Darauf stehen viele Läufer

Sind Einlagen ideale Trainingsbegleiter?

Rein oder raus damit – wann und für wen eine extra angefertigte Einlage im Laufschuh sinnvoll ist, wird oft kontrovers diskutiert. Fehlstellungen der Füße führen zu (schmerzhaften) Problemen. Manche können durch eine Sohle behoben werden.
Text: Annika Schmidt | Fotos: Roman Schulte, Lutz Klasen

Roman Schulte ist ambitionierter Läufer und hat ein Problem. Seit geraumer Zeit plagen den 32-Jährigen beim Laufen Schmerzen im Ansatz der Achillessehne. MRT-Bilder ergaben keine Klärung der Beschwerden. Die Schlussfolgerung seines Arzte lautete: Einlagen müssen her. Allerdings ist Roman verunsichert. Er weiß, dass diese nicht unumstritten sind und immer wieder für Diskussionen sorgen. Eine Situation, mit der viele Läufer konfrontiert werden.

Eine gute Einlage unterstützt die Muskeln und legt sie nicht lahm

Sogar Profi-Sportler wie die Leichtathletin Gesa Felicitas Krause nutzen inzwischen im Training sportorthopädische Einlegesohlen in Laufschuhen. Die Empfehlung wird von Medizinern oft schnell ausgesprochen, doch was nützen diese Dinger eigentlich?

„Mit einer Einlage kann ich direkt auf den Fuß einwirken und Fehlstellungen, die wiederum zu Fehlbelastungen führen, individuell korrigieren“, erklärt der Vertriebsleiter für technische Orthopädie Lutz Klasen vom Sanitätshaus Rahm, das mit 38 Filialen zu den größten Deutschlands zählt. Für ihn sind diese Produkte ein alltägliches Geschäft und Fälle wie Roman Schulte keine Ausnahme.

Doch kritische Stimmen werden immer lauter, die von einem Lahmlegen der Fußmuskulatur sprechen und von dem Zusatz-Tool abraten. Teils klagen Läufer mit Einlagen über eine Verschlimmerung der Beschwerden und führen das auf ihre Auslegeware im Schuh zurück.

Klasen kennt die Kritik, ist aber von der Wirkung des Extras überzeugt: „Ich versuche dem Körper eine Bewegung vorzugeben, die er nachahmen muss. Die Einlage bildet dabei aber lediglich den Untergrund und keine feste Form. Ein gutes Modell sollte ein gewisses Maß an Flexibilität haben, sodass die Muskulatur noch selbst greifen muss“, erklärt Klasen.

Der Diplom-Sportwissenschaftler Oliver Elsenbach, Geschäftsführer von Elsenbach Sportdiagnostik in Köln, blickt auf eine langjährige Erfahrung in der Einlagenversorgung zurück und sieht die Angelegenheit ähnlich: Für ihn sind sie ein gutes Hilfsmittel.

„Ein individuell gefertigtes orthopädisches Modell greift positiv in das funktionelle System ein. Es stützt, fixiert, entlastet, aktiviert und optimiert so die Funktion vom Fuß und dadurch den ganzen Bewegungsablauf“, sagt Elsenbach. Die Fußmuskulatur wird also nicht lahmgelegt, sondern vielmehr an bestimmten Stellen aktiviert und an anderen entlastet, um das Bewegungsbild zu korrigieren.

Perfect Match: Laufschuhe und Sohlen sollten zueinander passen

Ein Fehler, den viele Läufer jedoch machen und der gravierende Folgen haben kann, betrifft die Wahl des Laufschuhs. „Wichtig ist vor allem, dass die Einlage in einen neutralen Laufschuh kommt und man sich gute Modelle anfertigen lässt, die genau auf die individuellen Bedürfnisse des Läufers abgestimmt sind“, betont Klasen.

Oft ist es nämlich genau dieser Aspekt des Zusammenpassens, der zu schlechten Erfahrungen führt. Da die Einlegesohle im Idealfall so konzipiert wurde, dass sie Fehl-stellungen ausgleicht und somit an einem gewissen Punkt unterstützt, sollte sie nicht in einen gestützten Schuh gelegt werden. Die daraus resultierende zweifache Unterstützung der Fußmuskulatur kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass sich die Beschwerden verstärken.

Verwendet beispielweise ein Läufer, der nach innen wegknickt, Schuhe mit Pronationsstütze und zusätzlich eine Einlage die ihn dort unterstützt, so kann es passieren, dass er mit der Zeit mit dem Fuß nach außen kippt. Kurz, eine Pronation verwandelt sich in eine Supination. Und schon stehen neue Beschwerden ins Haus.

Entscheidet man sich für eine Einlage, ist daher nicht nur die Qualität des Produkts entscheidend, sondern auch der richtige Laufschuh. Daher ist es definitiv ratsam, seinen Treter zur Adaption direkt mit zur Beratung zu bringen.

Foto: Lutz Klasen

Potentielle Käufer sollten nicht in die sensomotorische-Falle tappen

Bis es so weit ist, gilt es aber erstmal einen guten Orthopädietechniker zu finden. Ein nicht unbedingt leichtes Unterfangen, was auch Oliver Elsenbach von Elsenbach Sportdiagnostik weiß. Er rät Läufern auf Empfehlungen von Sportkollegen, Informationen aus Foren und vor allem auf ihr Gefühl zu vertrauen.

„Jeder Einlagenbauer sollte eine halbwegs plausible Theorie mitliefern können, die erklärt, warum mit dem Produkt das Problem des Läufers reduziert beziehungsweise behoben wird“, so der Experte.

Viele Orthopädietechniker werben zwar mit sensomotorischen Modellen, die individuell sein sollen. Zuvor bieten sie Laufanalysen und 3D-Scans an, um den Fuß zu vermessen und vermitteln dem Sportler so das Gefühl, ein hochwertiges Modell zu bekommen.

Das Ergebnis jedoch sieht meist anders aus und ist sogar auf verschiedenen Webseiten im Internet ganz einfach zu bestellen. Elsenbach hat schon Dutzende solcher Produkte in den Händen gehalten.

„Senso­motorisch heißt nicht gleich individuell“, erklärt er. „Die Bezeichnung bedeutet lediglich, dass dem Fuß durch die Einlage bestimmte Reize gesetzt werden, um die Fehlstellung beziehungsweise den gesamten Bewegungsablauf zu korrigieren“.

Jede Fußfehlstellung wirkt sich negativ auf den ganzen Körper aus

Daher empfiehlt der Fachmann Läufern, sich vor der Anfertigung zusätzlich Muster zeigen zu lassen und Informationen zum Gewicht sowie zur Passform einzuholen. Je durchsichtiger und verständlicher die Beratung, umso sicherer kann sich der Sportler sein, eine individuell für ihn passende Einlage zu erhalten.

Trotz dieser Faktoren, die es bei der Anschaffung zu bedenken gibt, ist Elsenbach von dem Einsatz von Einlagen überzeugt: „Kein Körper ist perfekt. Es gibt muskuläre Dysbalancen und Verkürzungen, Strukturen wie die Knochen, Sehnen und Bänder sind häufig in einem defizitären Zustand. Jede Fußfehlstellung wirkt sich im Rahmen der aufsteigenden Belastung auf den ganzen Körper aus.“

Diese Folgen machen sich vor allem im Knie, der Hüfte und dem unteren Rücken bemerkbar. Eine gute Einlegesohle kann dies verhindern und eine sinnvolle Ergänzung für Ihren Laufschuh sein, falls Sie dies benötigen. Übrigens: Roman Schulte ist inzwischen wieder schmerzfrei unterwegs.

Zusammen mit einem Orthopädietechniker und einer Laufanalyse fand er die Ursache für seine Beschwerden im Achillessehnenansatz heraus und konnte diese, mittels einer individuell für ihn angefertigten Einlage, beheben. Jetzt läuft es für ihn nicht mehr unten ohne.

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