieder Ihre Wadenmuskeln – also Ferse nach unten und Zehen Richtung Körper ziehen.
  • Den restlichen Körper nicht vergessen. „Läufer kümmern sich selten um die Rückenmuskeln“, weiß Dr. Gassen. „Dabei sind diese auch wichtig für den Trainingsstil.“
  • Last, but not least: regelmäßige Pausen machen!
Wie ist Ihre Meinung zu dem Thema?
HINWEIS: Um den Artikel zu kommentieren, melden Sie sich einfach mit Ihrem persönlichem Facebook-Account an.