Wenn jeder Schritt schmerzt

Plantarfasziitis und Fersensporn

Ein Gefühl, wie auf Nägeln zu laufen – so wird der Fersenschmerz von Betroffenen oftmals beschrieben. Schmerzen in der Fußsohle sind äußerst unangenehm, doch sind sie gut heilbar.
Text: Dr. Carsten Drecoll | Fotos: GettyImages/mihailomilovanovic

Werden Trainingsintensitäten zu schnell gesteigert, die Laufeinheit in unpassenden Schuhen und zu häufig auf asphaltiertem Untergrund absolviert, laufen Sie Gefahr, Ihre Füße zu schädigen. Insbesondere diejenigen, die regelmäßig viele Kilometer zurücklegen und ihre Fersen damit einer hohen Belastung aussetzen, können sich eine Plantarfasziitis zuziehen, die den Fersenschmerz verursacht.

Gemeint ist eine Entzündung der Ferse, genau gesagt der Plantarfaszie, einer dicken sehnenähnlichen Bandstruktur der Fußsohle. Sie überbrückt das Fußgewölbe vom Fersenbein zum Fußballen. Wird die Entzündung der Ferse ignoriert, reagiert der Körper mit Kalkablagerungen an den Sehnenenden, die den geschwächten Bereich stärken sollen. Doch das Gegenteil passiert: Mit der Zeit bildet sich ein Fersensporn, die Schmerzen verstärken sich.

Bin ich betroffen?

Ob Ihre Beschwerden auf eine Plantarfasziitis oder gar auf einen Fersensporn zurückzuführen sind, lässt sich schnell herausfinden. Typische Anzeichen sind verstärkte Fußsohlenschmerzen am Morgen und beim Stehen nach längerem Sitzen sowie beim Laufen, insbesondere im Zehenspitzengang. Ist zudem der knöcherne Ansatz der Plantarfaszie am Fersenbein druckschmerzhaft, können Sie davon ausgehen, dass eine Entzündung der Ferse schuld ist.

Schnell reagieren

Bei beginnenden Fersenschmerzen sollten Sie umgehend eine Therapie einleiten. Das Schlagwort hierfür lautet konservativ. Erster Schritt sollte immer die Entlastung sein: Legen Sie eine Laufpause ein, damit die Entzündung abheilen kann und kehren Sie erst zurück in die Laufschuhe, wenn schmerzfreies Gehen wieder möglich ist.

Prophylaktisch aber auch als Therapieform sind Dehnübungen eine erfolgversprechende Maßnahme. Durch bestimmte Stretching-Übungen, speziell für die Wadenmuskulatur, werden verkürzte Muskeln gestreckt und die Belastung auf die Ferse lässt nach. Durch regelmäßiges Wiederholen werden die Beschwerden meist gelindert.

Kühlpack, Einlagen und Co.

Auch der Griff zum Kühlpack kann Abhilfe verschaffen. Legen Sie diesen für ca. 10 Minuten mehrmals am Tag auf die schmerzende Stelle oder rollen Sie alternativ mit einer Getränkedose aus dem Kühlfach über die Fußsohle. In einfachen Fällen ist die Entzündung durch regelmäßiges Cool-down schnell abgeklungen.

Ebenfalls eine unterstützende Heilungsform sind Einlagen. Hier gibt es unter anderem solche, die die schmerzhafte Fersenpartie aussparen und dadurch für eine Entlastung der Ferse sorgen. Wenn mit den Einlagen die Beschwerden verschwinden, ist theoretisch keine Laufpause nötig, empfehlenswert ist jedoch zumindest eine übergangsweise Reduzierung des Trainingspensums.

Wenn nichts mehr hilft …

Reichen die konservativen Maßnahmen nicht aus, wäre eine Stoßwellentherapie in der Lage,die Fersenschmerzen nachhaltig zu verbessern, da hierdurch Stammzellen aktiviert werden, die für die Sehnenheilung verantwortlich sind. Hilft auch das nicht, kann über eine Injektionstherapie nachgedacht werden. Bei einer ausgeprägten Entzündung wird hier direkt in die Sehne gespritzt. Ein Training ist dann jedoch erst nach mehreren Wochen wieder möglich. Sehr selten ist bei Fersenbeschwerden eine Operation nötig, bei der degeneriertes Gewebe entfernt wird.

 

Redaktion
Dr. Carsten Drecoll
Dr. Carsten Drecoll, langjähriger Redakteur bei Buch- und Zeitschriftenverlagen, ist seit über 15 Jahren beruflich und privat mit dem Laufsport verbunden.
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