Auf ins Trailrunning-Abenteuer!

Warum Trailrunning etwas für jeden ist

Beim Trailrunning denken viele an spektakuläre Bergrennen, abenteuerliche Youtube-Videos und krasse Typen. Stimmt alles. Aber trotzdem kann jeder sein eigenes Abenteuer im Trailrunning finden.
Text: Dr. Carsten Drecoll | Fotos: Devold

Die Trails – das ist eigentlich alles, was nicht asphaltiert ist. Offroad laufen, geländegängig werden, die Natur erobern. Trailrunning geht überall, alle Wanderwege können Trails werden. Was sich ändert, ist die Art zu laufen. Kilometerzahlen und Pace-Angaben werden erst einmal unwichtig, wenn man ins Trailrunning wechselt. Was zählt, ist die Zeit, die man auf dem Trail und in der Natur verbringt. Denn der Aktive muss eine neue Art des Laufens erlernen: Den Rhythmus geben Strecke und Untergrund vor, auch das Wetter, der Wind sowie gegebenenfalls die Steigungen oder das Gefälle. Auf manchen Trails werden die Grenzen zum Wandern oder Hiken fließend. Was auch zählt: das Gefühl, auf dem Weg durch die Natur sich selbst wiederzufinden, denn Trailrunning kann eine Art Meditation sein.

Was braucht’s?

Fürs Offroad-Rennen braucht man vor allem entsprechende Schuhe. Das Segment Trailrunning ist mittlerweise bei den meisten großen Herstellern angekommen, die den Laufschuhmarkt bestimmen. Außerdem gibt es Spezialisten wie Salomon, La Sportiva, Scott, Columbia oder Dynafit, die sehr viel Erfahrung mit dem Laufen im Gelände und den Herausforderungen in den Bergen haben – was man den Produkten anmerkt. Trailrunning-Schuhe sollen eine profilierte Sohle mit einer griffigen Gummimischung haben, eine große Sprengung (also ein Gefälle von Absatz zu Fußballen) oder viel Dämpfung brauchen sie hingegen nicht. Sie sollen gut und fest sitzen, aber auf keinen Fall einengen. Wie stabil oder flexibel sie gebaut sind, hängt von Modell und Hersteller ab. Waren die ersten Trailrunning-Modelle noch halbe Wanderschuhe, gibt es heute eine große Bandbreite von leichteren oder festeren Schuhen.

Die ersten Schritte

Sowohl für die ersten Trailversuche vor der Haustür als auch für die ersten Trailrunning-Wettkämpfe gilt: Konservativ planen und den eigenen Fitnesslevel richtig einschätzen. Bei Steigungen gilt die Faustformel: 100 Meter Höhendifferenz entsprechen einem weiteren Laufkilometer in der Ebene. Doch nicht nur mehr Kondition wird benötigt, Anstiege bedeuten auch: mehr Kraft. Der Laufstil ist anders: Nicht die Gleichförmigkeit ist jetzt gefragt, sondern die Fähigkeit, sich dem ständig wechselnden Gelände anzupassen. Vorausschauend zu laufen, Steine und Wurzeln zu meiden, eine möglichst große Auftrittsfläche zu haben, um nicht zu rutschen. Gemessen an den Kilometerzahlen werden die ersten Trails also ziemlich lang wirken.

Deswegen haben selbst die besten Profis einige Tricks entwickelt, die auch für Hobbysportler gut funktionieren: Die Schwedin Emelie Forsberg zum Beispiel empfiehlt, spielerisch auszuprobieren, welche Schrittfrequenz und -länge am besten funktionieren. Ihr Kommentar: Bergauf ist man am längsten unterwegs, da soll man es doch genießen können. Und der französische Ultraläufer François D’Haene rät dazu, einen Parcours erst einmal zu gehen, um zu sehen, wie sich die Strecke anfühlt. Danach kann man es mit dem Laufen versuchen.

Last but not least: Hat man auf der Strecke Anstiege und Abstiege, sind die Letzteren, also das Bergablaufen, die technisch schwierigeren. Bergauf kommt man immer irgendwie, aber verletzungsfrei bergab zu gelangen – das muss man wirklich üben. Mit kleinen Schritten und zunächst ohne Zeitdruck. Vorausschauend.

Equipment für den Profi

Soll es in einen Wettkampf oder eine längere Tour gehen, benötigt der Trailrunner weitere Ausrüstung – und vor allem eine gute Vorbereitung. Strecke, Profil, Orte, durch die man kommt, voraussichtliche Wetterverhältnisse und eine ehrliche Einschätzung der eigenen Fitness sind das Allerwichtigste. Was es daneben noch braucht, kann man leicht den Anweisungen zur Pflichtausrüstung ablesen, die Veranstalter von Trailruns vorschreiben: Ein Handy, geladen, mit eingespeicherter Notrufnummer, eine Uhr mit langer Laufzeit, Rettungsdecke, Essen und Trinken. Warme Sachen zum Anziehen (für Läufer ein warmes Midlayer sowie eine Regenjacke), Signalpfeife, kleines Verbandszeug. Wer in den Bergen unterwegs ist, sollte zudem eine Versicherung zur Bergrettung abschließen. Denn der Einsatz eines Rettungshelikopters kann ziemlich teuer werden.

Trails für jedes Leistungsniveau

Auch die Wettkämpfe, die von professionellen Veranstaltern organisiert werden, bieten Trails für jedes Leistungsniveau. Neben den langen und spektakulären Distanzen werden nämlich meistens auch kürzere Streken angeboten, die ebenfalls tolle Eindrücke von Natur und Umgebung gewähren. Damit reagieren die Veranstalter nicht nur darauf, dass die Events immer beliebter werden. Bei der Auswahl kann sich jeder genau das aussuchen, was ihm liegt und auch am meisten Spaß macht.

Termine

5 Top-Trails im Frühjahr

Hier eine kurze Übersicht, natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Die Auswahl ist ziemlich subjektiv.

Innsbruck Alpine Trailrun Festival 2022

Mit Distanzen für jedes Level bietet dieses Trailfestival sehr schwere und einmalig schöne Strecken. Gestartet wird in der Olympiaworld in Innsbruck.

https://innsbruckalpine.at/

 

GutsMuths Rennsteiglauf

Aus einem Abenteuer von vier Jenaer Studenten 1973 entwickelte sich der größte Landschaftslauf in Europa mit jährlich rund 16.000 Läufern, Wanderern und Nordic Walkern.

https://www.rennsteiglauf.de/

 

Dolomites Saslong Half Marathon

Die Strecke, ein Halbmarathon mit 900 HM im Anstieg und noch einmal im Abstieg, geht um den Langkofel und ist sowohl sportlich als auch hinsichtlich der herrlichen Natur eine Reise wert.

https://www.saslong.run/de/

 

Bernina Ultraks

Der Marathon führt bis auf gut 3.000 Meter hinauf und quert mehrere Gletscher. Start und Ziel liegen in Pontresina auf ca. 1.800 Metern Höhe.

https://bernina.ultraks.com/

 

Rheinquelle Trail

Zum dritten Mal findet nun der Rheinquelle Trail statt, der zwei spektakuläre Trailrouten anzubieten hat.

https://www.rheinquelle-trail.ch/

 

Weitere Trail-Tipps gibt’s im RUNNING-Laufkalender.

Redaktion
Dr. Carsten Drecoll
Dr. Carsten Drecoll, langjähriger Redakteur bei Buch- und Zeitschriftenverlagen, ist seit über 15 Jahren mit der RUNNING und mit dem Laufsport verbunden. Die Natur genießen, Städte erkunden und die unglaublichsten Geschichten entdecken – das ist Laufen.
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