Halt! Sinn und Zweck des Sport-BHs

„Hüpfende Brüste“ – ein Thema, das mir zum ersten Mal ins Auge sprang, als ich vor einigen Jahren bei einem Samstagmorgen-Lauf einer Frau begegnete, die ganz offensichtlich keinen Sport-BH trug.
Text: Tabitha Bühne | Fotos: Casall, Guido Rehme, Ralf Graner, Silas Stein

Ihre Brust bewegte sich munter auf und ab, von links nach rechts. Nun mag es Menschen geben, denen dieser Anblick gefällt. Bei mir löste er eher Unbehagen und Sorge aus. Ich hatte kurz zuvor bei einem Seminar gehört, dass fast die Hälfte der laufenden Frauen keinen Sport-BH trägt.

Letzteres kann ich aus meiner Zeit als Managerin eines Laufladens und Trainerin bestätigen. Manche Sportlerin macht sich kaum Gedanken darüber, dass sie mit dem passenden Modell deutlich komfortabler durch den Wald und Startpark laufen könnte. Etliche kennen jedoch ihre richtige Größe nicht und haben wenig Lust, sich beraten zu lassen. Laut einer Untersuchung der Sportwissenschaftlerin Dr. Joanna Scurr aus Großbritannien soll die Brust pro gelaufenem Kilometer jedoch circa 84 Meter zurücklegen – eine beeindruckende Zahl und ein Grund mehr, dem Thema Sport-BH Aufmerksamkeit zu schenken.

Vier Dinge, die Frau wissen sollte

  • Nummer 1

    Die weibliche Brust besteht zu 90 Prozent aus Drüsen-, Fett- und Bindegewebe. Im Gewebe selbst gibt es keine Muskeln. Vor allem eine große Oberweite braucht den richtigen Halt beim Sport, um Verspannungen, Gewebeverletzungen oder Rückenschmerzen zu vermeiden.

  • Nummer 2

    Insbesondere bei belastungsintensiven Sportarten bewegt sich der Busen sehr stark. Ein stützender Sport-BH kann die Eigenbewegung der Brust um bis zu 75 Prozent verringern, ein normaler Büstenhalter leistet dies lediglich zu 38 Prozent. Sport-BHs sind zudem robuster, atmungsaktiver und langlebiger.

  • Nummer 4

    Die richtige BH-Größe zu tragen, ist enorm wichtig – laut einiger Studien tun das bis zu 80 Prozent aller Frauen aber nicht. Die Brust verändert sich auch im Laufe des Lebens, zum Beispiel durch Schwangerschaften, Alterungsprozesse und Gewichtsschwankungen. Die Oberweite regelmäßig ausmessen und daraufhin das adäquate Modell zu wählen, sollte daher zur Routine werden. Einige Marken bieten online Größentabellen und Hilfsmöglichkeiten an. Auf Nummer sicher gehen Sie, wenn Sie direkt das Fachgeschäft aufsuchen – oder aber beim Internetkauf mehrere Größen zur Anprobe bestellen.

  • Nummer 4

    Vor Verschleiß sind BHs nicht gefeit. Laut Herstellern sollte ein Sport-BH keinen Geburtstag erleben, sondern vorher ausgetauscht werden. Je nachdem, wie viele Modelle Sie zum Wechseln haben, kann er entsprechend länger eingesetzt werden. Die Lebensdauer eines BHs hängt vom Brustumfang, der Intensivität des Trainings und der Materialbeschaffenheit ab. Damit er lange hält, ist Handwäsche oder eine Reinigung mit Sportwaschmittel bei 30 bis 40 Grad im Wäschenetz zu empfehlen.

Wie finde ich den richtigen Sport-BH?

Unterstützungsgrad
Ein Sport-BH sollte aus hochwertigem und atmungsaktivem Funktionsmaterial bestehen, zur Brust passen und sie umschließen, um ihr den erforderlichen Halt bieten. Welchen BH Sie benötigen, hängt von der Größe der Brust und der Sportart ab, die Sie betreiben. Bei bewegungsintensiven Sportarten wie dem Laufen ist ein hoher Unterstützungsgrad erforderlich.
Verschluss, Träger, Unterbrustband
Im Ausdauersport bevorzugen viele Damen ein Modell mit Haken und Ösen-Verschlüssen, damit der BH einfacher an- und ausgezogen werden kann. Frauen mit einer kleineren Brust können auch Bras oder Tops tragen. Je mehr Oberweite Sie haben, desto wichtiger sind eine multioptionale Verstellbarkeit, unterstützende Zonen und breite, gepolsterte Träger. Diese verteilen die Last gleichmäßig und verbessern den Tragekomfort. Die Träger sollten weder rutschen, noch unangenehm drücken. Auch ein breiteres, haltgebendes Unterbrustband ist wichtig, das weder einschneidet, noch das Bewegungsmaß der Brust mindert. Achten Sie darauf, dass es nicht locker sitzt, sondern etwas fester als bei einem normalen BH.
Körbchen
Was die Körbchen betrifft, so muss es zwei klar voneinander getrennte Cups geben, denn jede Brust benötigt einen individuellen Halt. Sie sollte mittig und gerade sitzen und vollständig umschlossen sein. Wenn Falten entstehen, sind die Körbchen wahrscheinlich zu groß, oder die Träger müssen verstellt werden. Bei einem Modell mit Bügeln sollten diese flach anliegen. Wer eine empfindliche Haut hat, sollte zusätzlich auf nahtloses Funktionsmaterial achten.
Einsatzgebiet
BHs mit mittlerer Unterstützung sind ideal bei Trainingsformen mit gemäßigter Auf- und Ab-Bewegung. Wenn du den BH für Work-outs auf der Matte einsetzen willst, ist ein Modell ohne Rückenverschluss oftmals angenehmer, dieser drückt sonst schnell gegen die Wirbelsäule. Sie sollten sich wohlfühlen, frei atmen können und genug Bewegungsfreiheit haben. Ein BH mit Ringerrücken oder überkreuzten Trägern hat überdies optische Reize.
Optik
Für einige Frau ist ein Sport-BH im Sommer auch als Top eine Option. Da lohnt es sich für kleinere Brüste, solche Modelle zu wählen, die gepolstert sind und eine schöne Form geben. Mittlerweile bieten die Hersteller eine große Auswahl unterschiedlicher Styles. Nicht nur an Füßen, sondern auch „unten drunter“ zeichnet sich ein farbenfroher Trend ab.

Die vier wichtigsten Kategorien beim Sport-BH

  1. Halt und Sicherheit:Reduziert der BH die Bewegung der Brust und gibt er beim Sport Stabilität und Unterstützung?
  2. Passform und Einstellbarkeit:Sitzt der BH richtig und verfügt er über verschiedene Einstellmöglichkeiten, um ihn individuell anzupassen?
  3. Komfort und Atmungsaktivität:Fällt das An- und Ausziehen leicht? Wie sind das Tragegefühl und das Feuchtigkeitsmanagement?
  4. Vielseitigkeit:Ist der BH nur für bestimmte Sportarten oder für verschiedene einsetzbar? Kann man ihn auch pur als Top tragen?

Unser Test-Team

RUNNING – Das Laufmagazin hat elf Modelle unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse unserer vier Testerinnen finden Sie auf den folgenden Seiten. Autorin und Laufexpertin Tabitha Bühne lebt in Indien und Deutschland und hat insbesondere die Langstrecken für sich entdeckt, sei es 100-Kilometer-Rennen oder 24-Stunden-Lauf. Für Sandra gehört als Assistant-Storemanagerin in einem Laufladen die Beschäftigung mit dem richtigen Equipment zum Alltag. Luisa, Studentin an der Sporthochschule Köln, ist als Mittelstreckenliebhaberin am liebsten zum Abschalten und Auftanken im Wald unterwegs. Die ambitionierte Hobby-Athletin und Polizeibeamtin Sabine bereicherte als Sub-Drei-Stunden-Marathonläuferin das Test-Team.

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