Schneller dank Roter-Beete-Kur

So macht der rote Saft Läufer schnell

Profi-Läufer schwören auf den roten Saft: Eine Kur mit Roter Bete soll schnell machen. Running-Redakteurin Tabitha Bühne geht der Sache mit dem Nitrat auf den Grund.
Text: Tabitha Bühne | Fotos: Unsplash/Nick Collins

„Wenn du in der Woche vor deinem Wettkampf jeden Tag ein großes Glas Rote-Bete-Saft trinkst, wirst du garantiert schneller laufen als je zuvor!“ Dieser Spruch von einem guten Freund und Sportwissen schaftler hat mich erst zum Schmunzeln gebracht. Aber dann dachte ich: Was, wenn es stimmt?

Schaden kann ein Glas Rübensaft ja nicht und Mo Farah sowie andere Spitzensportler sollen es schließlich auch tun: regelmäßig Rote Bete zu sich nehmen, um Rekorde zu brechen. Die rote Rübe soll leistungsfähiger machen und nach harten Trainingseinheiten und Wettkämpfen die Regeneration beschleunigen. Gesundheitsapostel bezeichnen sie als essbares Heilmittel. Ernährungsexperten preisen sie als natürliches Doping und Schönheitsgurus loben sie als Jungbrunnen. Immer mehr Studien belegen: Ihre Inhaltsstoffe sind wirklich Gold wert.

HEILMITTEL UND SUPERFOOD

Sie war ein beinahe vergessenes und lange ein unterschätztes Gemüse. Vielerorts galt sie als „muffiges Arme-LeuteEssen“, dabei ist die Rote Bete ein schmackhaftes heimisches Superfood. Heutzutage kommt sie wieder vermehrt auf die Tische – aus gutem Grund. Rote Bete gehört zur Verwandtschaft des Mangolds und der Zuckerrüben und bietet einige gesundheitliche Vorteile fürs Gehirn und den Körper. Sie enthält einen Vitalstoffmix aus Folsäure, Eisen und Vitaminen der B-Gruppe. Diese Kombination begünstigt die Blutbildung, was gerade für weibliche Ausdauersportler hilfreich ist. Die Gefäße werden vor Ablagerungen bewahrt, weshalb die gesunde Knolle als vorbeugendes Heilmittel gegen Arteriosklerose, Schlaganfälle und Herzinfarkte empfohlen wird.

Rote Bete wirkt der Übersäuerung des Körpers entgegen und soll mit ihren Vitalstoffen Entzündungskrankheiten abwehren. Ein wichtiger Gesundheitsfaktor ist der Betanin-Gehalt – ein Antioxidans, das der Bete nicht nur ihre knallig pink-rote Farbe verleiht, sondern eben auch die Gefäße schützt, das Immunsystem stärkt und die Leber entlastet. Auch beim Abnehmen ist die Rübe eine hilfreiche Sache. Sie ist reich an Ballaststoffen, kalorienarm und führt zu einer langen Sättigung. Selbst bei beginnenden Erkältungen und Verdauungsproblemen soll Rote Bete Linderung verschaffen.

LEISTUNGSSTEIGERUNG DURCH BIO-DOPING

Die hohe Konzentration an Nitrat hat interessante Auswirkungen auf den menschlichen Körper unter Belastung. So wird der Blutdruck auf ganz natürliche Weise gesenkt, die Blutgefäße werden erweitert, die Durchblutung des Muskelgewebes und der Organe wird verbessert. Das Herz und die gesamte beanspruchte Muskulatur benötigen so während der sportlichen Belastung weniger Sauerstoff für ihre Arbeit. Für uns Ausdauersportler ergibt sich daraus schlicht und ergreifend eine höhere Leistungs bereitschaft: Wir laufen schneller und ermüden später. Rote Bete ist legales Bio-Doping.

Es gibt mehrere Studien und Experimente, bei denen diese Effekte nachgewiesen werden konnten. In einem Lungenfunktionstest zeigte sich beispielsweise, dass die Probanden durch den Genuss von Roter Bete für die gleiche Leistung rund 19 Prozent weniger Sauerstoff benötigten. Wissenschaftler der University of Northumbria zeigten, dass die Leistung der Teilnehmer durch den Verzehr von Roter Bete schon nach drei Tagen verbessert werden konnte. Wer den Rote-Bete-Saft zu sich nahm, sprang um durchschnittlich 18 Prozent höher als die Teilnehmer aus der PlaceboGruppe. Die Einnahme des Rote-BeteSafts reduzierte zudem die Schmerzen und führte offenbar zu einer kürzeren Erholungszeit zwischen den durchgeführten Übungen.

SCHNELLERE ERHOLUNG

Durch das regelmäßige Trinken des Wurzelgemüses wird also mehr Sauerstoff zur Muskulatur transportiert und die Belastung des Herzens verringert. So kann sich die Muskulatur nach dem Sport schneller erholen, und die Regenerationszeit wird verkürzt. Ich habe mit dem „Rote-Bete-Doping“ vor einigen Jahren angefangen und damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Tatsächlich konnte ich eine neue Bestzeit beim Marathon schaffen und habe auch bei anderen Wettkämpfen bessere Ergebnisse erreicht. Aber die Hauptsache ist: Ich fühle mich deutlich wohler nach anstrengenden Einheiten, wenn ich eine Portion rote Rübe schlürfe.

ZUBEREITUNG UND ANWENDUNG

„Das schmeckt wie Erde!“ oder „Zu süß und säuerlich!“ Manche Menschen meiden die krautige Pflanze wegen ihres eigentümlichen Grundgeschmacks. Doch kombiniert man sie mit Ricotta, Feta oder Ziegenkäse, gerösteten Walnüssen oder Kürbiskernen, Chili oder Orangenstückchen, so wird die Rübe zum absoluten Genuss. Sie ist ein praktisches und vielseitiges Gemüse: Ob als Rohkostsalat mit Blutorangen, herzhafte Suppe, würziger Saft oder im Schokoladenkuchen – es gibt unzählige Möglichkeiten, die rote Rübe zuzubereiten.

TIPP: Eine Woche vor dem Wettkampf täglich ein Glas, und am Wettkampftag zwei bis drei Stunden vor dem Wettkampf 250–500 Milliliter Saft trinken.

WARNUNG: Bitte nicht übertreiben und das nitratreiche Gemüse nur frisch zubereiten und nicht wieder erwärmen. Ideal wird Rote Bete aus biologischer Landwirtschaft im Freiland gekauft (weniger Düngemittel und Nitrate). Sie sollte sich nicht weich, sondern schön prall anfühlen. Lange Transportwege meiden, und zur Lagerung den Keller oder Kühlschrank wählen. Zu hoher Konsum, falsche Lagerung oder alte Rüben können zur Umwandlung der Nitrate zu Nitrit führen, was zur Bildung krebserregender Stoffe führen kann. Und wundern Sie sich nicht über pinken oder roten Urin – das bringt die rote Rübe mit sich!
Redaktion
Tabitha Bühne
Tabitha Bühne ist Autorin, Ernährungsberaterin und Systemischer Coach, liebt sportliche Herausforderungen wie Ultra-Läufe oder Etappenrennen und probiert gerne neue Trainingsmethoden aus.
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