Der Dreh mit der Rolle

Trend Faszientraining

Ob im Fitnessstudio oder bei Ihrem Physiotherapeuten … oder in Ihrem Laufmagazin – die Faszienrolle ist Ihnen sicher bereits begegnet. „Faszientraining“ – so lautet das Zauberwort für Fitness, Schmerzfreiheit und Regeneration.
Text: Dr. Carsten Drecoll | Fotos: Casall/Bersa

Sie ist etwa 30 cm lang, 15 cm im Durchmesser und 120 g leicht. Erhältlich in verschiedenen Farben und Stärken, ist die feste Kunststoffrolle unter dem Namen „Faszienrolle“ bekannt, die zur Massage des Bindegewebes verwendet wird. Hochwertige Rollen sind nicht aus Schaumstoff, sondern aus einem Kunststoffgranulat, das miteinander verbacken ist. Das macht sie dauerhaft gegen Verformungen resistent und langlebig. Blackroll, Blackroll orange sowie Medisana oder Relax Roll bieten hochwertige Rollen an.

Das empfindsame Bindegewebe

Mit kleinen Wehwehchen und Verspannungen antwortet der Körper auf intensive Trainingsphasen. Lange dachte man, dass hauptsächlich Probleme in den Muskeln, Gelenken oder Bandscheiben für die Schmerzen verantwortlich seien. Mittlerweile wurde allerdings ein neuer Faktor ausgemacht: Die Faszien. Prinzipiell sind Faszien Bindegewebsstrukturen, die unter anderem aus Kollagen, Fibroblasten, Blutgefäßen und darin gebundenem Wasser bestehen. Und wie man inzwischen weiß, ebenso aus Nervenzellen (daher die Schmerzen).

Faszien – der unsichtbare Anzug des Menschen

Besonders für Sie als Läufer sind die Faszien ein wichtiges Gut, da sie den Körper samt aller Muskeln – vergleichbar mit einem Taucheranzug – in einem Stück umhüllen, verbinden und zusammenhalten. Je nach Lage und Funktion sind Faszien unterschiedlich stark und weisen verschiedene Grade von Festigkeit auf. Weil sie jedoch überall zu finden sind, sorgen sie für die Stabilität Ihres Bewegungsapparates.

„Verklebt, verfilz, verhärtet“

So nützlich die Faszien, so nervtötend können sie gleichzeitig sein. Und zwar dann, wenn sie „verkleben“ oder „verhärtet“ sind. Abhilfe kann hier der Physiotherapeut durch Massagen schaffen und das Faszientraining. Der Einsatz von Faszienrollen kann helfen, die Strukturen wieder zu „entkleben“ und geschmeidig zu machen. Nur durch gezielte Bewegung können Faszien ihre Elastizität behalten und das Gleichgewicht zwischen Feuchtigkeit und Fibroblasten aufrechterhalten. Fibrillen werden bei Inaktivität übermäßig stark gebildet. Diese Kollagen-Überproduktion führt zur Versteifung.

Sachte anfangen

Wer anfangen möchte, mit einer Faszienrolle zu arbeiten, sollte mit einer nicht zu harten Rolle starten und die Massagen langsam steigern. Über einen gewissen „Wohlfühlschmerz“ sollte man nicht hinausgehen. Auch das Ausprobieren verschiedener Rollen, Positionen und Übungen ist sinnvoll, jeder Mensch ist hier verschieden. Die Intensität können Sie mir Ihrem eigenen Körpergewicht regulieren. Die Übungen eignen sich zur Förderung der Regeneration, leichtere Anwendungen auch zum Aufwärmen. Neben dem Rollen sind außerdem Bewegung, sanfte Dehnung oder Yoga gute Methoden, um die Faszien frisch und geschmeidig zu halten.

Gegenindikationen?

Bei Verletzungen, Brüchen, Geweberissen und Zerrungen sollte keine Selbstmassage mit der Faszienrolle durchgeführt werden. Auch bei der Einnahme von Blutverdünnern ist vorab der Arzt zu fragen.

Für alle anderen gilt: Let’s roll!

Redaktion
Dr. Carsten Drecoll
Dr. Carsten Drecoll, langjähriger Redakteur bei Buch- und Zeitschriftenverlagen, ist seit über 15 Jahren mit der RUNNING und mit dem Laufsport verbunden. Die Natur genießen, Städte erkunden und die unglaublichsten Geschichten entdecken – das ist Laufen.
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