Auf Ihre Gesundheit

Hundert Prozent Leistung ohne Hochprozentiges

Fußballer und auch viele Hobbyathleten nehmen es nicht so genau mit den Prozentangaben auf Flaschen. Doch wie schädlich ist der Konsum von Korn, Bier, Schnaps und Wein und welche Auswirkungen ergeben sich speziell für den Läuferkörper?
Text: Dr. Carsten Drecoll | Fotos: Armin Schirmaier

Schon die römischen Soldaten haben ohne Wein die Leistung verweigert – und auch beim berühmten Médoc-Marathon in Frankreich spielt der Wein seine traditionelle Rolle, wie unser Bild beweist.

Doch die Antwort auf die eingangs gestellte Frage ist eindeutig und lässt sich nicht beschönigen. Wem etwas an der eigenen Lauf-Performance liegt, der sollte die Finger vom Alkohol lassen. Und das am besten ausnahmslos. Glauben Sie mir: Wer beim Trinken auf Prozente verzichtet, dem werden sie spätestens beim nächsten Wettkampf in Form von Minuten gutgeschrieben.

No Go: Laufen und Saufen

Nachdem Sie den ersten Schock nun hoffentlich mit einem Glas Wasser heruntergespült haben, möchten wir Ihnen auch erklären, warum – eigentlich – strenge Abstinenz geboten ist. Nicht zu unterschätzen sind die Auswirkungen des Alkohols auf das Verletzungsrisiko. Denn der Promillepegel stört Schlafrhythmus sowie Schlafqualität und bremst die Regenerationsfähigkeit. Zudem fördert der Genuss von Bier und Co. Krämpfe. Der Grund: Durch den hohen Wasseranteil, der mit dem Alkohol ausgeschieden wird, verlassen wichtige Salze den Körper.

Doch das ist noch nicht alles… Wussten Sie, dass Ihr Trainingszustand schon beim sechsten Drink um circa einen Monat negativ beeinflusst wird? Bedeutet: An nur einem Abend können Sie die Laufkilometer aus vier Wochen einfach runterspülen. Zudem ist Alkohol ein echter Figur-Feind. Mit sieben Kilokalorien pro Gramm ist er nach Fett der energiereichste Nährstoff und damit eine wahre Dickmacher-Falle.

Gift für den Körper

Auch der Eindruck, dass Alkohol eine entspannende Wirkung auf Geist und Körper hat, ist ein Trugschluss. Tatsächlich können Stresshormone durch Alkoholeinfluss schlechter abgebaut werden und auch Heilungsprozesse des Körpers werden durch die vermehrte Cortisolausschüttung verlangsamt. Noch sechs Stunden nach dem letzten Gläschen lassen sich erhöhte Werte im Blut finden. Und auch der Proteinhaushalt der Knochen nimmt während einer feucht-fröhlichen Nacht um ein Drittel ab.

Auch das Rausschwitzen des Alkohols durch Laufen ist nur in begrenztem Maße möglich. Durch die körperliche Aktivität werden Sie sich vermutlich besser fühlen, Ihre Leber spricht jedoch eine andere Sprache. Denn der Abbau des Alkohols wird keineswegs durch einen aktiven Kreislauf beschleunigt. Erst nach zwei bis drei Tagen wird Ihr Körper wieder voll einsetzbar sein.

Nicht verzweifeln, auch genießen!

Haben Sie das Gefühl, Ihre Stimmung nach dieser negativen Predigt mit einem Glas Wein wieder in Schwung bringen zu müssen? Dann kommt jetzt die gute Nachricht: Tun Sie das! Aber bitte in roter Variante und in Maßen. Zumindest gelegentlich schadet ein Glas Rotwein Ihrer körperlichen Verfassung nicht. Selbst Spitzen-Ultra-Läufer Francois d’Haene, seines Zeichens übrigens Winzer (!), genießt am Vorabend großer Rennen ein Glas Roten. Zu verdanken ist die positive Wirkung auf das im Wein vorhandene Resveratrol, das den Blutdruck senken und das Herz-Kreislauf-System schützen soll.

Redaktion
Dr. Carsten Drecoll
Dr. Carsten Drecoll, langjähriger Redakteur bei Buch- und Zeitschriftenverlagen, ist seit über 15 Jahren beruflich und privat mit dem Laufsport verbunden.
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