Bye, bye Grünkohl?

Ist Superfood wirklich besser?

Acai statt Apfel, Goji statt Grünkohl, Maca statt Milchprodukt – Superfoods aus fernen Regionen der Welt erobern zunehmend den Markt. Sportler vertrauen auf die leistungssteigernde Wirkung des teuren Superfutters. Doch was ist wirklich dran am Hype?
Text: Dr. Carsten Drecoll | Fotos: Marilyna7123RF.com

Übersetzt bedeutet Superfood so viel wie nährstoffreiches Lebensmittel, das als für Gesundheit und Wohlbefinden besonders förderlich erachtet wird. Hergestellt werden Superfoods von der Industrie unter anderem aus Beeren, Körnern, Samen und Algen, die aus fernen Ländern importiert werden. Das Besondere: Anders als übliche Nahrungsmittel verfügen Superfoods über einen deutlich höheren Gehalt an einem oder mehreren Nähr-, Wirk- oder Vitalstoffen und sollen damit alles, was Mutter Natur an heimischen Obst- und Gemüsesorten wachsen lässt, in den Schatten stellen.

Die Versprechen der Zaubermittel

Mit diesem Versprechen ködern die Hersteller des Superfoods vor allem gesundheitsbewusste und leitungsorientierte Sportler. Sie versichern unter anderem eine ganzheitliche Wirksamkeit durch die Zusammensetzung aus hochkonzentrierten, naturbelassenen Inhaltsstoffen, schwören auf eine Wirkung trotz fehlendem Wohlgeschmack und beteuern außerdem einen natürlichen Detox- und Entschlackungseffekt durch die Einnahme von Superfood. Als „Testimonials“ werden dann gerne Naturvölker oder verschlankte Prominente angeführt.

Für all diese Versprechen werden Konsumenten zur Kasse gebeten, denn Superfood hat seinen Preis. Der lässt sich jedoch laut Herstellern durch die hohe Nährstoffdichte und den Import aus Südamerika, Sibirien und Co. rechtfertigen. Aber lohnt der Griff in den Geldbeutel wirklich?

Mit Vorsicht zu genießen

Fest steht: Die in Superfoods beworbenen exorbitant hohen Mikronährstoffgehalte (Vitamine, Spurenelemente, Antioxidantien, …) bringen nicht automatisch Vorteile für Gesundheit und Fitness. Unser Organismus ist so gepolt, dass er sich aus dem zugeführten Nahrungsangebot stets die Menge an Nährstoffen herauszieht, die er benötigt. Den Rest scheidet er aus, selbst wenn dieser Rest aus teuren Superfoods stammt.

Doch nicht nur das: Übersteigt die Verzehrmenge an Nährstoffen die Bedarfsmenge, so kann dies gefährlich werden, da der Körper für die meisten Mikro- und Makronährstoffe (Ausnahme: Fett) nur begrenzte Speichermöglichkeiten hat. Eine dauerhafte Überdosierung mit Vitaminen, wie beispielsweise den fettlöslichen Vitaminen E, D, K, A, die nicht über den Urin ausgeschieden werden können, wirkt nicht nur leistungsmindernd, sondern führt im schlimmsten Fall zu Organschäden. Daher gilt es grundsätzlich auch bei der Einnahme von Vitamin C zur Erkältungsprophylaxe oder bei der Zufuhr von Eisen bei Eisenarmut die Bedarfsgrenze nicht zu überschreiten.

Superfood vs. Normalfood 

In Sachen Superfood stellt sich die Frage, ob sich durch den Griff zu qualitativ hochwertigen Naturprodukten aus dem herkömmlichen Sortiment nicht ähnlich gute Resultate erzielen lassen. In puncto Gesundheit und Leistung gibt es tatsächlich keine belegbaren Argumente, die das Superfood gegenüber dem Normalfood rechtfertigen. Einen hohen Gehalt an Vitamin B, D und E gekoppelt mit Magnesium, Calcium und Ballaststoffen verspricht der Verzehr von Acai-Beeren, doch auch der Verzehr von heimischen Beeren versorgt mit genannten Inhaltsstoffen. Und das erheblich preisgünstiger. Damit bleibt der Verzehr von Superfood letztlich eine Frage des Geschmacks und des individuellen Kontostandes.

Redaktion
Dr. Carsten Drecoll
Dr. Carsten Drecoll, langjähriger Redakteur bei Buch- und Zeitschriftenverlagen, ist seit über 15 Jahren beruflich und privat mit dem Laufsport verbunden.
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