Frühlingsziel Halbmarathon Teil 3

Die richtigen Laufschuhe finden

Schuhe an und loslaufen – klingt einfach. Doch welcher Schuh passt zu welchem Läufer und zu welcher Läuferin? Nur der richtige Schuh ermöglicht ein optimales Laufen und schützt vor Verletzungen.
Fotos & Text: Dr. Carsten Drecoll

Im Vergleich zu anderen Sportarten ist das Laufen nicht auf teures Equipment angewiesen. Die technologischen Neuerungen bei Laufschuhen und Textilien haben allerdings auch das Leben der Laufenden leichter gemacht. Die Zeiten von „Turnschuhen“ und Baumwollleibchen sind vorbei. Vor allem bei den Laufschuhen hat sich auch in den letzten Jahren noch einmal viel getan.

Um den Schuh zu finden, der individuell zum Läufer oder zur Läuferin passt, heißt es: ausprobieren und vom Fachmann beraten lassen. Das gilt ganz besonders für Laufanfänger. Denn um überhaupt zu wissen, nach welchen Schuhen man suchen soll, muss man seinen eigenen Bewegungsapparat, eventuelle Fehlstellungen und den persönlichen Laufstil kennen. Dem Fachmann erschließen sich diese Eckdaten leicht durch eine Videoanalyse und/oder ein Laufband mit speziellen Sensoren. Auch ein Blick auf das Profil der alten Laufschuhe lässt Rückschlüsse auf den individuellen Bewegungsablauf zu.

Die meisten Aktiven kommen mit Neutralschuhen gut zurecht. Diese bieten keine speziellen Stützelemente, die Fehlstellungen ausgleichen könnten. Der Fuß kann sich relativ frei entfalten und sorgt selbst für Stabilität und ggf. den nötigen Ausgleich. Auch bei den Neutralschuhen gibt es jedoch noch viele unterschiedliche Ausprägungen. Die Dämpfung ist unterschiedlich stark, die Sprengung (Differenz zwischen Absatzhöhe und Vorfuß) kann variieren und auch die Passform und die Schnürung können große Unterschiede ausmachen. So braucht ein Vorfußläufer keine so starke Dämpfung und wird durch zuviel Gummi unter der Sohle sogar behindert. Hier ist auch der beratende Experte an seiner Grenze angekommen. Denn ab einem bestimmten Punkt heißt es: ausprobieren und selbst lernen.

Wissenswertes

Checklist für den Laufschuhkauf

  • Beim Fachmann kaufen
  • Laufsocken mitbringen und abends kaufen
  • Alte Laufschuhe mitbringen
  • Kenntnisse des eigenen Laufstils (Vorfuß-, Mittelfuß-, Hackenläufer, Pronation) berücksichtigen
  • Verschiedene Modelle ausprobieren
  • Mit den Schuhen wirklich laufen gehen
  • Alles aussortieren, was nicht sofort gut passt
  • Verwendung (Straße, Berge usw.) kennen

Stabilschuhe und Einlagen

Neben Neutralschuhen gibt es sogenannte Stabilschuhe. Der Begriff wird von Hersteller zu Hersteller mitunter sehr weit gefasst. Im engeren Sinne sind Stabilschuhe solche, die eine Stütze für einen nach innen oder außen wegknickenden Fuß besitzen. Vor allem geht es hier um Schuhe, die der Pronation (d.h. das Fußgelenkt knickt nach innen ein) entgegenwirken sollen. Festere Stützelemente an der Fußinnenseite bieten hier Halt.

In jüngerer Zeit sind solche Stützen allerdings in die Kritik geraten. Denn zum einen ist kein Stabilschuh maßgefertigt, sondern eine Lösung von der Stange – was nicht immer die orthopädischen Probleme löst. Zum anderen lernt der Bewegungsapparat so auch nicht, die Fehlstellung auszugleichen. Last, but not least liegt selten bei beiden Füßen dieselbe Art von Pronation vor. Folgeschädigungen an Knie oder Hüfte können dann die Folge einer falschen Stützung sein.

Die Alternative bei orthopädischen Problemen, die eine Unterstützung benötigen, sind individuell zugeschnittene Einlagen, die in Neutralschuhe eingelegt werden. Diese werden von einem sportorthopädischen Schuhmacher hergestellt. Hände weg von Einlagen von der Stange, wie sie leider in jedem Sportgeschäft zu finden sind. Fast nie passen sie zu dem Schuh und nur allzu oft führen sie zu Folgeproblemen an anderer Stelle im Bewegungsapparat.

Wissenswertes

Die Hightech-Schuhe

Ein Teil der Entwicklung bei Laufschuhen betrifft den Bereich der absoluten Spitzenleistungen. Nike und dann Adidas haben neue leichte Dämpfungen entwickelt, die den Schuh trotz scheinbar viel Material sehr leicht machen und dennoch einen großen Teil der Energie beim Abdruck wieder zurückgeben. Dadurch sind die Top-Athleten tatsächlich schneller geworden. Die Entwicklung ging so weit, dass bei großen Läufen in den ersten Reihen die immer gleichen Schuhe zu sehen waren.

Etwas später kamen auch die Carbon-Platten in die Schuhe. Damit wird dem Athleten noch einmal ein Schub verpasst. Schritt für Schritt haben immer mehr Hersteller solche Schuhe auf den Markt gebracht, sogar Firmen, die bisher gar nicht so viel Erfahrung im Straßenlauf hatten. Allerdings gilt für all diese Wunderschuhe: Sie sind etwas für die ganz schnellen Frauen und Männer. Nur bei hohen Geschwindigkeiten entwickeln die Carbon-Platten überhaupt ihre Eigenschaften. Der Freizeitsportler braucht sie nicht.

Passform

Ein weiterer Punkt, der beim Erwerb eines Laufschuhs über Wohl und Weh entscheidet, ist die Passform. Hier muss man leider sagen, dass nicht alle neuen Modelle so gut sind, wie sie sein könnten. Immer noch werden Schuhe gebaut, die vorne spitz zulaufen – nicht zuletzt aus modischen Gründen. Das führt nicht nur bei längeren Einheiten zu Blasenbildung, sondern es verhindert auch, dass die Zehen wirklich ihre natürliche Funktion bei der Abdruckphase während des Laufens entfalten können. Für Aktive, die sowieso schon eher breitere Füße haben, kann sich die Auswahl recht stark einschränken.

Daher sollten Laufschuhe unbedingt mit Laufsocken getestet werden, die dicker sind als die normalen Straßenschuh-Socken. Auch ist zu berücksichtigen, dass die Füße abends spürbar größer sind als morgens. Auch während der körperlichen Belastung dehnen sie sich aus. Wenn alles passt und nirgendwo ein Druck- oder Engegefühl entsteht und zugleich der Schuh gut an Spann und Ferse sitzt, kann man auf die Probelaufrunde gehen.

Ältere kennen vielleicht noch die Schuhhändler-Aussage: Das weitet sich noch. Diese Zeiten sind vorbei und für Laufschuhe gelten solche Weisheiten schon gar nicht. Hier gilt: Was am Anfang nicht störungsfrei passt, wird auch später nur Probleme machen.

Was kostet ein Laufschuh?

Ein guter moderner Laufschuh kostet zwischen 120 und 180 Euro und hält 800 bis 1000 Kilometer, je nach Schwere und Laufstil des Athleten. Wer es günstiger möchte, kann auf einer der Expos (Messen) von Marathonveranstaltungen nach Vorjahresmodellen schauen. Hier kann man gute neue Laufschuhe zum halben Preis bekommen, wenn man etwas sucht. Gewarnt sei vor Discounter-Schuhen. Laufschuhe für 19 Euro können nicht über die notwendigen Materialeigenschaften für gesundes Laufen verfügen.

Der Schuhtest

Im Folgenden werden einige Neutral-Laufschuhe für den Breitensportler vorgestellt. Wer im April einen Halbmarathon laufen möchte, sollte sich jetzt um das Schuhwerk kümmern, mit dem er an den Start gehen will.

Brooks Ghost 14

Gewicht 281 g
Sprengung 12 mm
Laufstil Mittel- und Fersenläufer, auch für schwerere Läufer geeignet
empf. Preis 150,00 Euro

Laufbericht

Brooks liefert seit Langem solide und langlebige Laufschuhe für den Breitensport. Reduzierung von Überlastung und Optimierung des gesamten Bewegungsablaufs standen auch bei der Entwicklung des Ghost 14 im Mittelpunkt, wie man in den Erläuterungen im Inneren des Schuhkartons nachlesen kann. Der Schuh ist angenehm leicht und gut gedämpft. Die 12-mm-Sprengung kommt Mittelfuß- oder Fersenläufern entgegen, die DNA-LOFT-Sohle ermöglicht ein sanftes Abrollen. Der Schuh ist auch für schwerere Läufer und für längere Läufe geeignet. Angenehm ist der Platz in der Zehenbox. Der Kragen am Einstieg und an der Ferse ist bequem gepolstert und passt sich dem Fuß mühelos an. Die Außensohle ist richtig griffig, was den Brooks Ghost 14 zu einem Allrounder für die Trainingsrunden macht. Ein echter Wohlfühlschuh!

Adidas Adistar

Gewicht 320 g
Sprengung 6 mm
Laufstil Mittel- und Fersenläufer
empf. Preis 140,00 Euro

Laufbericht

Was für ein Teil, möchte man ausrufen, wenn man den Adidas Adistar auspackt. Der Schuh sieht nach richtig viel Material aus, vor allem im Fersenbereich. Im Hause Adidas ist dieser Schuh eine Neuentwicklung. Die verschiedenen Elemente der Sohle sorgen nicht nur für eine straffe Dämpfung, sondern geben dem Fuß auch ein gewisses Maß an Führung und Stabilität. Man spürt ein hohes Maß an Sicherheit vom ersten Schritt an. Die Form im Vorderfußbereich lässt einen Katapult-Effekt entstehen und treibt den Läufer nach vorne. Designt wurde der Schuh für den langen, langsamen Lauf. Für Mittelfuß- oder Fersenläufer ist der Schuh sehr gut geeignet. Vorfußläufer könnten Probleme mit der hochgebauten Sohle und der starken Ferse bekommen. Die Außensohle von Continental bietet erstklassigen Grip. Auch bei schwereren Läufern dürfte der Schuh ein robuster und langlebiger Geselle sein. Allerdings ist er nichts für breite Füße, denn die Passform ist überraschend schlank.

Asics Gel Nimbus 24

Gewicht 290 g
Sprengung 10 mm
Laufstil alle
empf. Preis 180,00 Euro

Laufbericht

Ein Klassiker. Ganze Läufergenerationen können nicht irren. Leicht, komfortabel und sehr gut im Abrollverhalten. Immer noch punktet Asics mit seiner GEL-Dämpfung, die hier ergänzt wird durch den FF Blast + – Werkstoff, der Flytefoam-Technologie, die seit 2017 zu Asics gehört. Die Sohle fühlt sich sehr weich an und schmeichelt geradezu dem Fuß. Der Schuh ist für alle Laufstile geeignet und kommt sicher einer großen Breite von Läufern und Läuferinnen entgegen. Die Ortholite-Innensohle unterstützt diesen Effekt und ist jeweils bei den Männer- und Frauen-Modellen genderspezifisch gestaltet. Auch bei der Passform ist der Wohlfühleffekt sofort zu spüren, was auch an dem neu gestalteten Mesh-Obermaterial mit elastischer Lasche liegt. Der Schuh eignet sich für lange langsame, aber auch für die eine oder andere schnelle Einheit. Die Außensohle hat genügend Grip. Ein wahrer Allrounder fürs tägliche Training, für Straße und Parkwege geeignet.

Scott Pursuit

Gewicht 250 g
Sprengung 8 mm
Laufstil alle
empf. Preis 140,00 Euro

Laufbericht

Für die meisten dürfte der Name Scott für griffige Trailschuhe stehen. Doch Scott hat auch im Bereich Straße inzwischen allerhand zu bieten. Er ist echt leicht trotz der hoch erscheinenden Sohle (30 mm unter der Ferse) und mit mäßiger Dämpfung ausgestattet. Das Abrollen wird durch die Vorderfußform begünstigt, was einen Katapulteffekt bewirkt. Heutzutage heißt so etwas „Rocker (engl. Schaukelstuhl) Technologie“. Die Sohle ist also so geformt, dass der Läufer beim Abrollen etwas nach vorne kippt. Der Pursuit ist ein reiner Straßenschuh, der auch mal schneller gelaufen werden will. Das Obermaterial ist sehr leicht und luftdurchlässig, was aus dem Pursuit auch einen guten Schuh für den Sommer macht. Die Zehenbox gewährt viel Raum. Die Außensohle weist den Pursuit als reinen Straßenlaufschuh aus.

Fortsetzung folgt

Wollt ihr mehr zum Thema Vorbereitung zum Halbmarathon erfahren? Tipps zur Trainingsplanung findet ihr in Teil 1, wie ihr die passende Laufveranstaltung findet, in Teil 2.

Redaktion
Dr. Carsten Drecoll
Dr. Carsten Drecoll, langjähriger Redakteur bei Buch- und Zeitschriftenverlagen, ist seit über 15 Jahren mit der RUNNING und mit dem Laufsport verbunden. Die Natur genießen, Städte erkunden und die unglaublichsten Geschichten entdecken – das ist Laufen.
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