Regenjacken für Läufer

Sechs Modelle im RUNNING-Praxis-Test

Im Regen zu trainieren, macht selten Spaß. Eine gute Lauf-Regenjacke kann die Sache aber weniger schlimm machen und die Motivation, auch bei schlechtem Wetter die Laufschuhe zu schnüren, vergrößern.
Text: Anne-Katrin Leich | Fotos: Salomon

Jeder Läufer, der sich schon einmal auf einen Wettkampf vorbereitet hat, weiß, dass es verdammt miese Witterungsverhältnisse für einen Long-Jogg oder die Intervall-Session geben kann. Eine gute Regenjacke im Schrank ist die beste Voraussetzung dafür, die Motivation zu erhalten und vor diesem Training nicht zurückzuschrecken.

Viele Läufer scheuen es Regenjacken zu tragen, weil sie entweder beim Armschwung laute Reibegeräusche erzeugen, eine schlecht sitzende Kapuze haben, bei Wind wie ein Fallschirm wirken und flattern oder aber die Bewegungsfreiheit einschränken. Und genau diese Liste an Kritikpunkten beschreibt bereits, welche primären Kriterien es beim Kauf einer guten Regenjacke zu beachten gilt. Genaueres zu unseren Testkriterien lesen Sie im nächsten Abschnitt. An oberster Stelle sollte jedoch stehen, dass es sich um ein Produkt handelt, das dafür konzipiert wurde und auch darauf ausgelegt ist, beim Laufen zum Einsatz zu kommen. Dies ist bei allen Modellen unseres Tests gewährleistet.

Kauftipps für die perfekte Regenjacke

Zu den sekundären Kriterien zählen Aspekte, die den individuellen Einsatzbereich sowie persönliche Vorlieben betreffen. Folgende Checkliste kann bei der Kaufentscheidung hilfreich sein:

  • Hat die Jacke Taschen (Größe/ Platzierung)? Was möchte ich darin eigentlich transportieren (z.B. einen Schlüssel oder ein Handy)?
  • Verfügt die Jacke über Reflektoren? Laufe ich in einer Gegend, in der ich unter widrigen Bedingungen besonders gut zu sehen sein sollte?
  • Sollte die Kapuze befestigt werden können, falls es aufhört zu regnen und ich die Kapuze abnehme?
  • Sollte man die Jacke öffnen können, um bei einer Regenpause ordentlich „durchzulüften“? Möchte ich hierfür, dass die Jacke über eine Druckknopf-Lasche verfügt?
  • Wie viel wiegt die Jacke? Wie ist das Packmaß?

Der RUNNING-Laufregenjacken-Test: Unsere Testkriterien

Es gelten testinterne Vergleichskriterien. Das bedeutet, dass die Modelle einander gegenüber gestellt wurden und in den einzelnen Kategorien mindestens eine Jacke die volle Punktzahl erreicht hat. Hinsichtlich der Flexibilität des Materials mussten sich also alle Produkte am Status quo der Montane Minimus Stretch Ultra Jacket messen, in puncto Schirm und Kapuze war die Run Jacket von La Sportiva der Goldstandard und bei der Passform war zum einen ebenfalls Montane, zum anderen aber auch Salomon das Maß der Dinge.

Folge Aspekte galten als ausschlaggebend für die Punktevergabe, die gleichzeitig auch im Generellen als Orientierungshilfe beim Kauf einer Regenjacke herangezogen werden können:

  • Schirm und Kapuze: Eine Kapuze, die sich gut an die eigene Kopfgröße anpassen lässt oder aber per se mit einem guten Schnitt überzeugt und damit Kopf, Hals und Nacken vor widrigem Wetter schützt, stellt ein entscheidendes Qualitätskriterium einer Regenjacke dar. Zentrale Charakteristika sind die Einstellbarkeit der Kapuze mithilfe von Zugbändern, die Stabilität des Schirms sowie ein eventuell darin integrierter biegbarer Bügel. Wichtig ist primär das enge Abschließen der Kapuze am Kopf, sodass (auch seitlich) kein Wasser in die Kapuze laufen kann.
  • Passform: Eine gute Passform ist dann gegeben, wenn trotz eines körpernahen Sitzes ausreichend Bewegungsfreiheit in Aktion gewährleistet wird. Im Optimalfall hält die Jacke die Balance zwischen zwei unerwünschten Extrempolen, d.h. dass sie weder flattert noch einengt.
  • Flexibilität des Materials/ Materialstärke: Um wasserdichte Eigenschaften zu erzielen, greifen die Hersteller auf unterschiedliche Materialien, verschiedene Beschichtungen oder Technologien zurück. Je nach Material und dessen Stärke ist die Jacke eher flexibel oder starr. Letzteres schränkt die Bewegungsfreiheit tendenziell ein und verringert den Tragekomfort beim Laufen. Dieses Kriterium geht Hand in Hand mit dem der Passform: Nur bei jeweils hoher Flexibilität des Materials und gutem Sitz wird ein angenehmer Tragekomfort generiert.

Alle Jacken erwiesen sich im Praxis-Check als wasserdicht, auch an Nähten und Reißverschlüssen zeigten sie keine auffälligen Schwachstellen. Ein wunder Punkt sind generell die Unterarme, insbesondere wenn die Laufuhr über der Jacke getragen wird und den Ärmelausgang verschließt, sodass es hier zu einem Hitzestau kommt. Denn dann sammelt sich in diesem Bereich vermehrt Schwitzfeuchtigkeit.

Die Atmungsaktivität

Belastbare Aussagen zur Atmungsaktivität lassen sich nur unter exakt gleichen Testbedingungen treffen, das heißt bei jedem Lauf müssen jeweils die gleiche Temperatur (ohne Schwankungen) sowie Regenstärke und Trainingsintensität vorliegen. Im Praxis-Check herrschten keine Laborbedingungen, sodass hilfreiche und wirklich vergleichbare Aussagen zur Atmungsaktivität das Niveau eines subjektiven Eindrucks nicht übersteigen können. Daher wurde an dieser Stelle darauf verzichtet.

Foto: Montane

Montane Minimus Stretch Ultra Jacket

Die Regenjacke von Montane zeigt, dass sie für bewegungsintensiven Ausdauersport bei widrigen Bedingungen gemacht ist: Hohe Funktionalität trifft auf geringe Materialstärke und maximale Bewegungsfreiheit. Die Kapuze lässt sich über zwei klassische Gummizüge rechts und links bei Bedarf so einstellen, dass nur noch das Sichtfeld frei bleibt und der Rest des Kopfes geschützt ist. Dennoch büßt der Kopf keineswegs an Bewegungsfreiheit ein. Dies erreicht die Kapuze, welche über einen verstärkten Schirm mit Bügel verfügt, nicht etwa durch einen zu weiten Schnitt, sondern eine optimale ergonomische Passform. Gleiches gilt für das Modell insgesamt: Trotz körpernahem Sitz büßt der Träger der Jacke keineswegs an Agilität ein. Die Jacke verfügt über einen langen Rücken sowie vorderseitig über zwei Taschen.

  • Fazit: Leichte Regenjacke mit optimaler Passform, hoher Bewegungsfreiheit und sehr guter Kapuze für widrige Bedingungen.
  • Flexibilität des Materials/ Materialstärke: 5/5
  • Passform: 5/5
  • Schirm und Kapuze: 4,5/5
  • Preis: 199,95 Euro
  • Hersteller: www.montane.eu

Gore R7 Gore-Tex Shakedey Trail Hooded Jacket

Die Shakedry-Technologie ermöglicht ein einfaches Abschütteln jeglicher Regentropfen, während das sogenannte Gore-Tex Laminat, das nicht nur wind- und wasserdicht, sondern auch extrem geschmeidig und weich ist, kaum Reibegeräusche erzeugt. Der körpernahe Schnitt sowie die passende Ärmellänge unterstreichen die gute Passform. Ein nettes Detail ist der zweiseitige Reißverschluss. Uneinigkeit herrschte in der Redaktion hinsichtlich Kapuze und Schirm: Während das integrierte Gummiband der Kapuze am Herrenkopf gut saß, schloss es beim Damenmodell nicht am Kopf ab. Auch bei Nutzung der zwei Gummizüge ließ sich die Kapuze nicht optimal anpassen. Das Herrenmodell hat auf der Brust, das Damenmodell auf dem Rücken unten eine Reißverschlusstasche. Insgesamt fällt das Modell etwas kleiner aus.

  • Fazit: Hochfunktionale, geräuscharme Regenjacke mit Abstrichen hinsichtlich der Anpassbarkeit der Kapuze.
  • Preis: 299,95 Euro
  • Flexibilität des Materials/ Materialstärke: 4/5
  • Passform: 4,5/5
  • Schirm und Kapuze: 3/5
  • Hersteller: www.gorewear.com
Foto: Gore Wear
Foto: Odlo

Odlo Zeroweight Rain Warm Jacke

Das Design der Odlo-Regenjacke punktet durch schlichte, zeitlose Optik. Positiv fällt zudem die angenehme Ärmellänge ins Gewicht. Die Kapuze lässt sich über einen Gummizug am Hinterkopf an den eigenen Kopf anpassen. Der leicht verstärkte Schirm (ohne Bügel) könnte beim Herrenmodell etwas großzügiger ausfallen, um einen größeren Überstand zu erreichen. Das Damenmodell erzielt durch den taillierten Schnitt eine gute Passform, das Herrenmodell dürfte durchaus noch körpernaher geschnitten sein. Innenliegend weist das Herrenmodell auf der Brust, das Damenmodell vorn unten im Hüftbereich eine Tasche auf, in das bequem ein Smartphone, ein Gel oder Objekte ähnlichen Volumens passen. Abstriche macht die Jacke im Vergleich zu den anderen Testkandidaten durch eine höhere Materialstärke und relativ laute Reibegeräusche.

  • Fazit: Schlichte Regenjacke mit guter Passform, aber stärkeren Reibegeräuschen sowie höherer Materialstärke.
  • Flexibilität des Materials/ Materialstärke: 3/5
  • Schirm und Kapuze: 3,5/5
  • Passform: 4/5
  • Preis: 149,95 Euro
  • Hersteller: www.odlo.com

Salomon Bonatti Pro Waterproof-Jacke (Herren)/ Lightning Waterproof-Jacket (Damen)

Diese Jacke erhielt im Test aufgrund ihrer hervorragenden Ergebnisse den „Redaktionstipp“.

Obwohl die Kapuzen des Damen-Modells Lightning und des Herren-Modells Bonatti über keine Verstellmöglichkeiten verfügen, weisen sie durch ihren Schnitt einen guten Sitz auf. Das integrierte Gummiband schließt auf der Stirn eng am Kopf ab und schützt zusammen mit dem verstärkten Schirm vor Regen. Das dünne Material der Jacken begünstigt die erwünschte Bewegungsfreiheit beim Laufen: Sie sind trotz ihrer Witterungsresistenz leicht und flexibel. Darüber hinaus weisen sie eine körpernahe Passform auf, welche bei Wind das Flattern der Jacke minimiert, und sind an den passenden Stellen großzügig geschnitten: Die Ärmel gehen bis über das Handgelenk und der Rücken reicht bis über den Po. Das Damen-Modell hat vorn unten, das Herrenmodell auf der Brust eine Tasche (jeweils mit Kopfhörer-Loch für das Kabel).

  • Fazit: Die Modelle von Salomon punkten vor allem mit einem durchdachtem Schnitt und einer präzisen Passform.
  • Preis: 220,- Euro
  • Flexibilität des Materials/ Materialstärke: 4,5/5
  • Passform: 5/5
  • Schirm und Kapuze: 4/5
  • Hersteller: www.salomon.com
Foto: Salomon
Foto: La Sportiva

La Sportiva Run Jacket

Diese Jacke erhielt im Test aufgrund ihres hervorragenden Preis-Leistungsverhältnisses den „Preis-Leistungs-Tipp“.

La Sportiva überzeugt mit der besten Kapuze im Test: Der breite Bügel reicht über die komplette Kopfbreite und ermöglicht eine hochgradig individuelle Anpassung. Sowohl ein tiefer eher spitzer als auch ein kleiner aber breiter Schirm sind möglich. Darüber hinaus kann die Kapuze mittels Gummizug am Hinterkopf sehr gut an den Kopf angepasst werden. Die Jacke weist einen angenehmen Sitz auf, ist körpernah geschnitten und hinten etwas länger als durchschnittliche Vergleichsmodelle. Sie gehört außerdem zu den leichteren im Test: Das angenehm dünne Material lässt nicht sofort vermuten, dass die Jacke in erster Linie als Regenschutz konzipiert ist. Sie gleicht stattdessen beinahe einer Windjacke. Das geringe Ausmaß der Reibegeräusche rundet das Produkt ab. Das Damenmodell fällt etwas größer aus.

  • Fazit: Leichte Regenjacke mit sehr guter Passform sowie perfekter Kapuze und maximal individualisierbarem Schirm.
  • Flexibilität des Materials/ Materialstärke: 4,5/5
  • Passform: 4/5
  • Schirm und Kapuze: 5/5
  • Preis: 149,- Euro
  • Hersteller: www.lasportiva.com

Adidas Terrex Agravic 3L Jacke

Die Agravic 3L Jacke sammelte insbesondere mit der Kapuze Pluspunkte. Im oberen Bereich ermöglicht ein auf Augenhöhe platzierter Gummizug eine gute Anpassung an den eigenen Kopf. Im unteren Kapuzenbereich wäre eine ähnliche Anpassbarkeit optimal, um das enge Abschließen der Kapuze am Kopf auch bei kleineren Köpfen sicherstellen zu können. Im Schirm befindet sich ein kleiner biegbarer Bügel. Insgesamt ist die Jacke durch den beschichteten Reißverschluss und die sehr großen beidseitigen Taschen, die sich quasi über den kompletten Bauchbereich erstrecken und damit zu einer Doppellagigkeit in dieser Region führen, relativ starr. Darüber hinaus fallen sowohl das Damen- als auch das Herrenmodell im Bauchbereich vergleichsweise weit aus. Hier wäre mehr Körpernähe wünschenswert, um ein Flattern bei Wind zu verhindern.

  • Fazit: Weiter geschnittene, etwas starrere Regenjacke mit höheren Reibegeräuschen aber guter Kapuze mit kleinem Bügel.
  • Flexibilität des Materials/ Materialstärke: 3/5
  • Passform: 3/5
  • Schirm und Kapuze: 4/5
  • Preis: 279,95 Euro
  • Hersteller: www.adidas.de
Foto: Adidas
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